Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zuhören, reden und andere akzeptieren

Wer Synodalpräsidentin Inge Schneider fragt, was das Hauptgeschäft in ihrem Amt ist, hört dreimal das Wort „Kommunikation“. Die 65-Jährige sucht das Gespräch mit allen Seiten. 


Synodalpräsidentin Inge Schneider hört den Rednerinnen und Rednern ganz genau zu. (Foto: EMH/Stoppel)

Alles ist Kommunikation im Amt der Synodalpräsidentin Inge Schneider. Kommunikation mit dem Oberkirchenrat. Mit dem Kollegium. Mit den Gesprächskreisen. Mit Kirchenmitgliedern. Mit Interessengruppen. „Man muss mit allen reden, sonst kann man nichts bewirken“, sagt die 65-Jährige. Auch die Synode müsse kommunizieren und sich vernetzen, sagt Schneider. Mit Gesellschaft und Politik, mit Kultur, Wirtschaft und Kirchenbasis. Deshalb habe sie eingeführt, dass es bei jeder Sy­nodaltagung einen Abend der Begegnung gibt. Vor ihrer Zeit als Präsidentin gab es diesen zwar schon – wenn die Sy­node außerhalb Stuttgarts tagte, traf sie sich mit Menschen aus dem Kirchenbezirk. Jetzt aber kommt das Gremium auch in Stuttgart mit besonderen Menschen zusammen: mit Künstlern, Politikern, Unternehmern und vielen anderen mehr.

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Kommunikation ist natürlich ebenso während einer Synodaltagung gefragt. Dann zum Beispiel, wenn der Zeitplan droht aus dem Ruder zu laufen. Ein kleiner Hinweis hier, dass noch 25 Personen auf der Rednerliste stehen, eine kurze Bemerkung dazu, wie viel die Verhandlungen schon über der Zeit liegen – und schon bemühen sich alle, dass sich die Tagung wieder an den Zeitplan hält.

Kommunikation ist Inge Schneider auch wichtig mit Gott. Zu Beginn ihrer Amtszeit als Präsidentin hat sie das Mittagsgebet eingeführt. Egal, an welchem heißen Punkt die Diskussion in der Synode gerade angelangt ist: Um 12 Uhr mittags werden die Verhandlungen für das Gebet unterbrochen. „Es tut gut, wenn die Synode ihre ­Debatten unterbricht und sich ausrichtet auf den Leiter der Kirche, Jesus Christus“, sagt die Ur-Schwaikheimerin. Denn dadurch würde sich so manches relativieren. Als Inge Schneider zu Beginn ihrer Präsidialzeit alte Unterlagen der Sy­node durchforstet hat, fiel ihr die ­Bibel der Synode von 1869 in die Hände. ­Seither liegt sie bei den ­Tagungen unweit des Rednerpultes, unter einem Kreuz. Das ist für Schneider mehr als nur ein Symbol: „Wir tagen hier unter Gottes Wort“, sagt sie.

Die Synode soll selbst sprachfähig sein und zu aktuellen Themen Stellung nehmen können. Der 11. März 2009 hat Inge Schneider das deutlich gemacht. Es war jener Tag, an dem der Schüler Tim K. in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen getötet, 13 verletzt hat und zum Schluss sich selbst erschoss. Schneider erinnert sich noch genau daran, dass am nächsten Tag die Frühjahrstagung der Synode begann. Und dass es in der Tagesordnung keinen Raum gab, auf die schrecklichen Ereignisse des Vortages einzugehen. Das war der Startschuss für die „Aktuelle Stunde“. Synodale können bis kurz vor Tagungsbeginn Themen vorschlagen; wenn sie auf die Agenda kommen, darf diskutiert werden. „Aber wir fassen in der Aktuellen Stunde keine Beschlüsse“, betont Inge Schneider.

Das Gespräch mit dem Anderen, das ist Inge Schneider auch wichtig bei sehr strittigen Fragen. Etwa der, ob gleichgeschlechtliche Paare von der Kirche, von Pfarrerinnen und Pfarrern, öffentlich in einem Gottesdienst gesegnet werden dürfen. Bei dieser hochumstrittenen Frage gibt es für manche Menschen keinerlei Kompromisse. Schneider sagt dazu: „Wir müssen

als Kirche dahin kommen, dass wir den anderen so stehen lassen können, wie er ist. Mit seiner Meinung, die so ganz anders ist wie unsere eigene.“ Schließlich habe keiner allein die Wahrheit für sich gepachtet. Ein solches Verständnis aber gelinge nur durch – genau – Kommunikation.


Zur Person

Inge Schneider, von Haus aus ­Lehrerin, ist seit 1996 Mitglied der Landessynode. Sie war Mitgliedim Pfarrplanausschuss und der AG Zukunft, von 2007 bis 2013 Vor­sitzende des Finanzausschusses. Seit 2014 ist sie Präsidentin.

 

 

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