Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie neugeboren - Impuls zur Predigt

Kolosser 2,12-15 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Wie neugeboren

Impuls für den Sonntag Quasimodogeniti: Kolosser 2,12-15.

Von Sabine Löw

Sabine Löw ist Pfarrerin der Stuttgarter Pauluskirche. Foto: Georg Linsenmann

Jenseits von traurig stimmenden Kirchenaustritten in der Landeskirche können wir auch eine erfreuliche Entwicklung beobachten: die vielen Taufen aktuell. In der Alten Kirche war der Sonntag mit dem wunderbaren Namen Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kindlein – der letzte Tag, an dem diejenigen, die in der aufgehenden Sonne von Ostern getauft wurden, ihr weißes Taufkleid getragen haben. Der Predigttext aus dem zweiten Kapitel des Kolosserbriefes lädt uns dieses Jahr dazu ein, dem nachzusinnen, was die Taufe eigentlich ist. Sie ist eine Lebensbewegung.

Sabine Löw ist Pfarrerin der Stuttgarter Pauluskirche. Foto: Georg LinsenmannVielleicht nehmen wir unsere Taufe heute als zu selbstverständlich hin. Für Martin Luther war sie ein Gänsehautgefühl, ein erhabener, heiliger und tröstlicher Zustand. Ihm war der Satz „Ich bin getauft“ eine Stütze in Zeiten von Depression und Verunsicherung. So fragt er im vierten Hauptstück des Kleinen Katechismus: Was bedeuten denn solche Wassertaufen? Antwort: „Dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen, ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.“

Genau diese Bewegung zeichnet der Predigttext vor. Ohne Taufe sind wir Menschen wie tot, wie begraben. Das ist ein starkes Bild. Es erweckt zunächst Widerstand in mir: Nein, ohne Taufe ist man doch nicht tot! Andererseits: Ist „tot“ nicht genau das, wie ich mich zuweilen fühlen kann? Ist es nicht wie abgestorben, wenn ich mich im Hamsterrad des Alltags drehe? Und ist unsere Ohnmacht angesichts von Krieg nicht so etwas, wie im Schatten des Totenreiches zu sein?

Wir Menschen sind wie tot, wenn wir nicht über das hinausschauen können, was gerade da ist an Angst. Zu Christus zu gehören und lebendig zu sein, ist aber das, was uns als Christinnen und Christen bestimmen sollte. Wie können wir uns als Getaufte tatsächlich lebendig und auferstanden fühlen? Vielleicht so, wie Gill Baine es vorschlägt: „Frage dich nicht, was die Welt braucht. Frage dich, was dich lebendig macht, und dann gehe hin und tue das Entsprechende. Denn die Welt braucht nichts so sehr wie Menschen, die lebendig geworden sind.“

Lebendig sein

Lebendig zu sein ist das Lebensgefühl, das wir als Christinnen bis in die tiefste Zelle hinein haben dürfen. Das ist eine Zusage an uns von Gott. Wir haben die Zusage, dass der Schuldbrief getilgt ist. So wie es hier im Kolosserbrief heißt.

Es gibt keine Schuld oder Last mehr, die zwischen uns und Gott steht. Denn mit Jesus sind wir mit hineingenommen in seine Auferstehung.

Und wenn wir im Gottesdienst und zu anderen Anlässen beten: „wie im Himmel, so auf Erden“, so ist das eine stetige Erinnerung daran, dass das zu jedem Moment gilt. Die Ewigkeit ist mitten unter uns.

Unsere Taufe immer wieder neu ernst zu nehmen, heißt, Tod, Sterben und Auferstehung wieder neu zu schmecken. Nicht erst irgendwann nach unserem leiblichen Tod, sondern heute, jetzt und hier.

Lebendiges Wasser. Frisches Wasser. Foto: pixabay/Manuel Dario Fuentes HernandesFoto: pixabay/Manuel Dario Fuentes Hernandes

Gebet

Lieber Jesus, nicht nur deinen Tod bist du gestorben.

Mein eigenes Nicht-Lebendigsein hängt mit an deinem Kreuz.

Mit dir darf ich auch auferstehen und lebendig werden.

Lass mich mit jedem Atemzug spüren, was es heißt, zu leben, zu fühlen, zu sein.

Schenke mir deinen Frieden. Mir und dieser Welt.

Amen.