Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zukunftsangst? Zukunftslust! - Impuls zur Predigt

Jesaja 12,1-6 (in Auszügen) Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr! Du bist zornig gewesen über mich. Möge dein Zorn sich abkehren, dass du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem Herrn, rufet an seinen Namen! Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen.

Zukunftsangst? Zukunftslust!

Impuls für den 14. Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 12,1-6.

Von Georg Hardecker

Der promovierte Theologe Georg Hardecker ist Pfarrer in Weil der Stadt-Merklingen, Dekanat Leonberg.
Foto: Privat

Propheten bei uns in der Kirche sind oft Untergangspropheten. Frustriert schimpfen sie auf die angeblich zu lasche Kirche, den Verfall der Gesellschaft. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ansage des Untergangs ist seit Amos das Kennzeichen wahrer Prophetie im Unterschied zu denjenigen, die den Mächtigen nur fleißig Honig ums Maul schmierten.

Der promovierte Theologe Georg Hardecker ist Pfarrer in Weil der Stadt-Merklingen, Dekanat Leonberg. Foto: PrivatBei Jesaja kommt nun aber ein neuer Ton ins Spiel. Mitten im Leid des Exils und der Angst vor dem Untergang wird eine neue Zeit ausgerufen. Aber wie! Sie wird nicht einfach nur herbeigewünscht. Nein, Jesaja sieht sie mit so großer Gewissheit kommen, dass sie gleichsam schon eingetreten ist. Wie ein Ball, der – obgleich nur auf das Tor zufliegend – bereits ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, weil man ihn schon im Netz zappeln sieht.

So gewiss setzt sich die neue Zeit durch, dass von diesem zukünftigen Standpunkt aus schon zurückgeschaut werden kann auf das dann überwundene Leid: „Zu dieser Zeit wirst du sagen …“. Dein Leid ist im Prinzip schon überwunden, und dann wirst du Gott gedankt haben werden, verkündet der Futur-2-Prophet. Aber woher weiß der Gottesmann, was dann sein wird? Hellseherei? Nein. Jesaja kennt Gottes Wesen und Willen. Heil für sein Volk – das ist Gottes Wille. Und weil es eben Gottes Wille ist, wird er sich auch durchsetzen.

Prophet, das kann „Voraus-Sager“ meinen oder „Für-Sprecher“. Jesaja ist vor allem Letzteres: eine Art „Pressesprecher“ Gottes. Und seine frohe Kunde lautet: Der Grund für eure Hoffnung liegt bei Gott, er will euer Heil! Das wird dann auch eintreten, klar. Aber die eigentliche Pointe liegt darin, dass er Sprachrohr für Gottes Wollen ist. Jesus greift diese frohe Kunde dann später auf und spitzt sie zu: Gottes Heilswille findet sich nicht in der Geschichte der Völker oder in Schriftrollen, sondern in ihm, dem Sohn Gottes selbst.

Gottes Heilswille

Deswegen sind wir und alle Propheten unserer Zeit schlecht beraten, düster und mit großer Lust am Morbiden von Axt und Feuer zu schwadronieren wie Johannes der Täufer – und dabei das Evangelium zu vergessen! Weil es nämlich am Ende Gottes Heilswille ist, der sich durchsetzt. Untergangspropheten schielen immer zu sehr auf die unzulänglichen Menschen. Und bei denen handelt es sich dann immer um die anderen, nie um sie selbst. Ja, alles, was sich Gottes Heilswillen entgegenstellt, wird abgeräumt, das ist Gottes „Zorn“. Aber zu wenig schauen sie auf den, von dem es heißt: Er ist „meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil“.

Corona machte einsam, der Krieg Putins geht den Ukrainern ans Leben und der Gasmangel uns ans Geld, die Klimakrise lässt die Wälder zu Fackeln werden und die Meere ansteigen – und die Verkleinerung unserer Kirche samt dem ganzen Umbau ist auch eine schmerzhafte Sache. Aber angesichts dieser Krisen sollten wir uns die gewisse Hoffnung von Jesaja umso mehr zu eigen machen: Gott wird eine Zeit heraufführen, in der diese Krisen zum Guten gewandt wurden – und „zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr! Denn du hast dich herrlich bewiesen.“

Geborgenheit. Getragen.Geborgenheit. Foto: unsplash/Xavier MoutonFoto: unsplash/Xavier Mouton

Gebet

Gott, lass die Zeit kommen, in der wir zu dir sagen: Wie wunderbar hast du alles zum Guten geführt.

Obwohl wir damals kein Licht am Ende des Tunnels sahen.

Aber du bist unser Gott, mit einem barmherzigen Herz.

Unser gütiger Papa im Himmel.

Amen.