Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott und die Welt im November 2014

Die Ratgeber-Rubrik auf Ihre Fragen rund um die Kirche, den Glauben und die Bibel.

Weihnachten

Wär’ Christus tausendmal
zu Bethlehem geboren,
doch nicht in dir:
Du bliebst noch
ewiglich verloren.

Angelus Silesius (1624 – 1677), deutscher Lyriker, Theologe und Arzt

Kirche von A bis Z: der Adventskranz


Der Adventskranz, wie Johann Hinrich Wichern ihn entwickelt hat: vier weiße Kerzen für die Adventssonntage, die 24 roten Kerzen für die übrigen Tage. Die grünen Zweige symbolisieren das Leben, das immer weiter geht.

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Die Älteren unter uns haben im Kindergarten noch dieses Gedichtlein gelernt. Dass Adventszeit und Adventskranz irgendwie zusammengehören, zeigt sich in der Vorweihnachtszeit bei uns daran, dass „Adventskränze“ in allen denkbaren Variationen im Handel angeboten werden.

Seit wann gibt es eigentlich diesen Brauch mit dem Adventskranz?

Den Advent, die Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi, hat man als 40tägige Fastenzeit schon im 4. Jahrhundert gefeiert. Der Adventskranz ist dagegen verhältnismäßig jung. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich allmählich die uns so vertraute Sitte, an den vier Sonntagen vor dem Weihnachtsfest nacheinander Kerzen anzuzünden, die auf einem Kranz aufgesteckt sind.

Wie kam man darauf auf den Adventskranz?

Es begann 1839 im „Rauhen Haus“. Johann Hinrich Wichern, welcher der Leiter eines sogenannten Rettungshauses, einer Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Hamburg-Horn, und später der Begründer der „Inneren Mission“ gewesen war, kam auf die Idee, aus der sich dann in den folgenden Jahrzehnten der Adventskranz entwickelte.

Heißt dies, dass es ursprünglich gar kein Kranz aus grünen Tannenzweigen war?

Ja, Wichern hat ein Holzrad mit Kerzen bestückt. An jedem Tag zwischen dem ersten Advent und dem Heiligen Abend wurde eine neue Kerze angezündet, an Werktagen eine kleine, an den Adventssonntagen eine große. Man sagt, er habe damit den Jugendlichen vor Augen führen wollen, wie lange die Wartezeit bis Weihnachten noch ist.

Dann hat man später also die kleinen Kerzen für die Wochentage weggelassen?

Richtig. Hinzugekommen sind mit der Zeit die grünen Zweige, aus denen man einen Kranz geflochten hat. Dieses Grün steht symbolisch dafür, dass auch im harten Winter Leben weitergeht.

Welche Bedeutung haben die vier großen Kerzen auf dem Adventskranz?

Sie bezeugen die Hoffnung der Christen, dass Gott es durch das Kommen seines Sohnes bei uns hell werden lässt, mag die Welt auch noch so finster sein. Solche Lichtsymbolik in einer Jahreszeit, in der die Tage kürzer werden, finden wir freilich nicht nur im Christentum. Wenn am jüdischen Fest zum Gedenken der Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 164 v. Chr. am achtarmigen Chanukka-Leuchter täglich eine weitere Kerze entzündet wird, dann haben wir da einen vergleichbaren Brauch, der auch meist in unseren Monat Dezember fällt.

So ist die Idee zum Adventskranz also ursprünglich in einem diakonischen Umfeld beheimatet gewesen?

Ja, gewiss. Wichern war einer der Väter der Diakonie und des Diakonenamts in unserem Land. Das Engagement der Diakonie, die Hilfe für die Armen und Bedürftigen, für Flüchtlinge und Opfer der Seuchen gehört zur Adventszeit unauflöslich hinzu. Auch der Bischof Nikolaus, der sein Vermögen an notleidende Menschen verteilt hat, ist beispielhaft für diese Nächstenliebe. Im vorweihnachtlichen Konsumrausch droht solches unterzugehen; aber nach wie vor ist es ein höchst erfreuliches Zeichen adventlicher Weihnachtsvorbereitung, dass die Spendenbereitschaft bei uns in diesen Wochen besonders hoch ist.