Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir brauchen mehr Helden!

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Vor genau 500 Jahren hat sich ein ängstlicher kleiner Mönch zur Tapferkeit entschlossen. Ich denke an Martin Luther. Am 18. April 1521 hat er sich auf dem Reichstag in Worms geweigert, seine Lehre zu widerrufen. Man hat ihm dort seine Bücher vorgelegt und Luther hat sich getraut zu sagen: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde, … kann und will ich nichts widerrufen …. Gott helfe mir, Amen!“ Das war eines der Schlüsselereignisse der Reformation.

In der Folgezeit hat man für Luther Heldendenkmäler aufgestellt. Aber inzwischen wissen wir: auch er war kein makelloser, widerspruchsfreier Held. Für manches, was er damals gesagt und geschrieben hat, müssen wir Protestanten uns heute schämen. Und manche sagen: Damals in Worms hat die bedauerliche Spaltung der Christenheit angefangen.

Sind Helden Märchenfiguren?

Inzwischen sind uns Helden überhaupt suspekt geworden. Seit James Bond sind sie nurmehr so etwas wie moderne Märchenfiguren, scheint mir. Heute reden wir eher von Alltagshelden. Am Anfang der Pandemie haben wir für die Corona-Helden geklatscht – und viele waren froh, selbst nicht so tapfer sein zu müssen wie die Pflegerinnen und Pfleger und die Verkäuferinnen.

„Warum Demokratien Helden brauchen“ heißt ein Buch, das ich gerade lese. Darin schreibt der Schweizer Philosoph Dieter Thomä: „Demokratische Helden stoßen uns darauf, dass auch wir bei Gelegenheit so sein können wie sie. Ein Anfang ist gemacht, wenn wir spüren, wie das geht: aufstehen, aufbrechen, anzetteln.“

Wie man tapfer sein kann

Seit ich das gelesen habe, denke ich: Vielleicht war Martin Luther ja doch ein Held. Er hat etwas vorgemacht, was in der Folgezeit hunderte, ja tausende übernommen haben. Er hat gezeigt, wie das geht und was passiert, wenn Menschen selber denken. Das war damals nicht ungefährlich und vielerorts ist es das auch heute nicht. Alexej Nawalny fällt mir ein, aber auch Greta Thunberg, Carola Rackete, Ugur Sahin und Özlem Türeci. Ich frage mich: Woher kommt der Mut dazu? Woher hatte Luther den Mut?

Mir scheint, der letzte Satz seiner Rede damals in Worm zeigt es: „Gott helfe mir! Amen.“ Martin Luther hat auf Gott vertraut. Deshalb konnte er tapfer sein. Solches Gottvertrauen bräuchten wir heute auch.

Das meint Lucie Panzer. Was meinen Sie?

 

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