Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo Kleine groß rauskommen - Citykirche Reutlingen

REUTLINGEN – Damit Kinder aus Familien mit wenig Geld genauso gefördert werden können wie ihre wohlhabenderen Klassenkameraden, hat die Citykirche ein Projekt aufgelegt, an dem auch ein großes Orchester beteiligt ist.

Kind, klavierspielen. Foto: nightowl, pixabayFoto: nightowl, pixabay

Wer hat schon mal mit einem Symphonie-Orchester musiziert? Reiche Bands leisten sich manchmal solch eine Kooperation. Aber Kinder? Kinder, deren Eltern nicht einmal Musikunterricht für sie bezahlen können? Aber genau das ist jetzt für den Dezember geplant, und Stefanie Staroveski arbeitet daran. Die Klarinettistin an der Württembergischen Philharmonie Reutlingen hat in der Aula einer Schule einige Kinder um sich versammelt. Ein Junge hockt am Klavier, ein Mädchen hat die Gitarre dabei, ein anderes die Blockflöte, und die vierte im Bunde setzt die Querflöte an. Mit ihrem Flötistenkollegen Peter Eberl studiert Stefanie Staroveski das Lied „Bruder Jakob“ ein. Die beiden Profis unterstützen mit ihren Instrumenten die Kinder – und wollen ihr Spiel am Aufführungstag mit dem Philharmonie-Orchester verschmelzen.

Förderung - Am Geld soll es nicht scheitern

Die WPR, wie sie kurz genannt wird, ist ein renommiertes Orchester, „Bruder Jakob“ ist jetzt nicht unbedingt ihr Repertoire. Aber darum geht es gar nicht. Es geht um die Kinder.

Dass sie hier sind, hat mit dem Projekt „Sterntaler“ zu tun. Die Citykirche Reutlingen hat es vor einigen Jahren initiiert. Wie im Märchen geht es um Geld, das denen zugute kommt, die es nicht so sehr haben und auch nicht unbedingt erwarten: Kinder aus Familien, in denen die Mittel knapp sind. Kinder, die vielleicht einen Tanzkurs machen, Sport betreiben oder ein Instrument lernen möchten. „Bei denen das aber am Geld scheitert, während ihre Klassenkameraden es machen können“, sagt Citykirchen-Pfarrerin Cornelia Eberle. „Diese Kinder sollen nicht ausgeschlossen werden.“ Mittlerweile stemmen neben der Citykirche noch die Diakonie und die Caritas das Projekt, das mittlerweile über 20 000 Euro pro Jahr verteilt.

Neben dieser Einzelförderung haben sich die drei Träger beim Deutschen Bühnenverein für das Gemeinschaftsprojekt „Bühne frei“ beworben und den Zuschlag erhalten. 37 Kinder treffen sich jetzt in Workshops und bereiten eine Aufführung der Kinderbuch-Geschichte „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ vor.

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„Es soll sichtbar werden, was alles möglich ist, wenn man Kinder fördert, die sonst nicht solche Chancen erhalten“, sagt Cornelia Eberle. Und rennt damit bei Oliver Hauser offene Türen ein. Sein Job bei der WPR ist die Musikvermittlung: „So können wir Menschen erreichen, die üblicherweise nicht im Sinfoniekonzert sitzen. Und denen ein Erlebnis ermöglichen, die sich ein Konzert nicht leisten können.“ Die WPR hat auch schon früher mit „Sterntaler“ zusammengearbeitet. Kultur hilft, die Persönlichkeit zu stärken. Das, sagt Oliver Hauser, sollte nicht nur denen offenstehen, bei denen Geld kein Problem ist.

Jetzt ist er sozusagen Intendant und Regisseur und muss zusammenfügen, was in den Workshops geschaffen wird. Mit einer Gruppe studiert der Tanzlehrer Levent Gürsoy Choreographien ein. In einer anderen Gruppe malt die Reutlinger Künstlerin Buket Aslantepe mit den Kindern Bühnenbilder.

Citychurch Reutlingen. In der Werkstatt wird das Bühnenbild dazu gemalt. Foto:Wolfgang AlbersFlötist Peter Eberl. Foto: Wolfgang AlbersIn der Werkstatt wird das Bühnenbild dazu gemalt und Flötist Peter Eberl unterstützt die Kinder musikalisch. Foto: Wolfgang Albers

Citychurch Oliver Hauser, Regisseur. Foto: Wolfgang Albers Die Faszination steht dem Jungen ins Gesicht geschrieben: So klingt ein Flügel. Foto: Wolfgang AlbersOliver Hauser ist Regisseur der Aufführung. Die Faszination steht dem Jungen ins Gesicht geschrieben: So klingt ein Flügel. Foto: Wolfgang Albers

Und gleich drei Gruppen proben mit WPR-Künstlern: In zwei Percussiongruppen üben die Kinder, die noch nie ein Instrument gespielt haben, während Stefanie Staroveski und Peter Eberl mit ihren Kindern versuchen, Träume, die in der Geschichte vorkommen, musikalisch umzusetzen. Für einen Traum schwebt Stefanie Staroveski eine Improvisation ohne Noten vor. Denn sie hat schon gemerkt: „Alles, was ich plane, wird ganz anders. Aber die fröhliche Bereitschaft der Kinder, mitzumachen, ist ganz toll.“

Der Workshop macht ja auch Spaß, sagt Aksinia, die ihre Gitarre mitgebracht hat. „Dieses Improvisieren ist sehr spannend, und wir haben viel Neues gelernt und konnten zum Beispiel andere Musikinstrumente kennenlernen.“ Es wäre noch mehr möglich gewesen – aber Corona hat auch die Workshops zu mehr Distanz gezwungen. Immerhin: Sie waren möglich, und bis jetzt ist auch die Aufführung am 10. Dezember im Studio der WPR geplant – dort wird das Orchester auch Werke von Haydn bis Hindemith spielen.

Was leider nicht möglich sein wird, ist Publikum: Auch die Eltern müssen zu Hause bleiben. Aber ein Video-Team nimmt die Aufführung auf, jedes Kind erhält eine DVD. Und kann alles mit den Eltern zuhause noch einmal anschauen. □

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