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Wege aus dem Müllberg - Umweltschutz

Weniger Verkehr und reinere Luft – das sind die positiven Auswirkungen der Corona-Krise. Doch auf der anderen Seite schlagen Umweltschützer Alarm: Der Berg an Verpackungsmüll ist in den vergangenen Monaten drastisch gewachsen, das Thema Nachhaltigkeit rückt in den Hintergrund. Was lässt sich gegen den negativen Trend in der Ökobilanz tun?

Nachhaltigkeit. Umweltschutz.  Einwegverpackungen schaden der Ökobilanz. Foto: Weixx/ Adobe StockDer Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist steinig ‒ vor allem in Zeiten von Corona. Einwegverpackungen schaden der Ökobilanz. Foto: Weixx/ Adobe Stock

Im kommenden Jahr steht beim Hotel Adler in Freudenstadt ein Jubiläum an: Dann feiert das schwäbische Traditionsunternehmen, das mittlerweile in der dritten Generation besteht, dass es seit 25 Jahren von Armin und Beate Gaiser geführt wird. Doch noch ist Beate Gaiser nicht wirklich zum Feiern zumute. Die Corona-Krise hat ihre Spuren hinterlassen, und das im ganz wörtlichen Sinne, wie die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg (Dehoga) berichtet. „Das Thema Nachhaltigkeit, die Müllvermeidung und Energieeffizienz, hat bei uns immer eine große Rolle gespielt. Doch die vergangenen Monate bedeuten einen großen Schritt zurück.“ Eine Entwicklung, die nicht nur ihr, sondern auch anderen Gastronomen und Hoteliers Sorgen bereitet.

„Die Verunsicherung ist enorm.“ Zumal, wenn aufgrund einer zweiten Corona-Welle möglicherweise weitere strenge Vorgaben drohen. Während des Corona-Shutdowns bot das Hotel Adler Essen „to go“ an. Dabei versuchten die Verantwortlichen, möglichst ökologisches Verpackungsmaterial zu verwenden. Doch die Möglichkeiten der nachhaltigen Verpackung sind begrenzt. „Anders als bei einem Pizzakarton ist es viel schwieriger, Speisen wie Spätzle und Soße transportfähig und hygienisch zu verpacken“, sagt Gaiser. So sei in den vergangenen Monaten der Verbrauch an Plastikverpackungen immens gestiegen, „was uns innerlich natürlich total widerstrebt“.

Umweltschutz - Großer Aufwand an Personal und Material

Beate Gaiser- Foto: Andreas SteidelNoch gravierender waren die Auswirkungen beim Frühstücksbüfett. Dort konnten Butter und Marmelade nicht mehr offen ausgegeben werden; auch Zucker und Milch werden, wie in den Cafés, nur noch verpackt in Einzelportionen angeboten. Beate Gaiser und andere Hotelbetreiber suchten daher nach praktikablen Lösungen, die die hygienischen Vorschriften erfüllen, aber ökologisch vertretbar sind.

Anstelle von Kunststoffhandschuhen boten sie auswaschbare Baumwollhandschuhe an, zum Teil konnten die Gäste am Abend vorher ihre Essenswünsche individuell anmelden, so dass Butter und Marmelade in Einzelgefäßen abgefüllt und serviert werden konnten.

Doch der Personal-, Material- und Kostenaufwand ist enorm, sagt Beate Gaiser. „Wenn kein Verpackungsmaterial anfällt, schlagen Wasser- und Stromrechnungen zu Buche.“ Und je mehr Müll entstehe, umso höher die Entsorgungskosten. Auch der Personalaufwand sei immens gestiegen. „Allein beim Frühstücksbüfett haben wir fünf anstatt einen Mitarbeiter benötigt.“

Dehoga- Vorsitzende Beate Gaiser stellt fest: „Die Verunsicherung ist enorm.“ Foto: Andreas Steidel

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Die Ökobilanz während der Corona-Zeit fällt nicht nur im Hotel- und Gaststättengewerbe schlecht aus: In den Monaten zwischen März und Juni fielen laut dem Grünen Punkt, dem Dualen System Deutschland (DSD), insgesamt rund zehn Prozent mehr an Abfallmenge an. Zwar gab es in diesem Zeitraum weniger Abfälle in Gewerbe und Industrie, da viele Betriebe ihre Produktion gedrosselt hatten. Doch die Mengen an Kunststoffverpackungen haben seitdem zugenommen. Denn die hygienischen Vorgaben erfordern es seit der Corona-Krise, dass viele Nahrungsmittel einzeln verpackt werden. Aufgrund des niedrigen Ölpreises ist der Kunststoff außerdem viel billiger. Hinzu kommen der hohe Verbrauch an Einweghandschuhen und -mundschutz sowie der Bedarf an Schutzscheiben in Verkaufsläden.

Die ökologischen Auswirkungen der Krise verspürt auch Meike Fröhlich, Inhaberin einer kleinen Kaffeerösterei im Stuttgarter Westen. Vorsorglich hatte sie, vor dem Lockdown, eine große Anzahl von To-go-Pappbechern bestellt. Doch die habe sie dann gar nicht alle benötigt, denn der Getränkeausschank sei insgesamt „komplett weggebrochen“: Wo früher etwa täglich 50 bis 100 Kaffeebecher über den Ladentisch wanderten, weil sich Schüler und Arbeitnehmer mit dem beliebten Heißgetränk eindeckten, wurde jetzt nur noch ein Zehntel davon verkauft. Zumal das kleine dazugehörige Stehcafé aufgrund der Abstandsregeln nicht geöffnet haben darf. Stattdessen deckten sich viele Kunden mit Kaffeebohnen für zuhause ein.

Umweltschutz? - Rund zehn Prozent mehr Abfall

Trotzdem bedeutete das veränderte Kaufverhalten einen Einschnitt in die seit vielen Jahren bewährte nachhaltige Philosophie des Unternehmens: Während viele Stammkunden zuvor eigene Kaffeebecher zum Befüllen mitbrachten, war dies jetzt nicht mehr erlaubt. „Dadurch sind unsere Nachhaltigkeitsbemühungen erst einmal im Sande verlaufen“, sagt Fröhlich. Viele Kunden verzichteten daher lieber ganz auf das gewohnte Kaffee-Ritual, um nicht die vorgeschriebenen Einwegbecher verwenden zu müssen. Auch eigene Kaffeedosen mitzubringen, ist nicht mehr möglich, Bohnen und Pulver werden in Tüten abgefüllt. „Dafür haben nicht alle Kunden Verständnis“, sagt die Stuttgarterin

Klaus-Peter Koch. Foto: Julian Rettig

Wie lässt sich gegen den negativen Öko-Trend ansteuern? Klaus-Peter Koch, Umweltbeauftragter der württembergischen Landeskirche, fordert von den Gemeinden, im Rahmen der erforderlichen Hygiene-Vorschriften kreative Lösungen zu entwickeln. „Warum beispielsweise bei künftigen Gemeindefesten oder Zusammenkünften nicht die eigene Vesperdose mitbringen, anstatt ein offenes Kuchenbüfett anzubieten?“ Schließlich sei viel entscheidender, „dass man gemeinsam an einem Tisch sitzen kann“.

Koch sieht in der derzeitigen Situation auch eine Chance, in vielen Bereichen kritischer und genauer hinzuschauen. Lieferdienste seien etwa für Menschen, die sich nicht selbstständig versorgen könnten, eine wichtige Sache. Doch gerade bei Lieferungen durch Online-Bestellungen müssten weite Transportwege vermieden werden. „Am besten, man greift auf örtliche Anbieter zurück.“ Als positiven Trend registriert Koch, dass immer mehr Menschen sich Biokisten von regionalen Betrieben liefern lassen, da sie sich zuhause selbst versorgen, anstatt essen zu gehen.                                    

Koch verlangt von Politik und Industrie, ein vernünftiges Mehrwegsystem zu etablieren, um etwa To-go-Kaffeebecher mit Pfandlösungen anzubieten, „die dann auch an verschiedenen Stellen wieder abgegeben werden können“. Dass die Landeskirche während der Corona-Zeit einen übergreifenden Umweltleitfaden für alle Gemeinden veröffentlicht, sieht er jedoch nicht als sinnvoll an. „Der kann aufgrund der Entwicklungen in vier Wochen schon wieder veraltet sein.“ Besser sei es, in der jeweiligen Gemeinde alte Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Denn eines steht für Klaus-Peter Koch fest: „Die Situation wird uns noch eine Weile beschäftigen.“

Tipps zur Müllvermeidung gibt es im Internet, etwa unter www.nabu.de und www.plastikfrei. at.

Weitere Informationen unter www.umwelt.elk-wue.de und www.gruener-punkt.de

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