Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weihnachten in der Pflege

MÜNSINGEN – Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim soll Weihnachten ein besonderes Fest sein. In Münsingen und Hundersingen geben sich die Fachkräfte dafür viel Mühe und planen lang im Voraus, damit der Dienstplan passt.

 

Tamara Griesinger (Zweite von rechts) schätzt ihre Arbeit im Martha-und-Paul-Stäbler- Stift in der Weihnachtszeit besonders.
Foto: © Maria Bloching 

Tamara Griesinger gehört zu jenen Menschen, die an Weihnachten arbeiten. Sie übernimmt im Münsinger Seniorenzentrum Martha-und-Paul-Stäbler-Stift an drei Tagen die Frühschicht und genießt die besondere Atmosphäre in der Einrichtung. Wenn die 28-jährige Alltagsbegleiterin und Betreuungsassistentin früh am Heiligabend ihren Dienst antritt, spürt sie die Vorfreude der Bewohner. „Ich übernehme gerne die Frühschicht, so habe ich abends Zeit für meine Familie“, sagt sie. Ihre Arbeit unterscheide sich an Weihnachten spürbar von den restlichen Tagen im Jahr, alles sei viel intensiver und emotionaler als sonst. Denn zu dieser Zeit schauen Senioren gerne zurück und erinnern sich an Feste während der Kriegs- und Nachkriegszeiten oder im Kreise ihrer Familie.

Spürbar sei auch das verstärkte Bedürfnis nach Zuwendung, deshalb werde versucht, jeden Bewohner in das Geschehen aktiv mit einzubinden. Schon an den Tagen vor dem Fest sind Bewohner und Personal auf Weihnachtskurs: es wird – soweit es geht – gemeinsam Weihnachtsgebäck gebacken und auch das Christbaumschmücken findet häufig im Kollektiv statt.

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An Weihnachten sieht Tamara Griesinger nicht nur ihre Arbeit, sie nimmt das ganze Drumherum bewusst wahr. „Wir kochen gemeinsam Wild und Fisch und decken den Tisch besonders schön mit einer Tischdecke und schönen Servietten. In kleinen Details soll spürbar sein, dass Weihnachten ist.“ Es gehe jetzt vor allem darum, zusammen eine schöne Zeit zu verbringen und zu genießen. „Mir macht es nichts aus, an Weihnachten zu arbeiten. Wer in der Pflege tätig ist, weiß, dass man auch an Wochenenden und Feiertagen ran muss, dafür aber unter der Woche auch mal frei hat.“ Die Absprache unter den Kollegen funktioniere wunderbar, so dass der Dienst auch mit der Familie vereinbar sei. „Es ist wichtig, dass man allem gerecht wird“, sagt Griesinger. Sie selbst darf sich auf freie Tage über den Jahreswechsel freuen.

Ganz einfach ist es nicht, den Dienstplan an Weihnachten zu erstellen. „Durch die vielen Feiertage stehen unseren Mitarbeitern 14 freie Tage zu. Da heißt es jonglieren“, sagt Halina Pientka. Sie ist im Martha-und-Paul-Stäbler-Stift Pflegedienstleiterin und erstellt schon weit im Voraus Pläne. Darin konnten die Fachkräfte eintragen, wie sie sich ihren Dienst über Weihnachten und Silvester vorstellen. „Diese Zeit ist für unsere Mitarbeiter keine Last. Wir haben viele Teilzeitkräfte, die sich eine Schicht teilen, das funktioniert ganz gut. Außerdem erhalten sie einen Feiertagszuschlag. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, dann herrscht auch eine gute Atmosphäre im Haus“, sagt Pientka. Im Münsinger Seniorenzentrum, das zur Bruderhausdiakonie gehört, sind die 50 Bewohner in vier Hausgemeinschaften auf zwei Etagen untergebracht. „Hier leben sie wie in einer Großfamilie“, erklärt Halina Pientka.

Auch für die 86 Menschen in stationärer Pflege und für die 33 Bewohner in den zwei Wohnanlagen des Seniorenzentrums St. Anna in Munderkingen soll Weihnachten ganz besonders feierlich gestaltet werden. Jens Sachs, stellvertretender Pflegedienstleiter, übernimmt mit weiteren Kollegen am Heiligabend die Frühschicht, so hat er abends Zeit für seine Frau und die vier Kinder. Bereits am Vormittag geht es im Haus recht feierlich zu. In der Hauskapelle findet eine Andacht statt und das Jugendorchester spielt.

Für die Frühschicht wird eine Teilzeitkraft zusätzlich eingeteilt, damit mehr Zeit für das Miteinander bleibt. „In meinem Wohnbereich leben 21 Menschen, gemeinsam sorgen wir für einen festlichen Rahmen. Schließlich weiß man nie, ob es für manche Personen nicht das letzte Weihnachtsfest ist“, sagt Sachs.

Jens Sachs spricht sich im Seniorenzentrum St. Anna mit Hanna Störk über den Einsatzplan ab.
Foto: © Maria Bloching

Angehörige kommen und feiern am Christbaum mit, es wird miteinander gegessen, gesungen und man erzählt sich gegenseitig Geschichten. Einrichtungsleiter Denis Lamsfuss sagt, an Weihnachten lerne er die Menschen, die in St. Anna wohnen, noch einmal ganz anders kennen. Noch nie hätte es Schwierigkeiten bei der Erstellung des Einsatzplanes gegeben. Je drei Mitarbeiter sind im Wohnbereich von Jens Sachs für die Früh- und die Spätschicht mit je sieben Stunden eingeteilt. In der Nacht arbeiten zwei Fachkräfte, weitere halten sich in Bereitschaft.

Alle genießen die besondere Atmosphäre, die im ganzen Haus herrscht. „Ich empfinde es als Privileg, unsere Bewohner bei diesem Fest begleiten zu dürfen. Schon morgens beim Ankleiden legen sie großen Wert auf schöne Kleider, sie richten sich die Haare und manche Frauen legen sogar Lippenstift auf“, erzählt Sachs. Dasselbe gelte für Silvester: „Auch wir lassen Raketen knallen.“ Allerdings nicht um Mitternacht, sondern schon nach dem Abendessen, weil nur wenige Bewohner solange durchhalten.

Am Neujahrstag allerdings seien alle ganz erpicht auf den Neujahrsgruß, der am schön gestalteten Frühstückstisch untereinander ausgetauscht wird. „Man erzählt sich von den Vorsätzen und ist gespannt, wie lange diese halten“, sagt Jens Sachs.

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