Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Job für ganze Kerle

Sich als Mann um alte hilfsbedürftige Menschen zu kümmern – das hat leider immer noch einen „uncoolen“ Anstrich. Luthers hat mit jungen Leuten gesprochen, die das nicht anficht und die diesem Beruf begeistert nachgehen.

Altenpfleger mit SeniorBild: Ute Grabowsky/photothek images UG

Lokomotivführer ist out, wenn kleine Buben davon träumen, was sie werden wollen. Heute stehen eher Pirat und (bei Mädchen) Prinzessin auf dem Programm. Und wer im Freundeskreis einmal nach den beruflichen Erwartungen der heranwachsenden Kinder fragt, wird oft „irgendwas mit Medien“ hören, manchmal auch „irgendwas mit Kindern“ oder sogar „irgendwas mit Tieren“. „Irgendwas mit Alten“ ist mir noch nicht untergekommen. In der Tat hat sich laut Statistischem Bundesamt (2010) bei der Berufswahl von Jungen und Mädchen nur wenig geändert – man verharrt in den klassischen Rollenklischees. So sind nur ganz allmählich junge Männer in den typischen Frauenberufen zu finden: beispielsweise 13 Prozent in der Altenpflege.

Thomas K. fiel mir zuerst auf, weil er so gut mit der schwierigen alten Patientin im Nebenbett zurechtkam. Er zeigte viel Geduld. Und so wurde sie bald schon freundlich, wenn er nur ins Zimmer kam. Irgendwann bat er mich um Erlaubnis, bei dem kleinen Eingriff, dem ich mich in Narkose unterziehen musste, zuschauen zu dürfen. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass er ein Krankenhaus-Praktikum innerhalb seiner Ausbildung zum Altenpfleger machte. Wie er zu dieser Berufswahl kam? Noch etwas unsicher über seine Berufspläne, hatte er nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Altenpflege geleistet. Danach wusste er, was er wollte, was seinen Erwartungen vom Berufsleben entsprach: sich professionell und mit ganzem Herzen um hilfsbedürftige alte Menschen zu kümmern. Inzwischen steht er unmittelbar vor der Abschlussprüfung. In dem Wohnstift, das sein “Ausbildungsbetrieb“ war, freut man sich schon jetzt, dass man den jungen Pfleger nicht mehr mit der Schule teilen muss! Und viele der Bewohner/innen drücken ihm fürs Examen fest die Daumen.

Dass es aber auch heute noch immer nicht einfach ist, sich als Mann für die Altenpflege zu entscheiden, hat Sven S. erlebt, der in einem ambulanten Pflegedienst arbeitet. Sein Vater, der es als Manager ziemlich weit gebracht hat, war sehr ungehalten über die Berufswahl des einzigen Sohnes. Argumente wie „Warmduscher“ und „Weichei“ fielen. Die Mutter, eine Apothekerin, litt nur stumm. Und mancher Freund fand es eher „uncool“. Sven: „So etwas erleben auch andere, die Eltern wollen eben oft in ihren Kindern die eigenen Träume verwirklicht sehen. Ich bin trotzdem meinen Weg gegangen und habe es noch keinen Augenblick bereut. Und wenn mir dann doch einmal einer wegen meines Berufs blöd kam, hab ich ihn gefragt: ,Wie oft wirst du in deinem Betrieb wegen einer kleinen Hilfeleistung angelächelt, wie oft drückt man dir dankbar die Hand, wie oft spürst Du, dass du wirklich gebraucht wirst?‘ Das verstehe ich unter einem erfüllten Beruf.“

Das schöne Gefühl, Sinnvolles zu tun

Wer sich einmal klar über seine Erwartungen an die Altenpflege ist, sollte sich zugleich überlegen, welche Erwartungen diese an ihn stellt: Habe ich wirklich Freude am Umgang mit alten Menschen, habe ich genügend Einfühlungsvermögen? Interessieren mich soziale, pflegerische und medizinische Aufgaben? Bin ich bereit zu körpernaher Arbeit wie Waschen und Kämmen, Frühstückshäppchen schneiden und Füttern, Pillen verabreichen, Verbände wechseln oder Umlagern und Bewegen? Kann ich selbständig und im Team arbeiten? Kann ich organisieren? Habe ich Verantwortungsbewusstsein und wie ist es um meine Frustrationstoleranz bestellt? Werde ich genug Empathie, Fingerspitzengefühl, aber falls erforderlich auch Autorität haben?

Altenpfleger bei seiner täglichen AufgabeBild: Ute Grabowsky/photothek images UG

Nur gute Perspektiven für die Zukunft

Solch einer Selbsterforschung unterzog sich Felix M. zunächst nicht. Er war sich nach der Mittleren Reife noch ganz unschlüssig, was er werden wollte. So entschloss sich auch er zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Mit den paar Handreichungen für die alten Leutchen würde er schon fertig werden. Er ging in eine Tagespflege-Einrichtung für Senioren und entdeckte dort, dass es ihm leicht fiel, ja sogar Freude machte, mit alten Menschen umzugehen, dass er mühelos Zugang zu ihnen fand. „Manchmal war ich abends schon geschafft, aber ich hatte immer das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben.“ Sein Entschluss stand bald fest...

Jetzt ist er im dritten Ausbildungsjahr, eignet sich die Berufspraxis in einem Stuttgarter Pflegezentrum an, die fachliche Theorie in einer Altenpflegeschule der Diakonie. Was er auch gelernt hat? „In den Alten-Einrichtungen sind Männer sehr willkommen. Ich spüre schon, dass mancher Bewohner mit einem Mann mal über ganz andere Sachen reden will, zum Beispiel über Fußball. Und manch eine der notwendigen intimeren Handreichungen lässt er lieber von einem Mann vornehmen. Manche Bewohnerin nimmt dafür ein kleines Kompliment oder eine Ermunterung von einem jungen Mann lieber entgegen und“, er zögert ein wenig, „ein Mann bringt manchmal vielleicht ein bisschen mehr Gelassenheit rein.“ Felix M. ist also wie auch die anderen der Meinung, dass man als Mann gerade in der Altenpflege auf sinnvolle Weise seinen Mann stehen kann. So gesehen sind es also gute Perspektiven in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden und damit der Bedarf an kompetenter Pflege zunimmt. Pflegefachkräfte sind schon heute auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht. Dass aber die Vergütung immer noch nicht dem entspricht, was dieser wichtige Dienst an Kranken und Alten in unserer Gesellschaft leistet, vielleicht wird es die demographische Entwicklung schon richten! Mir fällt da immer wieder der Kollege ein mit seinen zwei Söhnen, beide 1,6 Abitur. Der eine arbeitet als Krankenpfleger in der Notaufnahme einer großen Klinik, der andere als Ingenieur in der Versuchsabteilung eines Automobilherstellers. Beide sind glücklich in ihrem Beruf. Nur: Der eine verdient um vieles besser als der andere. Ich kann einfach nicht verstehen, sagt er, warum der Umgang mit Maschinen so viel besser bezahlt wird als der mit Menschen.“