Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie wir uns freuen - Spielarten der Freude

Freude ist ein Hochgefühl, etwas Wunderbares, wenn sie auch noch ungetrübt ist. Wir können uns auf vielfältige Art und Weise freuen: Vorher, nachher, still und heimlich, lauthals und mit allen Sinnen. Ein kleiner Überblick über die Spielarten der Freude.

Lebensfreude. Foto: pixabay/JillWellingtonLebensfreude. Foto: pixabay/JillWellington

Vorfreude

In der Kindheit dehnt sich die Zeit. Endlos zieht sich der Advent dahin, Türchen um Türchen öffnet das Kind am Adventskalender, doch Weihnachten rückt nur langsam näher. Die Vorfreude in Erwartung des Festes entfaltet sich, sie wird größer und größer. Ob sie die schönste Freude ist, wie ein Sprichwort behauptet? Das vielleicht nicht, aber sie ist kreativ. Wer Vorfreude empfindet, der hat eine Vorstellung von dem, was kommt. Er malt es sich aus, gestaltet es in Gedanken so schön wie möglich. Dies gelingt in Zeiten der Muße. Wer von Aufgaben und Erledigungen schier erdrückt wird, kann sie kaum empfinden. Ein baldiges Wiedersehen, eine Reise oder die Aussicht auf eine neue Aufgabe können Vorfreude wecken. Im Advent kehrt sie Jahr für Jahr wieder, wenn sich Kinder und Erwachsene auf das größte Geburtstagsfest überhaupt freuen.

Lebensfreude

Sie rührt an den Kern des Menschen. Wer Lebensfreude empfindet, ist dankbar für das Geschenk des Lebens, findet Kraft für die Aufgaben, die sich ihm stellen, ist mit seinem Leben im Reinen und begegnet seinen Mitmenschen friedlich. Wer möchte das nicht? Die Werbung behauptet: Kaufe dieses Produkt, mache jene Reise, dann kommt die Lebensfreude von ganz allein. Eine Lüge. Lebensfreude kommt nicht mit dem Konsum, vielmehr wird sie durch das rastlose Streben nach immer neuen Dingen gebremst. Sind die Grundbedürfnisse erst einmal gestillt, kann sich die Lebensfreude entfalten. Forscher beschäftigen sich damit, was Menschen glücklich macht und welche Gesellschaften besonders glücklich sind. Die Vereinten Nationen veröffentlichen jährlich den World Happiness Report, den Welt-Glücks-Bericht. 2020 war Finnland auf dem ersten Platz, Deutschland hingegen lag auf Rang 17. Doch wie will man Lebensfreude messen? Sie zu empfinden ist ein Geschenk.

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Gaumenfreude

Wir müssen essen, weil wir sonst verhungern. Nahrungsaufnahme ist also zunächst eine Überlebensfrage. Doch gutes Essen kann uns auch erfreuen, kann den Gaumen kitzeln und uns glücklich machen. Wir genießen es, wenn etwas richtig gut schmeckt, und verziehen das Gesicht, wenn das Gegenteil der Fall ist. Igittigitt! Ein gutes Essen ist ein Erlebnis, insbesondere wenn man es mit den Menschen teilt, die einem am Herzen liegen. Es ist das Salz in der Suppe des Lebens, wobei wir das mit dem Salz nicht allzu wörtlich nehmen sollten: Echte Genießer wissen den Eigengeschmack der Lebensmittel zu schätzen. Wer immer nur Salz und Pfeffer obendrauf schüttet, wird niemals wahre Gaumenfreuden empfinden.

Gaumenfreude. Genießen mit Freunden. Foto: Starflames, pixabayGaumenfreude. Genießen mit Freunden. Foto: Starflames, pixabay

Mitfreude

„Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund.“ Das hat der Philosoph Friedrich Nietzsche einmal geschrieben und so das Wort „Mitfreude“ geschaffen. Mitfreude ist das genaue Gegenteil von Neid. Man möchte nicht das haben, was ein anderer Mensch hat, sondern freut sich mit ihm darüber, dass er es bekommen hat: eine neue Arbeitsstelle, die Genesung von einer Krankheit, ein Lottogewinn. Mitfreude lässt sich nicht simulieren, aufrichtige Selbstlosigkeit lässt sich nicht spielen. Jeder merkt sofort, ob man es ehrlich meint, wenn man sagt: „Das freut mich für dich!“

Arbeitsfreude

Wer Freude an der Arbeit empfindet, dem geht sie leichter von der Hand, der erledigt sie engagiert und sorgfältig. Nicht weil er muss, sondern weil er möchte. Psychologen sprechen gern von intrinsischer, innerer Motivation. Manche Menschen mag es anspornen, wenn sie auf der Karriereleiter eine Stufe emporklettern und mehr verdienen. Andere freuen sich, wenn sie ein schickes Arbeitsumfeld haben. Das macht die Arbeit jedoch nicht sinnvoller. Und nur eine Arbeit, die man als sinnvoll empfindet und ohne Hetze mit freundlichen Kolleginnen und Kollegen erledigt, kann mit Freude erledigt werden.

Schadenfreude

Sie ist vermutlich die niederträchtigste und verwerflichste Spielart der Freude: Schadenfreude, so was gehört sich eigentlich nicht. Und doch sind wir Menschen nur selten ganz frei davon. Insbesondere wenn es jemanden trifft, dem es „im Grunde recht geschieht“. Schadenfreude ist dort halb so schlimm, wo sich der Schaden in Grenzen hält. Da darf man auch mal klammheimlich in sich hineinlachen. Ein kleiner Denkzettel hat ja nur selten geschadet. Bei größeren Schäden sollte man jedoch auch mal die eigene Gemütsverfassung überprüfen und gegebenenfalls zu Mitgefühl überwechseln. Sonst ist der Schaden durch die Schadenfreude am Ende größer als die Freude.

Spielfreude

Menschen spielen gerne. Als Kleinkinder im Sandkasten, als Erwachsene bei „Mensch ärgere dich nicht“, als Amerika-Urlauber in den Casinos von Las Vegas. Um Spielfreude geht es auch auf dem Sportplatz. Tennis, Handball, Basketball und natürlich Fußball. In der aktiven Variante stehen wir selbst auf dem Feld und ackern, was das Zeug hält. Macht das Ganze auch noch Spaß, reden wir von Spielfreude. In späteren Lebensjahren übertragen wir diese Spielfreude oft auf hauptberufliche Akteure aus dem Fußball, die dann stellvertrend für uns die Spielfreude auf dem Platz zelebrieren: „Rahn müsste schießen, Rahn schießt, Toooor!“ So wurde Deutschland 1954 Fußballweltmeister. 20 Jahre später war es dann Gerd Müller, der den Treffer erzielte. Siegt unser Verein, stellt sich große Freude ein, verliert ein von uns wenig geliebter Gegner, gesellt sich womöglich wieder Schadenfreude hinzu.

Risikofreude

Eine Form der Freude, die mit äußerster Vorsicht zu genießen ist. Alles auf die 22: Wer schon einmal am Roulettetisch war, weiß, dass das ins Auge gehen kann. Auch wenn wir im Freibad vom Zehnmeterturm springen, sollten wir uns zuvor von der korrekten Befüllung des Beckens überzeugen und uns gegebenenfalls fragen, ob es nicht auch ein paar Nummern kleiner geht (Fünfer, Dreier oder Einser). Gleichwohl lehrt uns der englische Ausspruch „No risk, no fun“ – „Kein Risiko, kein Spaß“, dass mit einem Wagnis oft auch ein Erlebnis einhergeht und im Erfolgsfall eitel Freude und Sonnenschein herrschen. □