Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie ein gelungenes Familienfest - Benefizessen

ZIZISHAUSEN (Dekanat Esslingen) – Hirt und Wirt riefen, und die Gäste kamen in Scharen: Im September fand im Gasthaus Zizishausen das 2. Benefizessen zugunsten Bedürftiger statt. Weil jeder Gast 20 Euro für ein Winzermenü zahlte und Gastwirte sowie Helfer auf ihr Salär verzichteten, freut sich nun das Kinderheim Montecarlo in Argentinien auf eine finanzielle Unterstützung.

Gastwirte, Benefizessen in Zizishausen

Die Gastwirte Volker (links) und Jörg Schwarz kümmern sich darum, dass der Zwiebelkuchen pünktlich rauskommt.
© Foto: Brigitte Jähnigen  

Karlheinz Graf, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Zizishausen und Initiator des Abends, hatte über den Benefiz-Schmaus das Motto der Zisterziensier gestellt: „Die Tür ist offen, aber das Herz noch mehr“. Die Tische in der „Linde“ waren herbstlich geschmückt, schließlich erwartete die Gäste ein Winzermenü. Die Stuhlreihen füllten sich, der Geräuschpegel stieg an – hier kannte offensichtlich jeder jeden. Alle erwarteten die offizielle Eröffnung – der schwierigste Part für Gastwirt Jörg Schwarz: „Schwätzen, das mach ich nicht so gern.“

„Ich würde gern mal mit dir tauschen, da muss ich nur sonntags arbeiten“, hatte der Gastwirt in einer launigen Stunde zum Pfarrer gesagt. „Ich auch“, gestand der Pfarrer. So entstand die Benefizaktion „Hirt hilft Wirt“. Der Wirt und sein Team kochten und luden ein, der Hirt und seine Helfer servierten souverän Zwiebelkuchen, in Rotwein eingelegten Schweinebraten und warmen Zwetschgenkuchen. Dazu wurden Dornfelder, Weißburgunder und Acolon gereicht, Täleswein aus Neuffen.

„Der Pfarrer hier ist eine Sensation“, sagt Rüdiger Stephan. Karlheinz Graf habe ihm eine spirituelle Heimat gegeben. Stephan hat die katholische Kirche der Missbrauchsskandale wegen verlassen und kommt nun auch ohne Konfessionszugehörigkeit klar. „In Zizishausen kennt man sich, trifft sich bei Dorffesten und im Gottesdienst“, sagt Stephans Tischnachbar Norbert Kuplent. Und als Rüdiger Stephan, Gastwirt wie die Brüder Volker und Jörg Schwarz, vor zwei Jahren sein Bistro schloss, hat er den Pfarrer um eine Rede gebeten. „Der hat das gemacht, einfach so“, lächelt er versonnen.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Ein Theologe, der mitten im Leben steht, das war Karlheinz Graf auch in Argentinien. Das Kinderheim Montecarlo wurde zum Zufluchtsort, als Graf mit seiner Familie in Argentinien gelebt und gearbeitet hat. Ehemaligen Straßenkindern und Kindern aus sozial schwachen Familien wird dort ein Zuhause gegeben. Inzwischen wohnen 25 Kinder im Heim. Jedes bringt schmerzhafte und schwierige Erfahrungen mit. Im krisengeschüttelten Land Argentinien stehen Kinder wie die im Heim Montecarlo am Ende der Warteschlange, wenn es um Bedürfnisse geht. Am 27. Oktober waren Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Hoffnung auf Besserung im 44-Millionen-Einwohner-Land machen sich die wenigsten.

Zizishausen, Pfarrer Graf hilft im Service

Erwartungsvolle Gäste: Pfarrer Karlheinz Graf packt im Service mit an.
© Foto: Brigitte Jähnigen 

Auch der Erlös eines ersten Zizishäuser Benefizessens ging nach Argentinien. Damals war es ein Altenheim, ebenfalls in Montecarlo gelegen. Der dritte Adressat für eine Spende war Casa Nova, die Junge Kirche der Versöhnungskirche Nürtingen. Auch deren Jugendreferent Thomas Volle und seine Helfer banden sich an diesem Abend eine schicke Schürze vor und servierten das Menü. Als Gast geladen war Johannes Reinmüller. Der Pfarrer in der Projektstelle für neue Aufbrüche und innovatives Handeln in der Evangelischen Landeskirche sei wohl „auf Ideenklau“ hier, meinte sein Kollege Graf launig.

Ein Wirt spendiert, ein Hirt serviert: Die Stimmung in der „Linde“ ist wie bei einem gelungenen Familienfest. Für Unterhaltung sorgen auch Margret Schuler auf dem Akkordeon und Peter Brändle mit Wortwitz. In einem weiten Bogen entwirft Brändle, Theologe und Comedian, ein Zukunftsbild von Zizishausen als „Monte Carlo von Nürtingen“ mit der „Linde“ als kulinarischer Topadresse und einem Wellnesszentrum. Die Gäste amüsieren sich köstlich und freuen sich schon auf ein nächstes Benefizessen.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen