Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wickeln im Akkord - Wetten das? Stadtwette

Als Manuela Lenzer erfahren hat, dass sie Drillinge bekommt, sind Tränen geflossen. Nicht vor Glück, im Gegenteil. Tatsächlich war die erste Zeit mit dem unerwarteten Kindersegen extrem anstrengend, auch für die große Schwester. Ein Rückblick auf turbulente Jahre.

Foto: Privat

„Manchmal sehen sie sich schon wahnsinnig ähnlich“, sagt Manuela Lenzer. „Früher war’s ganz schlimm. Du hast mich angerufen“, sagt sie zu ihrem Mann Markus, „und gemeint: Svenja hat gespuckt. Ich kam heim, schaute in die Wippe, sagte: Das ist sie doch gar nicht.“ Zwei gleiche Gesichter sehen sich heute an. Lena und Svenja aus Limbach im Kreis Günzburg. Nur die Haare trägt Lena kürzer. Sie kichern. „Ich zog sie aus und – hatte recht“, erinnert sich Manuela Lenzer. „Svenja hat einen Leberfleck am Po.“

Als Kinder hatten Lena und Svenja oft die gleichen Sachen an, heute nicht mehr. Aber sie wollen immer die gleichen Klamotten im Schrank haben. Gibt es einen Pulli im Laden nicht für beide, verzichten sie drauf. „Ist irgendwie so.“ Können sie selbst nicht erklären.

„Die Leute rufen oft: Ach Zwillinge!“, erzählt Lena. „Dann sagen wir: Ne, ne, da gehört noch einer dazu. Wir sind Drillinge, unser Bruder Nico ist zuhause. Unser Standardsatz.“

Januar 2007. Manuela Lenzer sitzt auf dem gynäkologischen Stuhl ihrer Frauenärztin. Erster Ultraschall. „Wir wollten noch ein zweites Kind. Dann der Schock: Zwillinge.“ Drei Wochen später der zweite Ultraschall. Die Ärztin fährt mit ihrem Gerät herum, verstummt plötzlich, bis sie sagt, so etwas sei ihr in ihrem Berufsleben noch nie passiert. Es seien drei. Zu ihrem Mann habe sie damals gesagt: „Wenn sie nochmal eins findet, kriegst du’s.“ Alle lachen.

Drei Babys, aber nur zwei Hände

Die Mama hat den Laden daheim im Griff, lacht laut und redet gerne. Damals aber brach für sie eine Welt zusammen. Vor jeder Untersuchung hat Manuela Lenzer von da an  Angst. Markus Lenzer: „Du denkst: Zwillinge? Geht schon. Jeder von uns hat zwei Arme, zwei Hände. Aber drei …“ Seine Frau gesteht, sie habe erstmal nur geweint. Sie fragte sich: „Wer hilft mir? Tag und Nacht? Wir haben doch nochmal ein Kind, für das wir da sein müssen.“

Warum ich? Das fragt sich Manuela Lenzer oft während der Schwangerschaft. Sie hat sich weder künstlich befruchten lassen, noch gibt es zweieiige Zwillinge auf ihrer Verwandtschaftsseite, was die Wahrscheinlichkeit für Mehrlinge erhöht hätte. Die Schwangerschaft verläuft unkompliziert.

Wetten, dass ... bald ein Baby weint? Thomas Gottschalk hat bei den Drillingen eine Stadtwette eingelöst. Foto: PrivatMöglichst bis zur 30. Woche sollen Mehrlinge reifen, bis sie auf die Welt geholt werden. Bis zur 33. Woche plus vier Tage hält Manuela Lenzer durch. Eigentlich will sie länger. Ihr Credo: „Nicht vor der Großen sollen sie kommen.“ Lara hat am 25. Juli Geburtstag. Doch am 22. Juli geht es der Schwangeren plötzlich nicht mehr gut.

Manuela Lenzer sagt über die Geburt. „Du liegst da und siehst, wie Hebammen und Ärzte ein Kind nach dem anderen aus dir heraus holen.“ Lena um 11.10 Uhr mit 1550 Gramm. Zwei Minuten später Svenja mit 1570 Gramm, dann eine Minute danach Nico mit 1960 Gramm. Drei Kinder auf einen Schlag. Alle gesund. Manuela Lenzer erinnert sich noch an die erste Begegnung mit ihnen: „Sie lagen im Brutkasten wie Äffle. Ganz viele schwarze Haare. Überall Kabel, eine Nadel im Kopf, der Schlauch.“ Die Muttermilch wird abgepumpt und ihnen in den Mund geträufelt.

Wetten, dass ... bald ein Baby weint? Thomas Gottschalk hat bei den Drillingen eine Stadtwette eingelöst. Foto: Privat

Abpumpen ist dann daheim die neue Dauerbeschäftigung von Manuela Lenzer. Noch immer fasziniert sie, dass sich der Körper automatisch darauf einstellt, drei Kinder zu versorgen. Sie und ihr Mann bereiten jeden Morgen rund 30 Fläschchen vor. Der Kühlschrank ist proppenvoll.

Alle vier Stunden heißt es nun: Füttern, wickeln, in eine Tabelle eintragen, damit nichts durcheinander kommt, dazwischen zwei Stunden schlafen. Manuela Lenzer: „Kaum hatte man das eine Kind fertig und mit dem anderen weiter gemacht, spuckte das erste schon wieder übers dritte. Wir waren am Ende.“ Markus Lenzer: „Die Nachbarstöchter kamen glücklicherweise oft zum Füttern vorbei, wenn sie aus der Disco heimkamen.“

Wetten, dass ... bald ein Baby weint? Thomas Gottschalk hat bei den Drillingen eine Stadtwette eingelöst. Foto: public domain. Quelle: wikipediaWetten, dass ... bald ein Baby weint? Stadtwette eingelöst. Foto: public domain. Quelle: wikipedia

Auch Thomas Gottschalk klingelte mal, um zu helfen. Manuela Lenzers Mutter hatte hinter ihrem Rücken einen Brief an „Wetten, dass ..?“ geschickt. Als die Tochter dann daheim auf dem Sofa die Sendung schaut, wird der Wetteinsatz für die Stadtwette in Graz verkündet. Thomas Gottschalk soll Kindermädchen spielen bei einer Familie im bayerischen Limbach. Hatte sie richtig gehört? Zur Sicherheit schaute sie am nächsten Tag die Wiederholung. Tatsache. Bald darauf stehen Bodyguards vor der Tür des Einfamilienhauses in dem 250-Einwohner-Dorf. Gottschalk und sein Filmteam huschen hinein. Der Moderator wickelt die Drillinge, füttert sie, liest ihnen vor. Manuela Lenzer ist von ihrem Lieblingsmoderator begeistert: „Ein ganz netter, normaler Mensch. Meinem Mann schnitt er beim Essen sogar den Leberkäse, weil der gerade ein Kind auf dem Arm hatte.“

Leider kommt Thomas Gottschalk nicht jeden Tag. Also helfen Omas, Tanten, Nachbarn und zeitweise eine Haushaltshilfe. Markus Lenzer jongliert zwischen vier Kindern und den Früh-, Spät- und Nachtschichten bei der Autobahnmeisterei. Seine Frau erinnert sich: „Es ging nur noch ums Überleben. Wir sind auch nicht mehr wirklich rausgekommen. Drei Jahre lang.“

Lara, die ältere Tochter, kommt mit der Verdopplung der Familie von drei auf sechs schwer klar. Markus Lenzer: „Sie fühlte sich abgeschoben und war psychisch angeschlagen, weil alles zu viel war.“

Noch dazu sollte sie plötzlich in den Kindergarten. Jahrelang ist auch der Drillingsgeburtstag ein heikles Thema. Manuela Lenzer: „Am 23. Juli saß Lara regelmäßig unter der Eckbank und heulte: Ich bin älter. Warum haben die vor mir Geburtstag? Wieso kriegen die vor mir Geschenke? Das war manchmal sehr hart.“ Sie versucht, immer wieder bewusst Zeit allein mit der ältesten Tochter zu verbringen.

Leberkäs mit Onkel Thomas

In der Gegend sind die Drillinge natürlich eine Attraktion. Wenn die stolze Oma mit dem Drillingswagen ihre Dorfrunde dreht, passt der gerade so auf den Gehweg. Müssen die drei zum Arzt, werden drei Kindertragen aus dem Auto gehievt und die Leute schauen. Als es doch mal in den Urlaub geht, an den Bodensee, glaubt die Vermieterin der Ferienwohnung, Familie Lenzer wolle einziehen, weil sie so viele Kinderhochstühle, Kinderreisebetten und Tragen anschleppt.

Über diese Zeit können sie sich heute amüsieren, wenn sie gemeinsam auf dem Sofa liegen. Dass die drei Kinder Drillinge sind, ist ihnen gar nicht immer so bewusst. Sie fühlen sich einfach als Geschwister, auch wenn Lena und Svenja viel Zeit miteinander verbringen, beim Reiten oder Tanzen. Nico spielt Fußball.

Manchmal aber kommt es vor, dass Manuela Lenzer abends in eines ihrer Zimmer schaut und zwei oder drei von ihnen schlafen zusammen in einem Bett. Wie früher. Doch es wird seltener.

Die Drillinge werden irgendwann ihre eigenen Wege gehen. Gemeinsam oder jeder für sich. Erstmal leben sie noch ein paar Jahre als Großfamilie unter einem Dach. Und wer weiß? Wenn sie 18 werden, vielleicht klingelt dann ja wieder Onkel Thomas. Wie er sich auf den Autogrammkarten genannt hat, die in ihren Babyalben kleben. Dann gibt’s Sekt statt Milch.

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