Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Nichts ist unsere Chance

Erstaunlich: In Sternwarten erfahren die Besucher vor allem etwas über sich selbst - und über die Urgründe der kosmischen Schöpfung.

Sternenwarte als AusflugtippBild: Helmut Franzens

In den Sternwarten erkennen wir, welche kleine Rolle unsere große Erde im All einnimmt. Und wie unentdeckt die Welt der Sterne und Planeten immer noch ist. Schon die Vorstellung, dass manches Licht am Firmanent schon viele Tausend Jahre unterwegs ist, um gerade jetzt in unser Auge zu fallen, grenzt für den Betrachter schon an ein Wunder.

Wir machen uns an einem klaren und kalten Winterabend im Januar auf, die Sternwarte in Tübingen zu besuchen. Dort erwarten uns einige andere Besucher und sternenkundige Menschen, die uns den Himmel ein wenig erklären wollen. Es lohnt sich, sich warm anzuziehen. Warum? Dies hier ist kein Vergnügen am PC oder am Fernseher in der warmen Stube oder in einem geheizten Labor. Als wir die Stufen hinaufgehen und auf die Beobachtungsplattform klettern, wird uns klar: Wir stehen mitten in der Kälte.

Im gedämpften Licht der Kuppel erscheint das Fernrohr noch eher klein und unspektakulär. Aber wenn dann die Kuppel geöffnet wird und der Himmel in der sternenklaren Nacht zum Vorschein kommt, erkennen die kleinen und großen Besucher schnell: Irgendwie bin ich doch ganz schön klein und nicht von so großer Bedeutung - gemessen an der Größe und Unendlichkeit des Weltraums. Wir stehen unter einem atemberaubenden Sternenhimmel.

Immer wieder werden die Sternenführer in den Sternwarten von Kindern gefragt: „Kann ich mit dem großen Fernrohr Gott im Himmel sehen?“ Nein, Gott kann man nicht mit dem Fernrohr sehen. So oder so ähnlich lauten die Antworten. Aber Gottes Werk kann man wie im Himmel so auf Erden mit und ohne Fernrohr sehen. Überall. Es zeigt sich im Unerklärlichen: Eben auch in der Unendlichkeit und Vielfalt des Weltraums.

„Papa, was ist eigentlich hinter dem Weltraum?“, fragt Sigmund den Vater. Blöde Frage? Mitnichten! Die Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Unser Sternenführer mahnt uns, doch bitte auf das zu achten, was wir sozusagen vor dem Ende des Weltraums sehen können. Und das ist auch schon ganz schön weit weg. Wir hören von fernen Galaxien, Sonnensystemen und Sternennebeln,
die selber leuchten oder angestrahlt werden. Sehen kann man diese Dinge oft nicht. Erst das lange Belichten einer Fotoplatte oder die Aufzeichnungen mit einer Kamera bringen die strahlenden Himmelskörper hervor. Sterne werden geboren und sterben. Und das Ganze in vielen Millionen von Jahren und viele Lichtjahre entfernt.

Lichtjahre? Ganz einfach und doch nicht zu begreifen: Astronomen messen die Entfernung nicht in Meter oder Kilometer sondern mit der Zeit. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die Licht in einem Jahr zurücklegen kann und das sind genau 9.460.730.472.580,8 km. Unvorstellbar. Zum Vergleich: Die Sonne ist von der Erde nur ca. 8,3 Lichtminuten entfernt.

Und dann erfahren wir, dass unsere Sonne mit ihren Planeten ein kleiner Teil unserer Galaxie ist. Sie ist ca. 100.000 Lichtjahre groß. Das heißt, Licht würde hunderttausend Jahre benötigen, um von einem zum anderen Ende zu kommen. Teile unserer Galaxie können wir mit bloßem Auge sehen: Die Milchstraße. In klaren Nächten und weit weg von hellen Städten erkennen wir am Himmel das Lichterband.

Der freundliche Herr erklärt uns, dass unsere Nachbargalaxie, der Andromedanebel, rund zweieinhalb Millionen Lichtjahre entfernt ist. Das heißt, das Licht, das wir heute sehen, ist schon über 2 Millionen Jahre zu uns unterwegs!

Bald schwindelt uns der Kopf. Dass sich die Erde dreht, das ist uns allen bewusst, dass sich die Erde um die Sonne dreht, das weiß man auch. Aber dass sich die Erde rasend schnell auch innerhalb der Galaxie bewegt und diese sich dann auch noch rasend bewegt, ist doch zu viel des Guten.

Der Besuch der Sternwarte führt uns ganz deutlich vor Augen: Wir sind winziger Teil eines Systems, das unermesslich groß ist und wohlgeordnet scheint. Denn die Lage der Erde in der Milchstraße ist von Ruhe geprägt. Das heißt, der Einfluss von anderen Himmelskörpern ist über einen fast ewigen Zeitraum gering. Störungen sind extrem selten. „Das uns im Weltraum umgebende Nichts ist unsere Chance“, sagt einer der Sternenkundler. Nur so konnte sich Leben auf der Erde entwickeln. Dies alles kann kein Zufall sein.

Fröstelnd und überwältigt machen wir uns wieder auf den Heimweg. So ein Besuch in einer Sternwarte macht uns alle nachdenklich und festigt unseren Glauben an die Schöpfung und ihre weitreichende Fügung.

Eine gute Übersicht über Möglichkeiten, die Sterne und Planeten zu beobachten, finden Sie bei www.astronomie- bw.de. In fast allen Einrichtungen können interessierte Laien die ersten Schritte zum Hobby-Astronomen gehen. Viele Sternwarten bieten auch spezielle Angebote für Kinder und Schulklassen an. Übrigens: Eine professionelle Sternwarte ist oft nicht nötig, um Spannendes zu erleben. Einige astronomische Vereine haben sehr leistungsfähige mobile Teleskope, die dann je nach Wetter und Beobachtung im Freien aufgestellt werden. Aber für alle gilt: Sternenlicht kann auch mit dem Teleskop nur bei klarem Himmel in unseren Augen erstrahlen. Übrigens: Die Profis aus den Sternwarten schmunzeln, wenn Besucher bei wolkenverhangenem Himmel „Sterne gucken kommen“ wollen.