Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott und die Welt im Mai/Juni

Die Ratgeber-Rubrik auf Ihre Fragen rund um die Kirche, den Glauben und die Bibel. Monat für Monat eine neue "Gebrauchsanweisung" für die Kirche, ein neues Kommentar von Corvus und die Tipps zum Einstieg in die Bibel.

BieneBild: Adpic

Aus der Bildergeschichte
Schnurrdiburr oder Die Bienen

Seid mir gegrüßt ihr lieben Bienen,
Vom Morgenstrahl beschienen!
Wie fliegt ihr munter ein und aus
In Imker Dralles Bienenhaus
Und seid zu dieser Morgenzeit
So früh schon voller Tätigkeit.

Wilhelm Busch

Gebrauchsanweisung für die Kirche

„Kirche ist ein bisschen kompliziert“ – diese Meinung hört man immer wieder von Menschen, die protestantischen Glaubens sind, aber vielleicht nur selten zum Gottesdienst kommen können. Mit unserer „Gebrauchsanweisung für die Kirche“ machen wir den Zugang zu Glauben und zur Gemeinde einfacher. Auch Sie haben eine Frage zu Glaube, Kirche oder Gemeinde? Zu Riten und Bräuchen, Festen oder Ämtern?
Senden Sie uns Ihre Fragen - per Post an die Redaktion Luthers, Augustenstrasse 124, 70178 Stuttgart oder per e-mail an redaktion(at)luthers-magazin.de.

Wer setzte Moses die Hörner auf?

Im Chorgestühl der Tübinger Stiftskirche habe ich eine Mosesdarstellung gefunden, die mich befremdete: Von dem Kopf des Moses gehen zwei große, spitz zulaufende Beulen aus, die an kleine Hörner erinnern.

In der Tat: Es werden hier die „Hörner des Moses“ dargestellt. Seit dem 12. Jahrhundert findet man in Moses-Darstellungen der bildenden Kunst dieses Attribut des Propheten. Ein besonders berühmtes Beispiel ist eine marmorne Sitzstatue Michelangelos, die ursprünglich für das Grabmal eines Papstes bestimmt war. In neuerer Zeit begegnet uns der Moses mit Hörnern in zahlreichen Lithographien und skizzenhaften Entwürfen Marc Chagalls, die dieser in den 50er und 60er Jahren für Bibel-Illustrationen und Glasfenstermalereien ausführte.

Wie aber kam es dazu? Was ist damit gemeint? In meiner (Luther-) Bibel finde ich nirgendwo einen Hinweis auf einen „gehörnten Moses“.

Das glaube ich Ihnen. Und wenn Sie die Hörner des Moses mit Vorstellungen verbinden, die uns in den Sinn kommen, wenn wir von „gehörnten Ehemännern“ reden, dann liegen sie ganz falsch.

Was aber dann?

Anzunehmen ist, dass hier ein Missverständnis vorliegt, das auf eine Eigenart hebräischer Texte, also auch der alttestamentlichen Bücher zurückzuführen ist: Die alten hebräischen Handschriften haben bis ins 9. Jahrhundert hinein Vokale (Selbstlaute a, e, i, o, u und Umlaute ä, ö, ü) nicht geschrieben. Nur die Mitlaute wurden schriftlich erfasst. So ist zu erklären, dass bei der Schilderung des Mose in 2. Mose 34, 29.30 die (geschriebenen) Mitlaute KRN sowohl als Ka-RaN, als auch als KäRäN gelesen werden konnten, je nachdem, welchen Selbstlaut bzw. Umlaut man einfügt. Das Wort KäRäN bedeutet „Horn“. Beim Wort KaRaN jedoch ist an „Strahlen“ zu denken.

Der Kirchenvater Hieronymus (ca. 347 - 419/20 n. Chr.), auf den die bis heute maßgebliche katholische Bibelübersetzung ins Lateinische („Vulgata“) zurückgeführt wird, übersetzte, dass Moses mit „gehörntem Angesicht“ (cornuta facies) mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai herabstieg. In Luthers Übersetzung (und in allen neueren Übersetzungen) jedoch ist an derselben Stelle (2. Mose 34, 29.30) davon die Rede, dass „die Haut des Angesichts Moses glänzte“.

Also ein höchst produktives und folgenreiches Missverständnis?

Ja, und es ist nicht das einzige, das durch falsche Bibelübersetzungen Geschichte gemacht hat.