Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwei Männer für ein Lied

Es ist ein eingespieltes Team, und das im wahrsten Sinn des Wortes: Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler schreiben jedes Jahr ein Lied zur Jahreslosung. Wie funktioniert das eigentlich? Und wie kommen die Songs bei den Hörern an?

Das Lied zur Jahreslosung muss auch für den Band-Alltag in den Gemeinden taugen. Foto: adobe stock/
maxwellmonty

Seit mehr als zehn Jahren kann man fast schon die Uhr danach stellen: Zum Jahreswechsel geht ein Musikvideo des Evangelischen Jugendwerks in Württembeg (ejw) zur Losung des neuen Jahres online. Bereits Mitte der 90er-Jahre gab es vom Jugendwerk Lieder zur Jahreslosung. Meist waren es mehrere, die alle in der Chormappe veröffentlicht wurden. Darin finden sich jedes Jahr neue Lieder für die Chorarbeit in den Gemeinden.

Vor mehr als zehn Jahren, so ganz genau weiß er es nicht mehr, kam Hans-Joachim Eißler auf die Idee, „sein“ Lied nicht nur zu vertonen, sondern es auch als Video zur Verfügung zu stellen. Eißler ist Landesreferent für musikplus und Popularmusik beim ejw. Damals machten er und sein Team Standbilder vom Landeskirchlichen Popchor und spielten diese zu Musik und Text ein. Womit keiner gerechnet hatte war: Die Idee kam sehr gut an. Viele, die das Video gesehen hatten, wünschten sich eine Fortsetzung im Jahr darauf. Zusammen mit dem damaligen Leiter des Jugendwerks, Gottfried Heinzmann, entwickelte Eißler also ein weiteres Lied zur nächsten Jahreslosung, im Jugendwerk wurde das dann auch als Video umgesetzt. Inzwischen gehört dieses Jahreslosungslied für viele Menschen einfach dazu. So wurde der Song zur Losung 2021 146 000 Mal abgerufen. „Das zeigt uns, dass es sich hierbei nicht nur um Zufallstreffer handelt“, sagt Eißler. Über die Jahre hat er beobachtet, dass es durchaus Zeiten gibt, in denen der Ansturm besonders hoch ist: zwischen den Jahren und zu Beginn eines neuen Jahres. Denn dann ist das Thema Jahreslosung besonders interessant: für Gottesdienste zum Jahresbeginn und für die Allianz-Gebetswoche. Danach flaut das Interesse stark ab.

Wie genau das Lied in den Gemeinden verwendet wird, kann Eißler nicht ganz genau sagen, der Download des Videos ist kostenlos. Man muss sich dafür nicht eigens anmelden, deshalb fehlt auch ein genauer Einblick darin, wer das Video nutzt. Aber vereinzelt bekommt Eißler doch Rückmeldungen. Sei es, dass Religionslehrer das Video für den Unterricht nutzen oder Pfarrerinnen es im Konfirmandenunterricht einsetzen. Auch Chöre nutzen das Angebot, denn zusätzlich zum Musikclip gibt es Noten, die kostenlos heruntergeladen werden können. Doch wie entsteht so ein Lied eigentlich? Da habe es in den vergangnen Jahren ganz unterschiedliche Modelle gegeben, sagt Hans-Joachim Eißler. In den ersten Jahren habe Gottfried Heinzmann einen Text geschrieben, den vertonte Eißler dann. „Wenn ein Text eine gute Struktur hat, dann klingelt es gleich beim Musiker“, sagt Eißler. Viele Jahre habe es gut funktioniert, einen vorhandenen Text zu vertonen. Doch dann besuchte Eißler einmal ein Songwriter-Treffen, bei dem in verschiedenen Teams an unterschiedlichen Liedern gearbeitet wurde. Da gab es zum Beispiel schon einen Refrain als Text oder eine kleine Melodie, die dann im Laufe der zwei Tage weiterentwickelt wurden. Oder es gab noch gar nichts außer einem Thema.

Dass das Arbeiten im Team nicht nur gut gehen, sondern auch viel Spaß machen kann, hat Eißler dabei gelernt. Und diese Arbeitsweise dann mit Gottfried Heinzmann ausprobiert. Es klappte sehr gut, und so treffen sich die beiden in der Regel einmal im Jahr, um das Lied zur neuen Losung zu entwickeln.

Der Vorteil sei dabei, dass er als Musiker die Möglichkeit hat, direkt Einfluss auf den Text zu nehmen. Und dass umgekehrt Gottfried Heinzmann sofort sagen kann, dass die Melodie an dieser oder jener Stelle noch etwas geglättet werden muss, damit sie auch als Gemeindelied im Gottesdienst so gesungen werden kann, dass es gut klingt.

Manchmal braucht es mehr als eine Sitzung, bis ein Lied in den Grundzügen steht. Ab und zu entwickeln die beiden zusammen eine Musterstrophe, nach deren Modell die anderen getextet werden. Dann wiederum gibt es schon erste Entwürfe zu Melodie oder Text, die beim Treffen doch wieder komplett verworfen werden. Und zu anderen Zeiten sind Text und Melodie fertig, aber dem einen oder dem anderen kommt noch eine andere Idee. Dann fliegen Mails hin und her, und die beiden überlegen, wie sie diese Ideen einbauen können.

Oft hilft es Eißler, die Melodie mit der Gitarre zu spielen, denn das kann er nicht so gut wie Klavier, wie er selbst sagt. Für ihn ist die Gitarre also eine Kontrolle dafür, ob die Melodie für den Alltag in den Gemeinden taugt. Denn am Klavier, da würde er viel zu viele „Schnörkel“ hinein komponieren. Feinheiten, die dann im Bandalltag nicht immer gut umsetzbar sind.

Für das Lied gibt es wenig Zeitdruck. Meist stehen Text und Melodie bereits im Sommer, dann geht es an die Feinheiten. Video erstellen, Chorsätze schreiben, auch einen Bläsersatz. Wobei mit Bläsersatz immer der Posaunenchor gemeint ist, denn die Posaunenarbeit ist beim Jugendwerk verortet. Online stehen Video und Noten dann meist im Dezember zur Verfügung.

Wie es künftig mit der gesungenen Jahreslosung weitergeht, ist noch nicht sicher. Auch das Jugendwerk muss sparen, möglicherweise genau an dieser Stelle. Das wäre ganz besonders schade, findet Hans-Joachim Eißler. Denn mit der Jahreslosung 2023 gebe es endlich mal einen „singbaren“ Bibeltext, den man auch direkt im Liedtext verwenden kann: „Du bist ein Gott, der mich sieht“.

Die vielen Losungen, die es bislang gab, wurden von Hans-Joachim Eißler und Gottfried Heinzmann eher beschrieben, nicht wörtlich zitiert. So heißt das Lied für 2022: „Du bist anders“, während die Jahreslosung lautet „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“.

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