Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie souverän - Impuls zur Predigt

Markus 2,23-24.27-28 Und es begab sich, dass Jesus am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Wie souverän

Impuls für den 20. Sonntag nach Trinitatis: Markus 2,23-28.

Von Beatus Widmann

Beatus Widmann ist Dekan des Kirchenbezirks Balingen. Foto: Privat

 

Dekan im Kirchenbezirk Balingen, Beatus WidmannEs gibt für mich kaum eine schönere und meine Seele tiefer sättigende Impression als ein goldgelbes Kornfeld kurz vor der Ernte im Hochsommer. Mir erscheint, es begegne mir darin nichts weniger als die Fülle und der verschwenderische Reichtum des von Gott überreich geschaffenen Lebens. Und genau dieses Bild bildet den Hintergrund für ein Streit- und Schulgespräch von Jesus mit den Hütern der öffentlichen Ordnung. Der Evangelist Markus zeigt Jesus schon sehr bald in ernsten Konflikten mit ihnen. Jesus tritt auf. Er wird getauft. Er wird versucht. Er predigt, beruft und heilt, treibt böse Geister aus und das an sieben Tagen die Woche. Natürlich bringt ihn das auch bald in Gegensatz zu dem Gebot der Heiligung des Feiertages. Das ist nicht irgendein Gebot, sondern ist die grundlegend unvergleichliche Ordnung aller Ordnungen.

Die Jünger Jesu tun, indem sie Ährenraufen, etwas Erlaubtes. Sie nehmen für sich das Armenrecht in Anspruch. Sie tun es aber am verbotenen Tag. Denn, so der Sinn des Gebotes, wer den Sabbat heiligt und wer am siebten Tag ruht, wird zum Teilhaber Gottes an der Weltschöpfung und hilft, der Welt die Erlösung zu bringen. Wer am siebten Tag die Hände von der Arbeit und von allem Zwang des Machens lässt, der entkommt dem totalen Anspruch des Wirtschaftens und damit auch dem Wahn des Machbaren. Der kann teilhaben an der vollkommenen Freude und schaut aus nach der Vollendung des Heils im großen und endgültigen Sabbat. Die als Warnung an Jesus gemeinte Frage der Gesetzeskundigen beantwortet dieser dreifach. Seine erste Antwort ist ein Schriftbeweis (Vers 25). Dann antwortet er mit einem Spruch (Vers 27) und schließlich mit dem Hinweis auf seine Vollmacht (Vers 28).

Jesus weiß, dass er sein Leben riskiert, wenn er das Sabbatgebot durchbricht. Er durchbricht es, um Not zu wenden, aber er hebt es nicht grundsätzlich auf. Not bricht Gebot. Und im Konfliktfall geht ihm das Menschliche vor. Jesus gibt Freiheit, indem er situationsgerecht dem Gebot der Stunde gehorcht und eine eigene, freie und barmherzige Entscheidung riskiert und so dem Gebot einen neuen, menschendienlichen Sinn gibt.

Jesus gibt Freiheit

Siehe da, Gottes Ehre und das Wohl des Menschen müssen gar nicht gegeneinander antreten wie so oft beim fundamental-religiösen Prinzipienreiten. Jesus hebt das Sabbatgebot als selbstständige Einzelforderung auf und überbietet und erfüllt es in einer finalen Ankündigung. Wenn sein Reich kommt, das Reich des Menschensohns, dann wird die Schöpfung durch Gott selbst vollendet. Und jede vorläufige Ordnung findet darin ihre Grenze. Jesus verkündet und bietet das souverän dar, was im Schöpfungsbericht verheißen ist und worauf jeder siebte Tag erinnernd hinweist: Die endgültige Ruhe für die ganze Schöpfung in Gottes allumfassenden Heil. Was für ein souveräner Mensch. Was für eine herrliche Freiheit für uns. Und was für ein Tag des Herrn. □

Kornfeld. Reife Ernte. Foto: Tomasz Filipek/UnsplashKornfeld. Reife Ernte. Foto: Tomasz Filipek/Unsplash

 

Gebet

Das Brot vom Korn, das Korn vom Licht, das Licht aus Gottes Angesicht.

Die Frucht der Erde aus Gottes Schein, lass Licht auch werden im Herzen mein.

 

Beatus Widmann ist Dekan des Kirchenbezirks Balingen.

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