Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zeit für Zuspruch - Diakoneo-Klinikum Schwäbisch Hall

SCHWÄBISCH HALL – Menschen mit Demenz ängstigen sich im Krankenhaus, in der fremden Umgebung. Ähnlich geht es älteren Menschen, die nach einer Operation mit Vollnarkose verwirrt aufwachen. Die Ehrenamtlichen Beate Scherrmann-Gerstetter und Elisabeth Krauß kümmern sich im Diakoneo-Klinikum in Schwäbisch Hall um solche Patienten.

Rettende Engel in der Not: Beate Scherrmann-Gerstetter (links) und Elisabeth Krauß (rechts), neben Chefarzt Thorsten Steinfeldt (Mitte). (Foto: Sigrid Bauer)Rettende Engel in der Not: Beate Scherrmann-Gerstetter (links) und Elisabeth Krauß (rechts), neben Chefarzt Thorsten Steinfeldt (Mitte). (Foto: Sigrid Bauer)

Piepsende und surrende Maschinen, Schläuche an den Armen und in der Nase, dazu Schmerzen – schon für jüngere Menschen ist das nur schwer zu ertragen. Demente oder ältere Patienten nach einer Narkose können die fremde Umgebung und die Personen gar nicht einordnen, sind verwirrt und voller Angst.

Für sie sind Beate Scherrmann-Gerstetter und Elisabeth Krauß die rettenden Engel in der Not. Denn anders als das Pflegepersonal, das in einen festen Takt eingebunden ist, bringen sie genug Zeit mit. Zeit für den einzelnen Patienten. „Da sitzen und einfach zuhören, vielleicht eine Berührung der Hand – wenn die Patienten wahrnehmen, dass ich bei ihnen bleibe, werden sie ruhiger und können sich besser entspannen“, sagt die gelernte Krankenschwester Elisabeth Krauß. Fürsorge und Empathie, die Grundthemen der Pflege seien genauso wichtig wie die rein medizinische Versorgung.

Wie ihre Kollegin engagiert sich Elisabeth Krauß seit sie in Rente ist ehrenamtlich im Diakoneo, dem Schwäbisch Haller Krankenhaus. Thorsten Steinfeldt, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, ist überzeugt davon, dass der Einsatz der beiden Ruheständlerinnen und ihrer Kollegen sich sehr positiv auf die Gesundung der Patienten auswirkt. „Die Demenz- und Delirpatienten sind in einem Alarmierungszustand, der Blutdruck und Puls extrem in die Höhe treibt. Das ist sehr anstrengend für die Menschen. Sie sind hoch gefährdet, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden“, sagt er.

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Der Verwirrtheitszustand nach einer Narkose beschleunige die Entwicklung einer Demenz und führe nicht selten zu einem früheren Tod, erklärt der Arzt.

Scherrmann-Gerstetter und Krauß haben für ihren Einsatz bei dieser Patientengruppe an einer mehrtägigen Fortbildung teilgenommen. Beide sind schon lange ehrenamtlich in die Krankenbetreuung eingebunden. „Sehr hilfreich ist der Austausch untereinander bei unseren monatlichen Treffen“, betont Scherrmann-Gerstetter.

„Es ist immer wieder spannend, was auf einen zu kommt, zum Beispiel, ob sich die Informationen, die ich vom Pflegepersonal bekommen habe, als richtig erweisen“, berichtet die 72-Jährige. Einmal sei sie gewarnt worden, dass eine Patientin ununterbrochen rede. „Sie schlief dann aber und wollte gar nicht reden. Dann habe ich mich einfach mit meinem Strickzeug neben sie gesetzt. So hatten zumindest die Schwestern die Gewissheit, dass sie sich jetzt nicht um die Patientin zu kümmern brauchen“, berichtet sie.

Diakoneo-Klinikum: Nette und intensive Gespräche

„Gerade verwirrte Patienten müssen eng überwacht werden. Da ist es eine große Hilfe, wenn eine der ehrenamtlichen Damen am Bett bleibt“, bestätigt Steinfeldt. Besonders unruhige Patienten im Delirium müssten sonst mit starken Beruhigungsmitteln behandelt oder sogar fixiert werden.

Überwiegend ergeben sich zwischen den Ehrenamtlichen und den Patienten nette, zum Teil intensive Gespräche. „Ich stelle mich vor, frage, wie es dem Patienten geht und lasse ihn dann reden. Für die Patienten ist es meistens das erste Mal im Krankenhaus, dass jemand Zeit hat, ihnen wirklich zuzuhören“, meint Elisabeth Krauß. Manchmal gibt es auch schwierige, misstrauische Patienten. Da müsse man sich klar machen, dass das nicht persönlich gemeint ist, sondern zum Krankheitsbild gehört, betont sie.

Die frühere Krankenschwester kommt regelmäßig jede Woche zu ihrem ehrenamtlichen Dienst ins Diakoneo. Trotzdem lernt sie fast immer neue Patienten kennen, denn meist ist sie auf der Intensivstation, wo ein Patient selten länger als ein paar Tage bleibt.

 



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