Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wohlwollende Begleiterin - Montesorri Pädagogik

„Hilf mir, es selbst zu tun.“ So lautet das Grundprinzip der Pädagogik, die Maria Montessori entwickelt hat. Am 6. Mai vor 70 Jahren ist die italienische Ärztin und Pädagogin gestorben. Ihre Gedanken leben in vielen Kindergärten weiter.

Kind, Spiel, Lernen. Foto: Design_Miss_C, pixabayFoto: Design_Miss_C, pixabay

Im Mittelpunkt steht bei Maria Montessori jedes einzelne Kind mit seinen individuellen Bedürfnissen. Im eigenen Tempo, nach eigenen Interessen, in der eigenen Weise und mit der eigenen Motivation soll das Kind dabei seine Persönlichkeit frei entfalten. Es wird damit selbst „der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde“.

Nur wenn Kinder diesen individuellen Lernprozess ungehindert ausleben können, entwickeln sie sich zu selbstständig denkenden, kreativen, selbst- wie auch verantwortungsbewussten Persönlichkeiten, davon ist Montessori überzeugt.

Wie kommt eine Ärztin auf solche Ideen? Erste Erfahrungen sammelt sie durch die Arbeit mit geistig behinderten Kindern, für deren medizinische Betreuung sie verantwortlich ist. Die Erkenntnis, dass die Behandlung dieser Kinder kein medizinisches, sondern ein pädagogisches Problem ist, lässt Montessori weiter studieren: Anthropologie, Psychologie und Erziehungsphilosophie. 1907 eröffnet sie in Rom ihr erstes Kinderhaus, eine Tagesstätte für Kinder aus sozialschwachen Familien.

Mit dem Blick einer Naturwissenschaftlerin beobachtet sie die Kinder und stellt fest, dass sie während ihrer Entwicklung Phasen durchlaufen, in denen sie besonders empfänglich für bestimmte Umweltreize sind. Diese sogenannten sensiblen Perioden sind zeitlich begrenzt und bilden für die ersten sechs Kindheitsjahre einen inneren Bauplan für den Erwerb bestimmter Fähigkeiten: von ersten Sinneserfahrungen über Sprachentwicklung und motorische Koordination bis hin zu einer Frühstufe des Lesens.

Kinder haben einen inneren Bauplan

Beim Beobachten einer Dreijährigen, die ganz in ihr Spiel versunken ist, erkennt Montessori, dass man Kindern Disziplin, Konzentration und Durchhaltevermögen nicht beizubringen braucht. Wenn sie in Ruhe und in ihrem eigenen Rhythmus tun können, was sie gern tun möchten, entwickeln Kinder diese Grundkompetenzen von allein.

Maria Montessori. Foto: public domainSie konzentriert sich darauf, eine geeignete Atmosphäre für die kindliche Freiarbeit zu schaffen. Diese ist bis heute das Herzstück des Montessori-Kindergartens. Kindgerecht und ruhig muss diese „vorbereitete Umgebung“ sein. So können Kinder frei entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. „Unser Material soll Helfer und Führer sein für die innere Arbeit des Kindes“, erklärt die Pädagogin.

Schlüssel zur Welt sind einfache Materialien: bunte Klötze für die Welt der Farben, Kugeln als erste Ideengeber von Mengen und Zahlen oder Buchstaben zum Ausschneiden und Nachzeichnen, die den Weg zum Lesen ebnen. Diese und andere Materialien prägen noch heute den Alltag im Montessori-Kindergarten.

Erzieherinnen kommt dabei eine neue Aufgabe zu. In der zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildung zur Montessori-Erzieherin lernen sich die Fachkräfte zurückzunehmen und sich auf ihre Rolle als Beobachter und wohlwollende Begleiterinnen des Kindes zu konzentrieren. Das ist für Maria Montessori Voraussetzung dafür, um jedes Kind in seiner Eigenart zu erkennen.

Mario Montessori. Foot: public domain

Erzieherinnen in Montessori-Kindergärten kümmern sich um jedes einzelne Kind. Das heißt, sie bereiten die Umgebung für die Freiarbeit des Kinds vor, beobachten es in seinem Tätigsein, bieten ihm das Material dar, für das es sich interessiert, und führen in dessen Gebrauch ein. Sie geben nur dann Hilfestellung, wenn das Kind darum bittet – sie werden passiv, damit das Kind aktiv werden kann. □

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