Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwischen Hoffen und Bangen - Seniorenwohnheime

Alte Menschen leiden besonders unter der Corona-Situation. Als Risikogruppe müssen sie den Kontakt nach außen meiden und zu Hause bleiben. Besonders drastisch ist die Situation in den Altenheimen, wo Besuchsverbot herrscht. Wie Bewohner, Personal und Angehörige damit umgehen, zeigen zwei Beispiele aus Württemberg, die auch ein wenig Hoffnung machen.

Idstein, Hessen, Ostern, Musik vor dem Seniorenheim. Fotos: epd-bild, Pressebild/Martin StollbergWie hier in Idstein (Hessen) wurde vor vielen Heimen an Ostern Musik gemacht. Foto: epd-bild, Pressebild/Martin Stollberg

Am Ostersonntag gab es im Alten- und Pflegeheim „Haus auf dem Wimberg“ einen besonderen Gottesdienst. Da stand der Pfarrer mit zwei Bläsern im Garten und feierte das Fest der Auferstehung. Sein Publikum lauschte an den Fenstern und auf den Balkonen, vernahm die frohe Botschaft, dass nach einer Zeit des Leidens neues Leben erwacht. Die Idee dazu hatte Hausdirektorin Monika Volaric. Sie wollte den Menschen im Pflegeheim, die seit Mitte März von der Außenwelt abgeschnitten sind, eine Freude machen. Mit Ausnahme des Personals kommt keiner mehr raus noch rein, auch nicht der Pfarrer, der sonst in der Caféteria seine Andachten hält.

Umso mehr hat es Seelsorger Matthias Schmidt gefreut, dass er in den Garten eingeladen wurde. Die Stadt Calw hatte grünes Licht gegeben und er gerne zugestimmt, da in seiner Gemeinde in Bad Teinach ohnehin gerade keine Gottesdienste stattfinden. „Ein besonderes Erlebnis“, sagt er, „sogar mit Blickkontakt“. Der Gottesdienst im Garten des Pflegeheims war auch sein Ostergottesdienst, ein berührender Moment in Zeiten, in denen so viel Distanz gefordert wird.

Monika Volaric (Haus auf dem Wimberg).  Fotos: epd-bild, Pressebild/Martin StollbergSeit vier Wochen herrscht im Pflegezentrum „Haus auf dem Wimberg“ Ausnahmezustand. Die Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung mit ihren 102 Bewohnern und 80 Mitarbeitern war stets ein offenes Haus mit großem Veranstaltungsprogramm. Das fällt nun weg. „Die Menschen spüren, dass etwas fehlt“, sagt Monika Volaric.

Senioren - Alle spüren, das etwas fehlt

Sie vermissen den Spaziergang zum Supermarkt und die Ehrenamtlichen, die ins Haus kamen, mit ihnen sangen, bastelten und spazieren gingen. Und natürlich leiden sie unter dem Besuchsverbot für ihre Angehörigen. Auch die 88-jährige Mutter von Heiderose Dreher gehört zu den Heimbewohnerinnen. Sie hat gelächelt, als sie ihre Tochter im Garten Waldhorn spielen sah, zusammen mit ihrem Mann Dieter hat diese Pfarrer Schmidt beim Ostergottesdienst begleitet.

Trotz alledem erlebt Monika Volaric ihre Bewohner sehr diszipliniert. Sie klagen nicht, halten Abstand, erfreuen sich am Garten. Ansonsten findet das Leben auf dem jeweiligen Stockwerk statt. Das Personal macht jetzt eben alles und kommt ab und zu mit einem fahrbaren Kiosk vorbei.

Die Kommunikation nach außen läuft per Telefon oder über einen Videokanal. Die Angehörigen können sich anmelden und dann Vater, Mutter oder Ehepartner auf einem Bildschirm sehen. „Computer und Technik haben für die Leute plötzlich eine ganz andere Bedeutung“, sagt Monika Volaric, die staunt, „wie gut die Stimmung ist“.

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Dabei hilft die Tatsache, dass die Situation für alle gleich ist. Keiner bekommt Besuch. Eine völlig außergewöhnliche Situation für die meisten und doch längst nicht für alle, wie Monika Volaric sagt: „Es gibt auch Bewohner, die überhaupt nie Besuch bekommen haben.“

Marina Kälber-Ruf hat ihre Eltern im Pflegeheim Haus Nagoldtal regelmäßig besucht. Als die Corona-Krise begann, war sie mit ihrem Mann auf einer Schiffsreise. Die musste vorzeitig abgebrochen werden und das Paar in freiwillige Quarantäne. Ein Besuch war gleich aus zwei Gründen nicht möglich, doch mit Freude nimmt sie zur Kenntnis, wie ihre betagten Eltern vor dem Fernseher sitzen und Videofilmchen anschauen, die sie geschickt bekommen.

Seniorenwohnheim - Verständnis für die Maßnahmen 

„Ich glaube, dass sie sich arrangiert haben“, sagt sie und gibt trotzdem zu, wie sehr ihr die Begegnungen fehlen. Keineswegs nur im Pflegeheim, sondern auf allen Ebenen des Lebens. Die Kirchengemeinderatsvorsitzende aus Hirsau ist vielseitig aktiv und schätzt die kreativen Internet-Gottesdienste. „Das Miteinander können sie aber nicht ersetzen.“ Immerhin: So wie sie haben die meisten Angehörigen der Pflegeheim-Bewohner Verständnis für die strikten Maßnahmen. Ähnlich ist es mit den Bewohnern, die geistig noch klar sind und die Zusammenhänge verstehen. Ganz anders sieht es mit den Demenzkranken aus, die zwar die Auswirkungen der Corona-Krise spüren, die Situation insgesamt aber nicht begreifen.

Ursula Queisser (Gradmann-Haus) Fotos: epd-bild, Pressebild/Martin Stollberg

Das Gradmann-Haus der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart ist ein auf Demenzkranke spezialisiertes Pflegeheim. 26 Bewohner leben hier, die sich frei durchs Haus bewegen können. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Leiterin Ursula Queisser, die genau wie ihre Kollegin Monika Volaric hofft und betet, dass das Virus draußen bleibt.

Deswegen wurde auch schon früh die Tagespflege geschlossen. Die Mitarbeiter, die dadurch frei sind, werden dringend im stationären Bereich gebraucht. Denn da halfen bisher oft die Angehörigen beim Essen mit, weil viele der Bewohner Unterstützung brauchen. „Die Einszu-eins-Betreuung steht im Vordergrund“, sagt Ursula Queisser, andere Dinge wie Dokumentation und Verwaltung können warten.

Auch sie selbst hilft nun in der Pflege aus und muss immer mal wieder auch gut gemeinte Anfragen abwehren: „Es bringt nichts, wenn Angehörige draußen stehen und winken, das wühlt unsere Bewohner nur auf“, sagt sie. Demenzkranke verstehen nicht, warum der geliebte Mensch am Fenster nicht hereinkommt, das ist der Unterschied zu den Altenheimbewohnern, denen man Corona erklären kann.

Nun hoffen alle Beteiligten, dass sie vom Virus verschont bleiben und kein Bewohner daran erkrankt oder gar stirbt. Und natürlich, dass eines Tages wieder Besuche von außen möglich sind. Denn egal, wie gut die Stimmung derzeit sein mag: „Eine Lösung auf Dauer ist es nicht“, sagt Monika Volaric, „wir sehnen den Tag herbei, an dem das Leben wieder in Gang kommt“.

Haus am Wimberg, Evangelische Heimstiftung, Pressbild.Haus am Wimberg, Evangelische Heimstiftung, Pressbild.

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