Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwischen den Welten

ROTTENBURG (Dekanat Tübingen) – Oft beginnt die letzte Phase des Lebens damit, dass Sterbende kaum noch essen und trinken. Das ist das Zeichen, das Gaby Abeldt oft hört, wenn sie angerufen wird – als Koordinatorin des Hospizdienstes für Rottenburg und Umgebung. Sterben kann ein schwieriger Prozess sein, für den Sterbenden, wie für Angehörige. Beide Gruppen benötigen Unterstützung.

Gaby Abeldt: "Wir folgen den Bedürfnissen der Sterbenden und ihrer Angehörigen" (Foto: Wolfgang Albers)

Doch diese können das Gesundheitssystem, Pflegeheime und -dienste nur noch begrenzt bieten. Anders als die Hospizbewegung, die vor gut 50 Jahren in England entstanden ist. Organisatorisch haben sich die vielfältigsten Modelle entwickelt. In Rottenburg hat sich ein Kreis Ehrenamtlicher im Jahr 1996 gegründet. Die Rottenburger haben sich dafür entschieden, nicht an eine Institution anzudocken – deshalb sind sie ein eingetragener Verein, sein Wirkungskreis ist Rottenburg und die Teilorte.

Im Jahr 2010 ist Gaby Abeldt dazugekommen. Die Sozialpädagogin hat in einer Kinderklinik für todkranke Kinder mitgearbeitet. Es war ein Projekt, das auslief. Weil sie diese Arbeit aber als sehr sinnvoll empfunden hatte, schloss sie sich der Rottenburger Gruppe an.

24 Frauen und zwei Männer sind dort derzeit. Die jüngsten sind 40 Jahre alt, manche haben schon das Rentenalter. Ganz gemischt sind auch die Berufe – darunter auch Ärzte und Pfleger, die hier so wirken können, wie es die dicht getakteten Arbeitszeiten in ihrem Beruf nicht erlauben.

Viele haben auch schon persönliche Erfahrungen mit dem Tod: „Sie haben jemanden verloren, ein Hospiz erlebt oder auch vermisst“, sagt Gaby Abeldt. „Und sie haben gemerkt: Das Sterben ist eine ganz intensive Lebensphase. Da kann so viel passieren. Das ist eine ganz kostbare Zeit bis zum Tod.“

Da möchte das Vereins-Team helfen. Indem sie am Bett des Sterbenden sind. Um mit ihm zu reden, zu singen, zu beten oder einfach nur, um da zu sein – je nachdem, was der Sterbende braucht. Oder die Angehörigen, die so einmal eine Atempause bekommen: „Wir folgen den Sterbenden und den Angehörigen und ihren Bedürfnissen. Wir müssen nichts ändern.“ 

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Weil aber die Bedürfnisse so unterschiedlich sind und auch die Stärken der Mitarbeitenden, koordiniert Gaby Abeldt die Kontakte. Dafür ist sie inzwischen hauptamtlich angestellt – eine Bedingung der Krankenkasse, die so auch den Verein finanziell unterstützt. Und als Koordinatorin achtet Gaby Abeldt auch auf die Qualifikation der Vereinsmitglieder – auch das ist inzwischen eine Bedingung der Kasse. Sie lotet sie die Motivation derjenigen aus, die mitmachen wollen. Passt das, stehen 100 Stunden Schulung auf dem Programm, von der Reflexion über die eigene Einstellung zum Tod bis zu Seminaren mit unterschiedlichsten Fachleuten. Verpflichtend ist eine monatliche Supervision – schließlich kann die Tätigkeit auch belastend sein. 

Und ganz wichtig ist ihr die Pflege der Ehrenamtlichen: „Wir machen zwei Termine im Jahr, wo wir als Gruppe eine schöne Zeit miteinander verbringen.“

Der Sterbeprozess ist eine intensive Ohase - auch für die Hospizbegleiter (Foto: Wolfgang Albers)

So belastend der nahe Tod und Trauer sind – die Gruppenmitglieder haben auch gute Gefühle bei ihrer Tätigkeit: „In dieser Situation haben wir die Menschen pur und offen vor uns, ohne Rollen. Diese Begegnungen Mensch zu Mensch finden wir sehr bereichernd“, sagt Gaby Abeldt. „Und man ist in Kontakt zu der anderen Welt – Sterbende sind ja schon zwischen den Welten. Da kann man eine sehr tiefe Ruhe finden.“

Informationen unter Telefon 07472-1674480 oder im Internet unter www.hospizdienst-rottenburg.de