Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zur Freiheit befreit - Impuls zur Predigt

Galater 5,1 Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

Zur Freiheit befreit

Impuls zum Predigttext für den Gedenktag der Reformation: Galater 5,1-6.

Von Siegfried Jahn

Siegfried Jahn ist Dekan des Kirchenbezirks Blaufelden. Foto: Privat

Freiheit ist für uns ein wichtiges Thema. Gerade in den Pandemie-Monaten wurde um sie in unserem Land gerungen, weil manche sich in ihren Freiheiten zu eingeschränkt fühlten, andere wiederum Verständnis für diese Maßnahmen hatten. Wie viele Menschen würden sich jedoch schon mit eingeschränkter Freiheit zufriedengeben, weil sie unter totalitären Unfreiheiten leiden? Die Freiheit – sie ist ein kostbares Gut. Unsere Verfassung macht nach den Erfahrungen des Dritten Reiches die Freiheit zum Grundton unseres Zusammenlebens, den wir neu wertschätzen sollten. Er droht nämlich allzu oft ins rein Materielle abzugleiten, wenn es in der Werbung für Autos um die Bewegungsfreiheit geht oder mit einem Handy vor einem Gefängnistor um einen Telekom-Vertrag.

Siegfried Jahn ist Dekan des Kirchenbezirks Blaufelden. Foto: PrivatZur Freiheit befreit: 1520 nimmt Martin Luther den Ton des Galaterbriefes auf. In seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ legt der Reformator Rechenschaft ab über sein Verständnis des christlichen Glaubens und schreibt: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“ Motiviert wurde er dazu durch den ersten Korintherbrief (9,19). Darunter verstanden hat er jedoch nicht staatliche Freiheitsrechte und schon gar nicht eine Freiheit als Werbeartikel. Die Freiheit hat der Reformator als Befreiung aus dem Tod verstanden. Und wo es um das Gefängnis des Todes geht, der unserem Leben ein Ende macht, können weltliche Mittel nicht helfen und hätten wir sie in Hülle und Fülle. Die Freiheit eines Christenmenschen erfahren also auch Menschen, die unter den eingeschränktesten Verhältnissen leben. Aus dem Gefängnis des Todes hat nur einer uns befreien können: Christus. Deshalb geht es nach Luthers Verständnis auch nicht um Freiheit als solche, sondern um die eines Christenmenschen. Durch Jesus und allein durch ihn sind wir vom Ende unseres Lebens befreit. Ja, es endet in dieser Welt, aber durch die Taufe gehören wir dem, der uns erworben hat zum ewigen Leben.

Bei der Freiheit allein hat es der Reformator nicht belassen. Und wenn man den Galaterbrief weiterliest, hat er die Freiheit gebunden an den Dienst für meinen Nächsten. Luther schreibt deshalb nach seiner ersten These: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Und der Brief des Apostels Paulus spricht vom „Glaube(n), der durch die Liebe tätig ist“ (5,6). Am Ende des Kapitels führt er aus, was er sich darunter vorstellt: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“

Befreiung aus dem Tod

Freiheit besteht demnach nie um ihrer selbst willen. Wahre Freiheit, die Christus schenkt, macht frei von der Macht des Todes und führt zu einem Leben in Liebe. Christus hat uns nicht nur von etwas, sondern zu etwas erlöst. Die Freiheit des Glaubens nimmt Gestalt an in der Liebe, in der Hingabe und Verpflichtung für andere. Aus dem Kreisen um sich selbst befreit kann sie sich in Dienst nehmen lassen zur Verantwortung. Aus der Enge der Selbstbezogenheit wird eine Weite, die Freude bereitet, weil sie in den Augen des Nächsten ein dankbares Glänzen sieht. Es handelt sich um Freiheits-Liebe, im doppelten Sinne dieses Wortes.

„Sieh“, schreibt Luther in seiner Freiheitsschrift, „das ist die rechte, geistliche, christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten, die alle andere Freiheit übertrifft wie der Himmel die Erde. Das gebe uns Gott recht zu verstehen und zu behalten. Amen.“

Freiheit. Freudensprung. Foto: unsplash/Austin SchmiFoto: unsplash/Austin Schmid

Gebet

Herr Jesus Christus, mach uns frei von uns selbst, frei für dich und deine Liebe und frei für die Menschen, die unserer Gaben und unserer Kraft bedürfen.

Und lass uns gerade dadurch auch zu uns selbst und einer großen Lebensfreude kommen.

Amen.