Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie ein Brief nach langem Schweigen - So ist Versöhnung...

Wer bei Versöhnung an Musik denkt, dem kommt oft schnell „Wie ein Fest nach langer Trauer“ in den Sinn. Der Liedermacher Jürgen Werth hat das Stück 1988 für ein Musical geschrieben. Er war selbst überrascht, wie populär es wurde.

Brief schreiben. Foto: hudsoncrafted, pixabayBrief schreiben. Foto: hudsoncrafted, pixabay

Im Juni 1988 fand der Jugendkongress Christival in Nürnberg statt. Eines seiner Programmpunkte war das Josef-Musical, geschrieben von dem Texter und Publizisten Jürgen Werth und dem Komponisten Johannes Nitsch. Das vorletzte Stück trug den Titel „Wie ein Fest nach langer Trauer“, dazu wurde auf der Bühne ausgelassen getanzt.

Das Ereignis haben die wenigsten heute noch in Erinnerung, das Lied hingegen ist in christlichen Kreisen populärer denn je. Viele kennen es gar nicht unter seinem richtigen Namen, sondern haben lediglich die Refrainzeile abgespeichert: „So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.“

Nach Versöhnung und dem wahren Frieden suchen die Menschen heute wie damals. „Eine Grundsehnsucht“, sagt Jürgen Werth, der mit großem Staunen verfolgte, wie sein Versöhnungslied plötzlich ein Eigenleben zu führen begann. In zahlreiche Liederbücher wurde es aufgenommen und schließlich auch in die Regionalteile von drei Gesangbüchern: Baden, Pfalz und Württemberg.

Der Journalist und Liedermacher Jürgen Werth hat „Wie ein Fest nach langer Trauer“ 1988 verfasst. Foto: PressebildDer Journalist und Liedermacher Jürgen Werth hat „Wie ein Fest nach langer Trauer“ 1988 verfasst. Foto: Pressebild

„Das war ein Ritterschlag“, sagt Werth, der stolz darauf ist, dass sein Werk nun offizielles Liedgut ist. Er hat es vor vier Jahren auf seiner CD „Nahaufnahme“ noch einmal ganz neu eingesungen und dabei bewusst viele Pausen gelassen: Das Lied lebt von seinen eindrücklichen Bildern, dem Feuer in der Nacht, dem Brief nach langem Schweigen, dem Blick, der Hoffnung weckt.

Ein Sprachbild wäre fast der neuen Bedenkenträgerei zum Opfer gefallen: Eine der Gesangbuchkommissionen hatte bei der Zeile „Wie ein Erdteil neu entdeckt“ Bauchschmerzen bekommen, weil hier koloniales Gedankengut assoziiert werden könnte. Die Zeile blieb trotzdem drin, auch weil Werth klarmachte, dass die Unterdrückung fremder Völker damit bisher noch nie in Verbindung gebracht worden sei. Eher geht es in seinem Lied um Befreiung von einer Last, die alle Menschen auf der Welt gleichermaßen bedrückt. Der wahre Friede ist eben auch im 21. Jahrundert eine globale Herausforderung. □

www.juergen-werth.de

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Wie ein Fest nach langer Trauer

Wie ein Fest nach langer Trauer,
Wie ein Feuer in der Nacht.
Ein offnes Tor in einer Mauer,
Für die Sonne aufgemacht.

Wie ein Brief nach langem Schweigen,
Wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
Ein „Ich mag dich trotzdem“-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn.

Wie ein Regen in der Wüste,
Frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für Vermisste,
Alte Feinde Hand in Hand.

Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
Wie in Seenot Land in Sicht.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
Wie ein strahlendes Gesicht.


So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn.

Wie ein Wort von toten Lippen,
Wie ein Blick, der Hoffung weckt.
Wie ein Licht auf steilen Klippen,
Wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, wie der Morgen,
Wie ein Lied, wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe,
Wie Gott selbst das wahre Licht


So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn.