Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wenn aus Fremden Freunde werden - Impuls zur Predigt

Hebräer 13,1-3 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

 

Impuls zum Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Hebräer 13,1-3. 

Von Ute Bögel



Pfarrerin Ute Bögel ist stellvertretende Leiterin von Stift Urach. Foto: Privat

Pfarrerin Ute Bögel ist stellvertretende Leiterin von Stift Urach. Foto: privat

Eine jüdische Legende sagt, dass die Nacht dann vorüber ist, wenn ein Mensch den anderen, wer es auch sei, einen bekannten oder unbekannten Menschen, als Bruder und als Schwester erkennt und liebt. Auch im Hebräerbrief steht die Liebe als Grundhaltung eines Christen an oberster Stelle. Die Liebe zu Brüdern und Schwestern und die Liebe zu den Fremden, was hier mit „Gastfreundschaft“ wiedergegeben wird. Beides gehört zusammen.

Im Griechischen ist der Wortstamm derselbe: „philadelphoi“ und „philoxenia“, übersetzt „Brüder und Schwestern lieben“ und „Fremde lieben“. Brüder und Schwestern, das sind die Menschen aus dem vertrauten Umfeld, die zum eigenen Leben dazugehören wie Familie und Verwandte, Nachbarn und Bekannte. Es sind Menschen, mit denen man Leben und Glauben teilt. Und die Fremden, das sind die, die man zwar noch nicht kennt, mit denen einen jedoch verbindet, dass sie Menschen sind wie wir selbst, nämlich Gottes geliebte Geschöpfe. Konkret zeigt sich die Liebe zu Fremden in der Gastfreundschaft. Wenn Menschen zuerst ihr Herz und dann auch ihr Haus öffnen und sich einlassen auf die Begegnung mit den noch unbekannten Fremden. Dann können aus Fremden Freunde werden.

Im Orient und in der Zeit, als der Apostel seine Zeilen schreibt, gegen Ende des ersten Jahrhunderts, ist Gastfreundschaft ein Grundgebot der Gemeinschaft und hat eine ganz tiefe Dimension. Nur so waren Reisen und Begegnungen überhaupt möglich, wenn einem Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf gewährt wurde. Welches Geschenk, wenn einer solch einladende Gastfreundschaft erfahren hat und jemand sein Haus und sein Herz geöffnet hat.

Und auch der Gastgeber war beschenkt. „Vielleicht beherbergt ihr einen Engel, einen Boten von Gott“, schreibt der Apostel. Denn die Begegnung mit dem unbekannten Gast bringt eine Erweiterung des eigenen Horizontes mit sich, neue Impulse und Sichtweisen, andere Erfahrungen und neue Einsichten. Vielleicht wird in der Begegnung von Mensch zu Mensch sogar etwas von Gott erfahren.

Als Pfarrerin in Stift Urach, dem Einkehrhaus unserer Landeskirche, erlebe ich das immer wieder. Bislang unbekannte Menschen lassen sich aufeinander ein, begegnen sich und kommen über Gott und die Welt ins Gespräch. Sie setzen den eigenen Lebensentwurf mit der Lebenserfahrung anderer in Beziehung, entdecken Gemeinsamkeiten und erfahren Unterschiede als Bereicherung. Und nach wenigen Tagen sind aus vormals Fremden Freunde geworden, die ihrer Wege ziehen.

In den letzten Wochen und Monaten, als Kontakte und Begegnungen aufgrund der Corona-Pandemie stark eingeschränkt waren, haben manche den Wert von menschlicher Nähe und Mitmenschlichkeit neu entdeckt und schätzen gelernt. Menschen, die seit Jahren Tür an Tür nebeneinander her gelebt haben ohne sich wirklich zu kennen, haben sich mit einem Mal aufgemacht und gefragt, ob die Nachbarn zurechtkommen oder Hilfe brauchen. Ganze Netzwerke sind entstanden. Jugendliche haben für Ältere Besorgungen gemacht und die haben ihren Garten zum Spielen geöffnet. Das ist gelebte Gastfreundschaft und Nächstenliebe. Aus Fremden sind Freunde geworden.

Weg zum Meer. Foto: UnbekanntWeg zum Meer. Foto: Unbekannt

 

Gebet

Gib uns Ohren, die hören, und Augen, die sehn, und ein weites Herz, andre zu verstehn.
Gott, gib uns Mut, unsre Wege zu gehn.

Bernd Schlaudt
EG-Ergänzungsliederheft Nr. 42


Pfarrerin Ute Bögel ist stellvertretende Leiterin von Stift Urach.

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