Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir schulden einander Liebe - Impuls zur Predigt

Römer 13,8-12 Seid niemandem etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

Von Bernhard Ritter

„Weil ihr die Zeit erkannt habt.“ Advent ist eine Zeitansage. Eine Zeitansage gegen Ängstlichkeit, Hoffnungslosigkeit und Kleinmut. Dunkelheit, Nacht und Finsternis stehen hier für das, was Menschen erfahren und kennen an Leid, Gewalt, Verletzung, Ausgrenzung und Furcht.

Paulus entfaltet demgegenüber ein Bild der Hoffnung und der Zuversicht. Interessant ist, wie er das macht. Zum Bild vom anbrechenden Tag stellt er ein Bild vom Anlegen der Waffen des Lichts. Er gibt dem Wort „Waffen“, das unwillkürlich Bilder von Krieg und Gewalt, Leid und Not auslöst, eine neue Bedeutung. Waffen des Lichts. Paulus beschreibt sie in 1. Thessalonicher 5 als Panzer des Glaubens und der Liebe und als Helm der Hoffnung. „Waffen“, die Glauben, Liebe und Hoffnung bewirken. Aber was bedeutet das nun konkret? Die Verse am Anfang des Abschnitts geben eine Antwort. Alles, was wir einander schuldig sind, ist die Liebe. Genauer gesagt die Liebe zum Nächsten. Mehr braucht es nicht. Alles andere folgt daraus.

Bernhard Ritter Impuls zum Predigttext für den ersten Advent: Römer 13,8-12

Von Bernhard Ritter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Privat

Nächstenliebe ist die Erfüllung des Gesetze

Es gibt eine anregende jüdische Geschichte von Rabbi Mosche Löb dazu, der von einem Bauern gelernt hat, wie man Menschen lieben soll. Ein Bauer saß mit einem anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er wie die anderen alle. Als aber sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: „Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?“ Jener antwortete: „Ich liebe dich sehr!“ Er aber sprach wieder: „Du sagst, ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wieder wie vorher. Rabbi Mosche Löb aber verstand: Das ist die Liebe zu den Menschen, ihre Bedürfnisse zu spüren und ihr Leid zu tragen. Mir gefällt diese einfache Erklärung. Sie ist eine Orientierung, die mich sprach- und handlungsfähig macht und die mir eine innere Haltung vermittelt. Jesus nimmt das auf in der Bergpredigt (Matthäus 7,12): „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch.“

Die Nächstenliebe ist die Erfüllung des Gesetzes, schreibt Paulus. Was kein Gebot schafft, das gelingt der Liebe. Liebe kann nicht durch ein Gesetz geboten werden. So kann sie auch nicht selbst zu Recht und Gesetz werden und gerät nicht in Gefahr, zu einem starren Schema zu werden. Liebe hat eine wunderbare Wirkung. Sie nimmt nicht ab, wenn wir sie weitergeben, sondern sie wächst. Sie wächst unter Menschen und sie wächst in Gemeinden. Liebe, die gelebt wird, ist sichtbar und spürbar. Wo denn?

Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, die sich in unserer Stadt engagieren im Tafelladen oder im ökumenischen Freundeskreis Asyl, der Integrationsarbeit mit Geflüchteten macht. Mir kommen aber auch weltweit Menschen in den Sinn. In Kirgisistan etwa. Dort gibt es eine kleine evangelisch-lutherische Kirche mit etwa 1000 Gemeindegliedern in 15 Gemeinden mit acht Pastoren und fünf Predigern. In der kleinen Kirchengemeinde in Winogradnoje kümmern sich die Verantwortlichen um alte Menschen, die keine Verwandtschaft mehr haben. Ein kleines Pflegeheim bietet Platz für neun Menschen mit medizinischer Versorgung und Hausandachten für den seelischen Halt. Das Pflegeheim wirkt auch in die Stadt hinein, indem einmal in der Woche zusätzlich 40 Portionen warmes Essen zubereitet und zu Bedürftigen gebracht werden.

Traditionell ist das Opfer unserer Landeskirche am ersten Advent für das Gustav-Adolf-Werk bestimmt. In diesem Jahr auch für die kleine Gemeinde in Winogradnoje in Kirgisistan.

 Advent - pixelio

Gebet

Herr Jesus Christus, du kommst und bringst Licht in die Finsternis.
Gib uns dein Licht, dass unsere Wege hell werden und unsere Herzen erfüllt von deiner Wirklichkeit. Dass Menschen nicht im Dunkeln verzweifeln und unsere Welt deine Liebe erfahre.
Lass Advent werden, lass uns leben aus dem Wissen, dass du kommst.
Gib, dass die Zukunft erfüllt werde von deiner Gegenwart.
Amen.

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