Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die schönste Erwartung der Welt

Manche Frauen haben Ängste davor. Für andere Frauen wiederum ist es die schönste Zeit, die sie in ihrem Leben verbringen. Lesen Sie, warum unsere Autorin Corinna Frerichs genauso über die spannendsten neun Monate in ihrem Leben denkt.


Bild: Clipdealer

Irgendwie fühle ich mich komisch. Ein bisschen heiß. Ein bisschen kalt. Ein bisschen durch den Wind. Und meinen Mann Stefan habe ich auch heute Morgen schon zwei Mal wegen irgendeiner Kleinigkeit angeblafft – was sonst überhaupt nicht meine Art ist. Irgendwas ist komisch mit mir, das merke ich. Ich bin dünnhäutiger als sonst. Empfindlicher. Nicht mehr so abgebrüht, als dass ich den Alltag im Geschäft an mir abperlen lassen kann wie sonst. Eine Freundin, der ich das abends erzähle, schaut mich schräg von der Seite an. Dann grinst sie: „Hast Du schon einen Schwangerschaftstest gemacht?“

Ich? Schwanger? An so was habe ich nun noch gar nicht gedacht. Denn seit einer Myom-Operation vor drei Jahren haben die Ärzte mir eigentlich nur wenig Mut gemacht, dass ich noch auf normalem Weg Mutter werden könnte. „Sie werden es wahrscheinlich nur mit einer Hormontherapie schaffen, wenn sie einen Kinderwunsch verwirklichen wollen“, hatte mir mein Frauenarzt damals gesagt.

Ich hatte mich damit abgefunden, auch wenn ich lange daran geknabbert hatte. Mein Mann tröstete mich: „Wir kriegen das schon hin, wenn wir das wollen – vielleicht, wenn du dreißig bist!“ Bis dahin, so unser Plan, wollen wir das Leben in trauter Zweisamkeit genießen. Und nun? Also ab in die Apotheke, einen Test gekauft. Zu Hause probiere ich ihn gleich aus. Stefan ist noch nicht von seiner Arbeit zurück, als ich das Ergebnis schon in Händen halte: Ein klar erkennbarer blauer Kreis. Das heißt: ich kriege ein Kind!

Stefan ist erst baff. Und dann passiert das, was mich besonders berührt: Er fängt vor Glück an zu heulen. Hemmungslos. Nimmt mich in den Arm. Und hält mich so fest, als wenn er mich niemals mehr loslassen wollte. Also: Nix mehr mit Warten auf ein Kind, bis ich dreißig bin. Nix mehr mit Hormontherapie! Nein: Ich bin jetzt 25. Und plötzlich schwanger! Ein verrücktes Gefühl! Jetzt geht es also los mit der echten Familie. An diesem Abend stoßen wir beide mit Apfelsaftschorle an. Und lassen uns wirklich nicht mehr los.

Ich bin richtig stolz, Mutter zu werden

So ein Mutterpass ist ein lustiges Ding: Mit allerhand Seiten und Formularen und Werten, die notiert sind. Der Frauenarzt gratuliert mir: „Es sieht alles ganz normal aus!“ Meine Arbeitskolleginnen im Geschäft ebenfalls. Sie freuen sich mit mir – genauso wie unser Eltern: Schließlich werden sie zum ersten Male in ihrem Leben Großeltern! Ich merke, wie ich mich anders bewege: Ich bin einerseits stolz, richtig stolz darauf, Mutter zu werden; andererseits bewege ich mich vorsichtiger, achte auf meinen Weg. Ja manchmal fühlt es sich für mich so an wie bei dem Gedicht von Bert Brecht, der von der Liebenden berichtet, dass sie sich vor jedem Regentropfen fürchte, dass er sie erschlagen könnte. Nein, so schlimm ist das nicht. Ich denke nur plötzlich für zwei. Beim Einkaufen ertappe ich mich, dass ich ganz unwillkürlich alles im Regal liegen lasse, von dem ich den Eindruck habe, es könnte ungesund sein. Plötzlich finden sich in meinem Korb dagegen Mengen an Obst und Gemüse und anderen frischen Sachen – immer nur rein damit. Das Ganze geschieht für mich wie automatisch. Ich habe das Gefühl, ich muss mit einem Mal gar nicht mehr darüber nachdenken, was gut für unser Kind ist und was nicht.

Überhaupt diese Intuition. Seit meiner Schwangerschaft weiß ich, was es heißt, im wahrsten Sinne des Wortes in sich hineinzuhorchen. Achtsam zu sein für sein Kind – und sich selbst. Ich glaube, schon früher hatte ich immer ein ganz gutes Gespür für das, was mir gut tut. Dieses Gefühl verstärkt sich nochmals in den Monaten der Schwangerschaft. Ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes rund und heil. Und das betrifft nicht nur meine Seele: Auch meine Haut wird glatt und rosa, meine Haare bekommen einen ganz eigenen Glanz, und meine Mutter bestätigt mir: „Deine Augen strahlen den ganzen
Tag!“ Ja, es stimmt: Schwangerschaft macht schön! Die Komplimente von meinem Mann Stefan lasse ich mir besonders gerne gefallen: „Du bist so schön!“ Das tut gut. Der Bauch wächst, die Vorsorgeuntersuchungen zeigen Stefan und mir von Termin zu Termin immer mehr Details. Unglaublich, was wir mit Hilfe der Ultraschall- Untersuchungen alles schon ganz früh entdecken können: Wir sich der kleine Körper bildet, Finger und Zehen sich entwickeln – jeder neue Blick durch die Bauchdecke beim Frauenarzt löst bei uns Rührung und Erstaunen gleichermaßen aus.

Schon recht früh wissen wir auch, dass wir einen kleinen Jungen kriegen werden. Dementsprechend wälzen wir Namen um Namen, kommen aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis. Bei einer weiteren Untersuchung im achten Monat, stößt Stefan, während er auf den Bildschirm schaut, plötzlich einen Schrei aus: „Da, Schatz, schau: Unser Kindchen nuckelt am Daumen!“ Der Frauenarzt bestätigt seine Beobachtung.

Kaum zu fassen! Wie wir uns auf unser Kind freuen!

Ich heule manchmal vor Glück

Und wie ist das mit den Ängsten in der Schwangerschaft? Ich glaube, dass es keine Frau gibt, die in dieser Zeit keine Ängste entwickelt. Und ich halte das auch für völlig normal. Denn es ist die spannendste Zeit im Leben, gespickt mit vielen elementaren Fragen: Ist unser Kind gesund? Wird es bis zum Geburtstermin aushalten oder kommt es zu früh? Wir wird es aussehen? Und: Komme ich als Mutter mit der völlig neuen Belastung zurecht? Das sind alles wichtige Fragen. Sie sind so wichtig, dass sie auch im Traum zu Wort kommen. Selten träume ich so intensiv wie in der Zeit der Schwangerschaft. Manchmal sind es merkwürdige Schutz-Träume, in denen ich mit meinem Kind zusammen vor irgendeiner unbestimmten Gefahr fliehe. Und manchmal sind es ganz einfach Freudenträume: Dann halte ich ein Baby im Arm und heule ein bisschen vor Glück.

Der Bauch wird immer runder, die Geburt naht. Ich weiß nach diesen neun Monaten der Erwartung: Ich kann meinem Baby und meinem Körper gleichermaßen vertrauen. Sie beide werden mich durch die Geburt leiten, mir mitteilen, wenn es losgeht, mir zeigen was ich tun muss, um die Geburt glücklich zu meistern. Irgendwie hat mir die Zeit der Erwartung gezeigt, dass ich mir und meinem Körper restlos vertrauen kann. Diese Zeit ist so wichtig – als Vorbereitung, als Phase des Nachdenkens und In-Sich-Hinein-Fühlens. Und dann erst die Vorfreude auf unser Baby!

Mein Mann und ich sind so gespannt – genauso wie der Rest der großen Familie!