Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir sorgen füreinander - Impuls zur Predigt

Apostelgeschichte 4,32.34-35 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Wir sorgen füreinander

Impuls für den 1. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 4,32-37.

Von Veronika Bohnet

 

Veronika Bohnet ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Johannes unter dem Kreuz in Waiblingen.

 

Veronika Bohnet Pfarrerin in Waiblingen Kirchengemeinde Johannes unter dem Kreuz  Foto: PrivatWährend seiner Regierungszeit hatte der römische Kaiser Konstantin der Große dem Christentum den Weg zur Staatsreligion im Römischen Reich geebnet. Er starb im Mai 337 n. Chr. Zwei Jahrzehnte später versuchte sein Neffe Kaiser Julian Apostata (übersetzt: der Abtrünnige) es zugunsten des Heidentums wieder abzuschaffen. Dies blieb nur eine kurze Episode, denn er fiel mit 32 Jahren in einer Schlacht.

Kaiser Julian hatte keine Gewalt oder Verfolgung geplant, sondern er wollte das Christentum überflüssig machen. Dafür startete er eine große Bildungsoffensive und versuchte, die sozial-karitativen Leistungen des Christentums zu überbieten, indem er eine umfassende staatliche Wohlfahrt anordnete.

Er hatte offenbar erkannt, dass ein einziger Satz aus der Apostelgeschichte des Lukas das Christentum im Römischen Reich seit Jahrhunderten konkurrenzlos attraktiv gemacht hatte: Es war auch keiner unter ihnen, der einen Mangel hatte... und man gab einem jeden, was er nötig hatte (Verse 34-35).

Die ersten christlichen Gemeinden gingen davon aus, dass Jesus nach seiner Auferstehung sehr bald wiederkommen würde. Dann wollten sie für ihn bereit sein. Keiner unter ihnen sollte bis dahin unter die Räder kommen, keiner sollte hungrig oder durstig sein. Fremden bot man Unterkunft, und im schlimmsten Fall bestattete man kostenlos deren Verstorbene. Arme bekamen ausreichende Kleidung, Gefangene wurden besucht und Kranke wurden gepflegt, so wie Jesus es von ihnen erwartet hatte (Matthäus 25,31).

Um das alles zu finanzieren, verkauften viele Christen ihr Hab und Gut und stellten den Erlös der Gemeinde zur Verfügung. Diesen Besitz würden sie ja nicht mehr benötigen, wenn der Herr bald käme. Ihr Reichtum war ihre Gemeinschaft, deren Ressourcen für alle reichen sollten. Man verspottete sie, weil sie sich bei ihrer Fürsorge für die Bedürftigen oft von Schmarotzern und Betrügern übers Ohr hauen ließen. Aber sie blieben vertrauensvoll dabei, dass dies der Weg sei, den Jesus ihnen gewiesen hatte.

Allerdings wird in der Erzählung aus der Apostelgeschichte ganz klar, was der Motor dieser umfassenden Fürsorge für andere war: die Auferstehung Jesu und die große Gnade, die mit ihr kommt. Selbstlose Nächstenliebe allein zehrt einen Menschen auf, wenn er nicht aus irgendeiner Quelle neue Kraft bekommt. Für die junge Christenheit kam diese Kraft aus dem festen Wissen, dass Gott einen beispiellos selbstlosen Menschen aus dem Totenreich zurückgeholt und im Himmel zum Mitregenten gemacht hatte. Die großen theologischen Aussagen der Christenheit, die man im Glaubensbekenntnis und in vielen erklärenden Schriften niederlegte, wurden erst später verständlich ausgearbeitet. Für die Christen der Apostelgeschichte galt nur eines: Jesus Christus ist der Herr. Heute leben wir in unseren Gemeinden ohne diese Naherwartung der frühen Christenheit. Wir investieren in Versicherungen und Rentensysteme. Wir legen Geld auf die hohe Kante. Das ist gut, denn wir müssen für unser späteres Leben und für unsere Nachkommen sorgen. Aber dennoch hallt etwas heilsam nach. Es hat die frühen christlichen Gemeinden so ungeheuer attraktiv gemacht, dass ein römischer Kaiser mit ihnen in Konkurrenz treten wollte. Ich nenne es Gottvertrauen und Fürsorge für andere. Und das brauchen wir heutzutage auch sehr.

Natur Wasser Bach Foto: Ezra Jeffrey Comeau/UnsplashFoto: Ezra Jeffrey Comeau/Unsplash

Gebet

Gott, du hast mich bisher ernährt und mir manche gute Stunde geschenkt, mich wunderbar geführt und geleitet. Hilf mir, das Empfangene weiterzugeben, damit dein Segen nicht ins Stocken gerät, sondern immer weiter fließt.

 

 

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