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Zuhause in zwei Welten - Choräle und Blasmusik

Thomas Mosebach spielt im Gerlinger Posaunenchor, der 125 Jahre alt geworden ist. Zusätzlich musiziert der Geschäftsführer eines Sanitär- und Heizungsbaubetriebs im Musikverein Bad Cannstatt. Ungewöhnlich, denn Musikvereine und Posaunenchöre unterscheiden sich in einigen Punkten.

Flügelhorn und Trompete gehören bei Thomas Mosebach zur Freizeit, Wasserhähne zu seinem Beruf.

Was verbindet einen Wasserhahn und eine Trompete? Beide sind aus Metall, es kommt Wasser raus (Leitungswasser beim Hahn, Kondenswasser bei der Trompete) und Thomas Mosebach kennt sich damit bestens aus. Auch in seinem musikalischen Engagement verbindet der Chef eines Betriebs für Heizungsbau und sanitäre Anlagen zwei Welten, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen: Posaunenchor und Musikverein. Vereinfacht: Choralmusik und Blasmusik.

Thomas Mosebach begann mit zehn Jahren im Posaunenchor Gerlingen zu spielen, einem der ältesten Posaunenchöre der Landeskirche. Das Ensemble wurde in diesem Jahr 125 Jahre alt. Die Trompete wurde sein Instrument, weil der Vater Trompete spielte. Inzwischen ist Mosebach 29 Jahre alt und auch im Jubiläumsjahr des Posaunenchors Gerlingen weiter fest mit dabei. Zur Blasmusik kam er während eines längeren Aufenthalts in Österreich. Dort schrieb der damalige Maschinenbau-Student seine Bachelor-Arbeit bei einer Niederlassung der Firma Trumpf. Nebenher spielte er in der Musikkapelle in Linz mit. „Dort bin ich auf den Geschmack gekommen“, sagt er im Rückblick.

Thomas Mosebach © Foto: Martin Janotta

 Über eine Bekannte, die sowohl den Posaunenchor in Kornwestheim als auch den Musikverein Bad Cannstatt leitet, fand Thomas Mosebach Anschluss an die Musikvereins-Welt. Montags probt er seitdem mit dem Cannstatter Musikverein, freitags weiterhin mit dem Gerlinger Posaunenchor. Für Mosebach zwei Pflichttermine in der Woche. Dazu kommen die Sitzungen des Gerlinger Gemeinderats, in den er – trotz hinterem Listenplatz – in diesem Jahr gewählt wurde. „Ich bin gut ausgelastet“, sagt der Maschinenbauingenieur, der gemeinsam mit seiner Mutter auch noch den Betrieb mit 14 Angestellten leitet.

Choral und Blasmusik - Unterschiede in Stimmung und Literatur

Gibt es an einem Ort Posaunenchor und Musikverein, existieren die meist nebeneinander her. Das liegt daran, dass es einige – historisch gewachsene – Unterschiede gibt. Für Mosebach liegen die hauptsächlich in der Literatur. Während der Posaunenchor klar die Hauptaufgabe habe, im Gottesdienst zu spielen, läge der Schwerpunkt beim Musikverein auf der Unterhaltungsmusik. Um Choräle im Gottesdienst zu begleiten, sei ein Musikverein „eher weniger geeignet“, genauso wenig wie ein Posaunenchor dazu, Polkas zu spielen. Auch Mosebachs Lieblingslieder unterscheiden sich je nach Ensemble: Im Posaunenchor sind es der Choral „Nun danket alle Gott“ und das „Concerto d‘Amore“ von Jacob de Haan, im Musikverein die Blasmusik-Klassiker „Böhmischer Traum“ und „Auf der Vogelwiese“.

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Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ensembles sei auch, dass im Posaunenchor meist jeder aus einer Kopie der Partitur spiele, während beim Musikverein jeder seine eigene notierte Stimme habe.

Und dann sind da die Stimmungen – ein Feld, dass für Nicht-Musiker oft unverständlich bleibt. Auf die Frage, wie er die Unterschiede hier erklären würde, atmet Mosebach einmal kurz durch: „Also, wenn wir im Posaunenchor die aufgeschriebene Note B spielen, erklingt auch ein B, wie auf einem Klavier. Im Musikverein ist die Stimmung einen Ton tiefer, wenn ein B geschrieben steht, spielen wir ein As.“ Warum das so sei, wisse er auch nicht genau. Ihm selbst bereitet es keine Probleme mehr. „Wenn ein Stück anders notiert ist, transponiere ich eben.“

© Foto: Martin Janotta

Ein letzter Unterschied zwischen Musikverein und Posaunenchor liegt für Thomas Mosebach in der Wahl des Instruments. Während er im Posaunenchor Trompete spielt, ist er im Musikverein meist am Flügelhorn zu hören. Dieses Instrument ist der Trompete verwandt, hat aber eine andere Form. „Der Klang ist weicher“, sagt Thomas Mosebach.

Für ihn ergänzen sich Posaunenchor und Musikverein gut. Und eine entscheidende Gemeinsamkeit haben beide: „Ich gehe natürlich auch hin, weil mir das Musizieren Spaß macht, aber hauptsächlich wegen der Gemeinschaft. Im Trompetensatz vom Musikverein verstehen wir uns bestens – und im Posaunenchor ist das genauso.“

 

 

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