Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Wir sind Hoffnungsleute“ - Osterbotschaft des Landesbischofs

Osterbotschaft von Landesbischof Frank Otfried July

Foto: jeffjabobs1990, pixabayFoto: jeffjabobs1990, pixabay

 

„Wir sind Hoffnungsleute“

„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

(Offenbarung 1,18)

                                                       Himmel und Hölle, und Jesus Christus stellt sich dazwischen.

                                                             Ostern und Karfreitag, und Jesus Christus ist mittendrin.

In diesem Jahr ist diese Spannung zum Zerreißen, denn offen stehen vor unseren Augen die Tore des Todes in Butscha, Mariupol und der ganzen Ukraine. Syrien, Tschetschenien, Afghanistan und der Jemen und weitere andere Orte dieser Welt kennen das schon länger. Aber hier in der Ukraine ist uns das fürchterliche Elend der menschlichen Gewalttätigkeit noch einmal ganz nahe gekommen.

Viele österliche Hoffnungen sind zertreten, zerschossen und zerbombt worden. Wir wollten die Welt als Christen und Kirche Jesu Christi in seinem Sinne stetig etwas besser machen – so meinen wir es jedenfalls. Und jetzt sehen wir uns zurück geworfen in eine unerlöste Welt des Nationalismus und der Verblendung, die wir bei uns in Europa überwunden glaubten.

Heute müssen wir erschüttert zur Kenntnis nehmen, dass eine alt-ehrwürdige Kirche, wie es die russischorthodoxe ist, den verbrecherischen russischen Angriffskrieg nicht zurückweist, sondern ihn noch nicht einmal benennt.

Frank Otfried July Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. PressebildWelche Bibel, welches Wort Gottes gibt das her? Wir, die wir uns als Glieder am einen Leib Christi verstehen, fragen den russischen Patriarchen. Im Sommer kommen Vertreter der Kirchen aus der ganzen Welt zur Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe zusammen. Die russisch-orthodoxen Kirchen haben ihre Delegierten benannt: Wir werden sie fragen. So viel enthemmte Grausamkeit. So viel Golgatha.

Wie soll da Ostern werden? Wie können wir an Ostern triumphieren? Der Sieg des Lebens über den Tod.

Ja, unser Glaube ist angefochten. Recht besehen, gehört es zu seinem Wesen. Wir glauben oft genug gegen den Augenschein. Unser österlicher Glaube ist immer von einem „dennoch“ getragen, ja, es ist ihm etwas Trotziges eigen. Weil wir auf Christus schauen, der tot war und lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Weil wir glauben, dass wir in der Taufe mit Christus unlöslich verbunden sind und mit ihm zweifeln und sterben, hoffen und leben.

Wir merken gerade jetzt aufs Neue, wie sehr wir als einzelne Menschen und als Kirche nicht aus eigenen Kräften leben, sondern von Jesus Christus getragen sind. Nur seinetwegen können wir „Protestleute gegen den Tod“ sein, wie es Christoph Blumhardt kurz und knapp gesagt hat. Und ich füge hinzu: Wir sind Hoffnungsleute gegen den Tod. Wir haben nicht nur etwas gegen den Tod, sondern auch Anteil am ewigen Leben.

Wir vertrauen gerade in diesen schweren Tagen dem Ewigen, dem Lebendigen, dem Richtenden, dem Barmherzigen.

Denn Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Halleluja.

 

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Frank Otfried July Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

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