Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wieder eintreten am Telefon

Einfach anrufen und wieder in die Landeskirche eintreten? Das geht sogar bundesweit. Das Wiedereintrittstelefon sitzt zwar in Stuttgart, ist aber mit den anderen Landeskirchen vernetzt. Jedes Jahr werden so bis zu 300 Menschen wieder Kirchenmitglied – und das seit 2004. 

 

„Treten Sie gerne wieder ein!“: Malte Jericke hilft, wenn jemand per Telefon wieder in die Kirche eintreten will. Foto: adobe stock/ schwede-photodesign

Viele der Menschen, die beim Wiedereintrittstelefon anrufen, wollen Taufpatin oder Taufpate werden. Oder sie bewerben sich bei einem konfessionellen Arbeitgeber und sollten auch Mitglied sein, bevor sie die Stelle antreten. „Häufig ist das aber auch verbunden mit der Überzeugung, dass die Menschen ohnehin wieder in die Kirche eintreten wollen“, sagt Pamela Barke. Die Pfarrerin ist seit September 2020 eine von zwei Stimmen am anderen Ende der Leitung. Sie begann ihre Arbeit also mitten in der Corona-Pandemie. Genau die sei für viele auch ein Grund gewesen, wieder auf die Kirche zuzugehen. „Jetzt habe ich gemerkt, dass die Kirche auch was Gutes tut“, das hat Pamela Barke häufig gehört. Es sei gut, dass es die Kirche gibt, sagen ihr die Menschen. Dass sie auf Gottesdienste neu aufmerksam wurden oder bei einer Beerdigung gute Erfahrungen gemacht haben. „Dass Menschen an Corona erkrankt sind oder sogar gestorben, hat vielen gezeigt, wie gefährdet das Leben ist und dass Kirche da was zu sagen hat, das Halt gibt“, fasst Barke ihre Erfahrungen zusammen.

Auch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beschäftigten die Menschen. „Da stand das Telefon nicht mehr still“, erzählt Barke. Viele hätten ihr gesagt, dass sie unter diesen Umständen nicht mehr in ihrer Kirche bleiben könnten. Aber ganz ohne Mitgliedschaft wollten sie nicht sein.

„Drei Viertel der Anrufenden haben sich einen Wiedereintritt gut überlegt“, sagt Barke, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangssperren sowie die Kontaktverbote allerorten hätten viele zum Nachdenken gebracht. Über den Sinn des Lebens, über Gott. Und so reifte in ihnen der Entschluss, wieder in die Kirche einzutreten und bei Pamela Barke anzurufen.

Häufig hört sie viele lange Geschichten, die seelsorgerliches Fingerspitzengefühl erfordern. Da sei es gut, findet Barke, dass eine Pfarrerin oder ein Pfarrer für den Wiedereintritt bereit steht. Schließlich haben sie eine besondere Schweigepflicht – und aufgrund ihres Amtes wird ihnen ein besonderes Vertrauen entgegen gebracht. Auch ihr Kollege Malte Jericke ist Pfarrer. Immer abwechselnd sitzen sie am Telefon.

Wer nicht im Gespräch ist, kümmert sich um die Verwaltung. Das bedeutet zum Beispiel, dem Eintrittswilligen ein Formular zu schicken, das er oder sie unterschreiben muss. Und es bedeutet, den Wiedereintritt auch in einer kirchlichen Datenbank einzutragen, die für alle Landeskirchen gilt. Außerdem muss das zuständige Pfarramt am Wohnsitz benachrichtigt werden. Denn so soll der Kontakt zur Gemeinde vor Ort erleichtert werden.

Dass sie nicht vor Ort eintreten wollen, hat ganz banale Gründe. Denn nur allzu häufig sind die Gemeindebüros geschlossen, während der Ausgangssperren in der Corona-Pandemie war sowieso alles zu. Andere scheuen sich, beim zuständigen Pfarramt vorbei zu schauen: Sie fürchten, dort kritisiert zu werden: Weil sie ausgetreten sind und jetzt wieder hinein wollen. Außerdem ist es natürlich praktisch, von zu Hause aus oder in einer Pause bei der Arbeit die Dinge regeln zu können. Und so rufen Menschen an von Hamburg bis Passau, von Köln bis Dresden. Die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, manche aber auch schon im Ruhestand. □

◼ Das Wiedereintrittstelefon ist erreichbar unter 0800-8138138.

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