Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir suchen eine neue Heimat - Impuls zur Predigt

Hebräer 13,14 Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Wir suchen eine neue Heimat

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Judika: Hebräer 13,12-14.

Von Erika Schlatter-Ernst

Erika Schlatter-Ernst ist Pfarrerin in der Stephanusgemeinde in Stuttgart- Weilimdorf. (Foto: Privat)

Wer aus Pommern oder Schlesien, aus Siebenbürgen oder Kasachstan stammt, kann ein Lied davon singen, was es heißt, einen vertrauten Ort zu verlassen und eine neue Heimat zu suchen. Darüber hinaus ist jedes Menschenleben von Veränderungen geprägt, nicht nur geographischer Art. Von Veränderungen, die wir suchen, und von solchen, die uns suchen, manchmal heim-suchen. „Wir haben keine bleibende Stadt.“ Da schwingt Wehmut mit, aber auch Neugierde und Zuversicht. Hoffnung, dass Gutes vor einem liegt, denn die zukünftige Stadt erwarten wir – und sie erwartet uns.

Die Stadt, das ist der Wohnraum vieler Menschen. Hier sind wir als Gemeinde zu Hause. Was suchen und erwarten wir? Wohin wird die Entwicklung gehen? Wie ist das mit den Einsparungen durch den Pfarrplan, mit der Zusammenarbeit über den eigenen Kirchturm hinaus und auch mit Fusionen? Wie ist das mit den Veränderungen und damit einhergehenden Anforderungen, mit den Verlustängsten und Abwehrmechanismen? Wie ist das mit der Sorge um das eigene Profil und dem manchmal mangelnden Bewusstsein, dass „die anderen“ ja auch Kirche sind, dass wir in einem Netzwerk von Gemeinden, Kirchenbezirken und der Landeskirche leben und aufeinander angewiesen sind? Was ist denn die „zukünftige Stadt“ und was dürfen wir erwarten?

Im Hebräerbrief wird das Bild von der kommenden Stadt beschrieben als eine „himmlische Wohnung Gottes, die Gott seinem Volk zur […] Ruhestätte bestimmt hat“. Wobei Ruhestätte nicht die Grabesruhe meint, sondern einen Ort zum Ausruhen für die Erschöpften. Einen Ort, an dem umfassendes Wohlergehen, Friede und Gerechtigkeit herrscht. Wir haben hier auf der Erde, die vergehen wird, keine solche Ruhestätte, die in Ewigkeit Bestand haben könnte, sondern wir sehnen uns danach. Jesus Christus, der Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebräer 12,2), kommt zu uns und bringt uns diese Heimat. Dann sind wir dort endgültig zu Hause.

» Jesus Christus weiß, was Heimatlosigkeit bedeutet «

Jesus Christus weiß, was Heimatlosigkeit bedeutet. Er hat sich in seinem Leben nicht in den Tempel zurückgezogen, in den heiligen Raum, sondern er hat das Leben der Menschen geteilt und nichts war ihm zu profan. Der Hebräerbrief weist deshalb darauf hin, dass Jesus gelitten habe „draußen vor dem Tor“, da, wo die Müllhalde der Stadt ist, und Gott nun wirklich ganz weit weg zu sein scheint. Da, wo die leben, die keine Bleibe haben, bei den Schutzlosen, beim „letzten Dreck“, da hat Jesus mit gelitten.

Das bedeutet für uns, dass Jesus die Verbindung herstellt zwischen dem Himmel und den ganz alltäglichen Umständen unseres Lebens. Dabei gibt es für ihn keine Sorge, die ihm zu weltlich wäre und aus der er sich von uns wegschicken lassen wollte. Mit allem, wie wir uns eingerichtet haben, dürfen wir gelassen umgehen. Ja, wir brauchen Rahmenbedingungen für unser Leben, als Einzelne und miteinander. Und dazu gehört unter anderem auch die verfasste Kirche mit allen Ebenen und Gestaltungsformen. Aber mit dem Hebräerbrief gesprochen liegt unser Halt nicht darin, dass wir im Bestehenden verwurzelt sind, sondern in der Erwartung des Zukünftigen. Der sehnsüchtige Blick nach vorne relativiert das Besitzstandsdenken und versucht, etwas von der Zukunft, die da für alle zu erahnen ist, jetzt schon wahr zu machen.

Erwarten heißt nach dem Hebräerbrief nicht Nichtstun. Sondern „Laufen in Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist“. Schwierigkeiten und Konflikte bleiben im Leben nicht aus und müssen mit Geduld gelöst werden. Und „gastfrei zu sein vergesst nicht“ (Vers 2). Das heißt: verriegelt nicht eure Türen, sondern empfangt einander freundlich und umsorgt einander. Und schließlich „Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht“ (Vers 16). Das heißt: habt keine Angst, zu kurz zu kommen oder zu viel von euch aufgeben zu müssen, sondern seid großzügig untereinander, ob als Einzelne oder in der Familie oder in der Kirche. Unsere Zukunft kommt von Gott her. Das große Hoffnungsbild dieser Zukunft ist die neue Stadt. In ihr werden Tränen getrocknet. In ihr sind Schuld und Gewalt überwunden. In ihr kommen Schmerzen nicht mehr vor. Und in ihr hat sogar der Tod ausgedient. Dieses Hoffnungsbild gibt Kraft – mitten in den Aufbrüchen, die das Leben von uns fordert und zu denen es uns lockt.

Betende Frau. Gebet. Foto: Ben White/UnsplashFoto: Ben White/Unsplash

Gebet

Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet, o Gott, in dir.

Wir hoffen auf dich, du bist unsere Zukunft.

Schenke uns Heimat bei dir.

Amen.

 

 

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