Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wer gibt uns Orientierung? - Impuls zur Predigt

1. Petrus 2,21a.24-25 : Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Wer gibt uns Orientierung?

Impuls für den Sonntag Miserikordias Domini: 1. Petrus 2,21b-25.

Von Martin Weeber

 

Martin Weeber ist Pfarrer an der Petruskirche in Gerlingen. Foto: Privat

 Martin Weeber ist Pfarrer an der Petruskirche in Gerlingen. Foto: PrivatOhne Orientierung wie herumirrende Schafe. Wohl selten einmal war dieses Bild eine so treffende Beschreibung unserer Gesellschaft wie derzeit. Die Schafe wittern es, dass sich ein Wolf der Herde nähert und sie beginnen, aufgeschreckt durcheinanderzulaufen.

Wir fühlen uns durch die Ausbreitung des Coronavirus bedroht und sind aufgeschreckt. Laufen wir durcheinander? Oder gehen wir auf geordnete Weise mit der Bedrohung um? Nehmen wir Rücksicht aufeinander? Oder denkt jeder nur an sich selbst und an die, die ihm nahestehen? Wer könnte uns den Ausweg aus der Bedrohung weisen? Zunächst haben alle Orientierung bei den Ärzten gesucht. Sie galten als die Experten, die wissen, was zu tun ist. Als seien sie die Hirten, deren Stimme uns den Weg in die Sicherheit weisen kann. Aber inzwischen sind die Stimmen derer lauter geworden, die darauf hinweisen, welche Probleme sich ergeben, wenn man alles nur noch daran orientiert, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Ich liebe den Namen dieses Sonntags: „Miserikordias Domini“. Nicht nur wegen des schönen Klangs, sondern vor allem wegen seiner Bedeutung: „Barmherzigkeit des Herrn.“ Darin fasst sich für mich so schön und tröstlich unser Glaube zusammen. Wir glauben an einen barmherzigen Gott. Dieser barmherzige Gott zeigt sich uns in dem, den der Erste Petrusbrief als den „Hirten und Bischof unserer Seelen“ bezeichnet, nämlich in Christus.

In der Karwoche und an den Osterfeiertagen haben wir sein Leiden bedacht und uns über seine Auferstehung gefreut. Freilich nicht auf die gewohnte Weise. Wir durften uns nicht zu Gottesdiensten in unseren Kirchen versammeln. Und wir haben gemerkt, wie sehr uns das gefehlt hat. Wie schön ist es doch, wenn man einander etwa nach einer Osternachtfeier zurufen und antworten kann: „Der Herr ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Wir glauben an einen barmherzigen Gott

Mit meinen Schülerinnen und Schülern in der Kursstufe des Gymnasiums war ich gerade eingestiegen in das Thema „Was ist der Mensch?“ Dann kam die Schließung der Schulen. Ein paar Tage später habe ich mich per E-Mail bei ihnen gemeldet. Ich habe mich bei ihnen erkundigt, wie es ihnen geht. Und dann habe ich ihnen eine Aufgabe geschickt. Sie sollten einen kleinen Aufsatz schreiben zu dem Thema: „Was lernt man aus der Corona-Krise über den Menschen?“ Diese Aufsätze haben sie mir zugeschickt, und ich habe sie gelesen. Mich hat gefreut, dass die Schülerinnen und Schüler bemerkt haben, dass sich in der Zeit der Krise vieles bewährt, was man aus den alten Texten der Bibel über den Menschen lernen kann. So etwa die uralten Einsichten, dass wir auf Gemeinschaft angewiesen sind und dass wir nicht alles im Griff haben.

So wichtig die Medizin ist und so schätzenswert die Naturwissenschaften sind, sie können uns keine letzte Orientierung im Leben geben und auch keinen Trost und keine Perspektive. Wir leben nicht von der Perfektion unserer Weltbeherrschung. Wir leben aus jener Barmherzigkeit, die für uns als Glaubende ihr Gesicht findet im Antlitz Jesu Christi.

 

Foto: Alexandru Tudorache/UnsplashFoto: Alexandru Tudorache/Unsplash

Gebet

Jesus Christus, unser Herr und Freund, lass uns deine Barmherzigkeit spüren.

Lass uns barmherzig sein mit den anderen und mit uns selbst.

Lass uns der Gerechtigkeit leben, nach deinem Vorbild.

Decke unsere Irrtümer auf.

Amen.

 

 

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