Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo Familien entspannen können

ILLINGEN-SCHÜTZINGEN (Dekanat Mühlacker) – Es ist eine Einrichtung für Familien mit schwerstkranken Kindern: Am 5. und 6. Mai wird die Familienherberge Lebensweg eingeweiht. Das Konzept ist einmalig in Süddeutschland. Für Initiatorin und Geschäftsführerin Karin Eckstein ist mit der Eröffnung der Anlaufstelle ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

Karin Eckstein hat sich bis an die Grenze ihrer Leistungskraft für die Familienherberge eingesetzt. (Foto: Astrid Link)
„Ich kann es noch gar nicht fassen, dazu ist im Moment noch zu viel los“, antwortet Karin Eckstein auf die Frage, ob sie sich auf die Eröffnung ihrer Familienherberge freue. Mit der Einweihung der Einrichtung für Familien mit schwerstkranken Kindern erfüllt sich der Lebenstraum der gelernten Kinderkrankenschwester, Gesundheitspädagogin und begleitenden Seelsorgerin. In den vergangenen sieben Jahren hat die 53-Jährige sich zielstrebig und bis an die Grenze ihrer Leistungskraft für ihre Vision eingesetzt.
Ihre berufliche Festanstellung gab Karin Eckstein vor einigen Jahren auf, wechselte in die freiberufliche ambulante Pflege schwerstkranker Kinder, um mehr Zeit für die Umsetzung ihres Projekts zu haben. Als das immer konkretere Formen annahm, zog sie sich zurück, um ihr Vorhaben voranzutreiben.
„Nachdem ich 2012 mit der Idee an die Öffentlichkeit ging, sich diese herumsprach, ich die Möglichkeit für Informationsveranstaltungen bekam und der Förderverein gegründet wurde, musste ich mich entscheiden“, erklärt Eckstein. Dabei waren ihre Kontakte aus der Zeit als Pfarramtssekretärin der Kirchengemeinde in Schwaigern-Stetten, ihrem Wohnort, hilfreich. Sie gewann Sponsoren, Unterstützer und ehrenamtliche Mitarbeiter, beantragte öffentliche Fördermittel und überzeugte Prominente, sich als Botschafter für das Konzept einzusetzen.

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Star-Tenor Jay Alexander war der erste, der seine Prominenz zugunsten der guten Sache nutzte. Mittlerweile sind auch Fußball-Legende Guido Buchwald, Fernseh-Moderator Markus Brock und Olympia-Siegerin Carina Bär dabei. Die Herberge richtet sich an Familien mit lebensverkürzt erkrankten Kindern, die eine 24-stündige Betreuung brauchen, während Eltern und Geschwister im gleichen Haus Zeit zum Regenerieren bekommen. „Es gibt ambulante Hilfen für schwerkranke Kinder und eine Kurzzeitpflege ohne Eltern. Doch das bedeutet Stress für alle. Wir sprechen hier von Kindern, die sich nicht mitteilen können und auf ein Umfeld angewiesen sind, dem sie vertrauen und das jedes noch so kleine Zeichen erkennt und richtig deutet“, erläutert Eckstein.

Sie selbst wurde jahrelang in der ambulanten Pflege mit den Problemen konfrontiert, denen gerade Eltern mit mehrfach behinderten Kindern ausgesetzt sind. Zur körperlichen und seelischen Belastung kommen noch finanzielle Sorgen, denn die Kranken- und Pflegekassen übernehmen nur einen Bruchteil der Kosten.

Außerdem dreht sich der Alltag immer um das kranke Kind. Geschwister und die Eltern als Paar treten in den Hintergrund. Es bleibt keine Zeit, um sich zu erholen und trotzdem in der Nähe des Kindes zu sein. Das soll sich jetzt ändern: 50 Familien haben sich bereits für eine gemeinsame Auszeit angemeldet. Es gibt aber noch genug Kapazitäten im umgebauten Bauernhof am Ortsrand Schützingens.

Dass Ecksteins Eltern für die Herberge ihr Anwesen zur Verfügung stellten, beschleunigte die Entstehung. Der Dreiseitenhof mit begrünter Innenfläche wurde nach modernen Richtlinien gestaltet und enthält zwölf Kurzzeitpflegeplätze. In gut ausgestatteten Räumen sind Eltern und Geschwister untergebracht. Therapie-, Sozial und Aktionsräume, Ruhe- und Funktionsbereiche, ein multisensorischer Raum, Gemeinschaftswohnzimmer, Pflegebad mit Licht- und Soundeffekten, Küche und Speisesaal sowie Büros bieten alles, was die Familien und das Pflegeteam für eine individuelle Rundum-Betreuung brauchen.

Ohne die vielen Unterstützer, den Förderverein, Spenden von Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen, Fördermittel sowie die vier Botschafter wäre das nicht zu schaffen gewesen. Auf Spenden wird die Herberge immer angewiesen sein. Die Erstattung durch öffentliche Stellen ist nicht kostendeckend. „Gute Pflege kostet Geld, Pflege schwerstkranker und hochgradig pflegebedürftiger Kinder noch viel mehr“, sagt Eckstein, die als hauptamtliche Geschäftsführerin eingesetzt ist.

Allein in Baden-Württemberg gibt es rund 8000 schwerstkranke oder schwerst mehrfach behinderte Kinder. Die Herberge versteht sich als Ort der Entspannung, Besinnung und Begegnung. Wertschätzung und Fürsorge sind ebenfalls sehr wichtig. Die Kooperation mit umliegenden ambulanten Kinderpflegediensten sowie ambulanten Kinderhospizdiensten unterstützt die tragende Säule des besonderen Betreuungskonzepts.


Information

Familienherberge Lebensweg, Hinter dem Dorf 50, Illingen-Schützingen, Telefon 07043-9591380, Internet: www.familienherberge-lebensweg.de

Eröffnung und Tag der offenen Tür am 5. Mai, 14 Uhr: Besichtigung, Workshops, Spiele nachmittags und abends Rockbands. Ende 22 Uhr. Am 6. Mai, 10 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst mit Musikkapellen und Chören; Besichtigung, Workshops, Spiele. Ende gegen 19 Uhr.