Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwischen Himmel und Erde - Ein Auto-Gottesdienst in Suppingen

SUPPINGEN – Die einen saßen im Auto, die anderen hörten auf Strohballen sitzend zu. An Himmelfahrt wurde auf dem Suppinger Festplatz ein Autogottesdienst gefeiert. Der kam bei den Besuchern gut an. Sie drückten kräftig auf die Hupe.

Strahlende Gesichter beim Auto-Gottesdienst in Suppingen. Foto: Brigitte ScheiffeleStrahlende Gesichter beim Auto-Gottesdienst in Suppingen. Foto: Brigitte Scheiffele

Ein Drive-in-Gottesdienst auf der Albhochfläche? Der Festplatz von Suppingen, einem Teilort von Laichingen, bietet Platz für viele Fahrzeuge. So hat das Ordnungsamt keine Obergrenze festgelegt. Doch Pfarrer Jochen Schäffler und Vikar Max Bohley haben mit dem Kirchengemeinderat entschieden, nur über kirchliche Nachrichten für den Gottesdienst an Himmelfahrt zu werben.

Das Wetter könnte nicht besser sein an diesem Donnerstag. Strahlender Sonnenschein bei blauem Himmel vertreibt jeden Gedanken an ein Autokino. Ehepaare aller Altersgruppen, Familien oder Freun-dinnen sind in rund 50 Fahrzeugen zu sehen, die eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn vom Aufsichtspersonal Reihe für Reihe eingewiesen werden. Alle Besucherinnen und Besucher bekommen Textblätter.

Autogottesdienst Festplatz Suppingen. Foto: Brigitte ScheiffeleFoto: Brigitte Scheiffele

Ein Heustapel auf einem Traktoranhänger dient als Altar, darauf ein weißes Tuch und ein Strauß Pfingstrosen. Gleich daneben nutzen Besucher, die mit dem Rad oder zu Fuß gekommen sind, weitere Heuballen zum Sitzen. Weder Leinwand noch Beamer sind aufgebaut, nur die natürliche Kulisse aus Acker, Wiese und Raps vor dem Waldesrand zieht die Blicke auf sich. Neben dem Altar stehen Lautsprecher, davor haben einige Musiker des Musikvereins Position bezogen.

Wo die Toilette sei, fragt jemand vom Fahrrad aus. Es gibt keine. Hartmut hat seine Maske vergessen und wird sich deshalb an den Rand setzen, sagt er. Erwin hat seinen Campingstuhl mitgebracht. In den Autos werden die Fenster und so manche Tür geöffnet. Das sorgt für etwas Durchzug und vereinfacht die Verständigung mit dem Nachbarn. Drei Mädels im Cabrio schwitzen bereits: Maren, Nadja und Verena aus Laichingen freuen sich auf „die andere Art von Kirche.“ Auch die Schwestern Bärbel und Luise aus Suppingen sind begeistert vom Angebot. Sie haben einen Platz in der ersten Reihe bekommen.

Autogottesdienst Suppingen. Strohballen statt Kirchenbände, viel frische Luft und Körbchen für die Kollekte. Foto: Brigitte Scheiffele

Festplatz Suppingen. Strohballen statt Kirchenbände, viel frische Luft und Körbchen für die Kollekte. Foto: Brigitte Scheiffele

Strohballen statt Kirchenbände, viel frische Luft und Körbchen für die Kollekte. Foto: Brigitte Scheiffele

Die Musiker spielen leise, die Unterhaltungen bleiben aus, die Glocken läuten. Trotz der Abschottung in den Fahrzeugen ist die andere Stimmung zu spüren. Mit lautem Hupen biegt ein weißes Cabrio um die Ecke, dem die Pfarrer Jochen Schäffler und Max Bohley am Altar entsteigen. Im regulären Gottesdienst kommt der Pfarrer schließlich auch erst zu Beginn in den Altarraum.

An Himmelfahrt lasse man das Auto ja eher stehen, sagt Pfarrer Schäffler. Doch in Anbetracht der besonderen Situation sei der Pkw ein Vehikel, um die Gemeinde zusammenzuführen. Leider dürfe nicht gesungen werden. „Wie lieblich ist der Maien“ spielen die Musiker, die Besucher sprechen Psalm 96, „Singet dem Herrn, alle Welt“ – und es wird gemeinsam gebetet.

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Die Lautsprecheranlage reicht aus für ein bisschen mehr Gemeinschaftsgefühl, der Blick schweift über die Felder. Kein Lüftchen geht, die riesigen Windräder stehen still. Was die Menschen bewegt, bringen sie in der Stille vor Gott.

Auto-Gottesdienst - Einzig die Fotodrohne stört

Mit der Schriftlesung kommt eine Drohne, die das Geräusch eines großen Heuschreckenschwarms verbreitet. Unaufhörlich kreist sie über dem Platz, der es ob der guten Idee gewiss verdient, bildlich festgehalten zu werden. Doch spätestens als Schäffler von seinem magischen Moment erzählt, wenn sich auf der Straße von Suppingen nach Seißen die Kuppe zeigt und mit ihr der Effekt, direkt in den blauen Himmel zu sausen, da stört die Drohne immens. Sie findet während der restlichen Zeit des Gottesdienstes nicht mehr auf den Boden und erweist sich als hartnäckig lärmende Besucherin, die von vielen Autoinsassen erbittert beobachtet wird.

Fazit der Predigt: Himmel und Erde gehen an einem Punkt, nicht weit von diesem Platz, ineinander über, womit Schäffler zur Apostelgeschichte übergeht: Aufgefahren in den Himmel. Ein Moment, in dem die Grenze zwischen Himmel und Erde verwischt wird. „Jesus nachzufolgen ist eine große Aufgabe, doch mitten unter uns fängt der Himmel schon an – deswegen fahrt zum Himmel“, endet Schäffler. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – bei diesem Lied fällt es schwer, nicht aus dem Wagen zu steigen und laut zu singen. Doch die Gemeinschaft zeigt sich diszipliniert und betet auch das Vaterunser im Auto.

Pfarrer und Vikar verabschieden die Besucher, die im Auto beim Gottesdienst dabei waren. Foto: Brigitte ScheiffelePfarrer und Vikar verabschieden die Besucher, die im Auto beim Gottesdienst dabei waren. Foto: Brigitte Scheiffele

Geordnet verlassen die Fahrzeuge nach dem Ende des Gottesdienstes den Platz, ein kräftiges Hupen gilt als Dankeschön nach dem Segen. Nun heißt es, die Kuppe zu finden und dem nachzuspüren, was Schäffler in seiner Predigt benannte: den magischen Moment zu erleben, als könnte man direkt in den Himmel sausen.

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