Christliche Themen für jede Altersgruppe

Neues aus dem Buchhandel

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Geduld ist insbesondere dann von Nöten, wenn man eine herausfordernde Situation aushalten muss oder krank ist. Dann sind Kopf und Herz voller Gedanken. Ein treffendes Wort, ein guter Gedanke oder ein schönes Bild können dann hilfreich sein. Die Pfarrerinnen Susanne Vetter und Amreih Kleih haben ein wunderschönes Buch herausgebracht, das solche Worte und Bilder vereinigt. Wir haben die schöne Gelegenheit, die beiden Herausgeberinnen zu ihrem Buch „Ein Kissen im Sturm“ für Sie zu interviewen.

Liebe Frau Kleih, liebe Frau Vetter, was hat Sie grundsätzlich bewegt, dieses Buch zusammenzustellen?

Amrei Kleih: Wir wollten eine für den Klinikalltag geeignete Sammlung von Bibeltexten zusammenstellen, klein aber fein. Es sollte in Umfang, Aufmachung und inhaltlicher Auswahl das umfassen, was die Kolleginnen und Kollegen in der Klinikseelsorge als meistverwendete Texte in Benützung haben. Es ging um Kerntexte für die Klinikseelsorge, eine Art „eiserne Ration“ für Krankheitstage. Die unterschiedlichen Fragen, Gemütslagen und Nagelproben sollten darin vorkommen, die uns Krankheitszeiten zumuten. So haben wir im Konvent der württembergischen Klinik- und Kurseelsorge die nun zusammengestellten 15 Klinik-Klassiker aus der Bibel ermittelt. Dabei lag die Sturmstillungsgeschichte ganz weit vorn (das Bild vom Kissen im Sturm stammt aus Mk. 4,38). Eine kleine Arbeitsgruppe des Konvents hat das Projekt dann weiter ausgestaltet. Den einzelnen Bibelabschnitten wurden Erfahrungstexte zur Seite gestellt, in denen anklingt, was wir aus vielen seelsorgerlichen Begegnungen kennen.

Das Format des Buches ist außergewöhnlich, ein sogenanntes Aufstell- oder Aufklappbuch, warum haben Sie sich für dieses Format entschieden?

Susanne Vetter: Wir wollten dann, dass Menschen in dem Buch Halt und Trost finden, vielleicht auch auf neue und andere Gedanken stoßen als bisher gedachte. Und das Buch sollte zugleich ein Blickfang werden für den unruhig suchenden Blick. Deswegen ist es ein Aufstellbuch geworden für den Nachttisch am Krankenbett, für den Schreibtisch oder Küchentisch oder für die Fensterbank. Zum Blickfang wird es auch durch unsere Bilder, die man über den Text klappen kann und die den Text vertiefen wollen.
Das Kissen ist das Kernstück des Buches. Es ist im Titel als Wort, auf jeder Seite als Grafik, auch im Text und im Bild. Es ist ein tiefes Symbol für das Gottvertrauen, das Jesu im stürmischen Boot bei sich hatte. Ein Symbol, das ganz nahe ist und das jeder Mensch kennt. Zu unserem Team gehören auch zwei Menschen, die uns über Nacht mit 800 kleinen, selbstgenähten Kissen überrascht haben und die nun schon in mancher Hosentasche oder Handtasche durch die Welt getragen werden.

Amrei Kleih: An einer geeigneten äußeren Gestaltung haben wir lange geknobelt. Unsre Absicht war, etwas zu entwerfen, das vom Krankenbett aus in direkter Reichweite zur Verfügung steht, besonders an Tagen, wo die eigenen Kräfte geschwächt sind. So kam im Team die Idee für das  Aufstell- und Umklapp-Format auf; auf diese Weise ist das Buch Nachtkästchen-tauglich. Thematisch passende Bilder runden das Ganze ab. Sie können auch sprechen, wenn man zu kraftlos ist zum Lesen.

Wer von Ihnen beiden kam auf die Idee zum Buch und wie hat die eine die andere ins Boot genommen?

Susanne Vetter: Ich weiche der Frage gerne aus und sage: Irgendwann waren wir ein Team. Und das ist eine sehr kostbare Erfahrung für mich. In der Kerngruppe waren wir zu viert. Dort sprudelten die Ideen. Und plötzlich waren da zwei Menschen, die eine tolle grafische Idee hatten, dazu kamen zwei andere, die uns am Bodensee halfen, ein Ruderboot klar zu machen fürs Photo auf der Vorwortseite. Kirchenrätin Dr. Grau schrieb ganz selbstverständlich das Vorwort. Und ein großes Geschenk im Team war das Zusammentreffen mit dem Gütersloher Verlag und der Lektorin Frau Schneider. Es sitzen also viele im Boot. Das „Kissen“ ist ein Gemeinschaftswerk und das beglückt mich.

Amrei Kleih: Und Susanne Vetter hat uns dann noch richtig aufs Wasser gelockt, wie man auf dem Ruder-Foto sehen kann. Sie ist die Kollegin, die rudern kann; wir andern stümperten an jenem Sommertag auf dem Bodensee nur herum. Aber wir haben dadurch begriffen, dass „hinten im Boot“, wo Jesus laut Markusevangelium schlief, ausgerechnet der Platz des Steuermanns ist! Wir platzierten symbolisch ein Herz auf dem Platz „hinten im Boot“. Man steuert nur mit dem Herzen gut, mag es sagen.

Haben Sie sich auch von anderen Büchern inspirieren lassen?

Amrei Kleih:  „Sie werden lachen, die Bibel“, möchte ich da antworten. Nein, es gab kein Vorbild. Es gab eine gefühlte Lücke, die wir versuchten zu schließen.

Was hilft Ihnen in Zeiten, wenn Geduld verlangt wird?

Susanne Vetter:  Das sind nicht meine stärksten Zeiten, weil ich nicht leicht loslassen kann. Aber was mir dann wirklich hilft, ist das Vertrauen und die Hoffnung: Wenn ich loslasse, ist immer noch ein Größerer am Arbeiten und Steuern.

Amrei Kleih: Geduld ist ein schwieriges und großes Kapitel, sogar ein namensgebendes: als „Patienten“ brauchen wir sehr viel Geduld. Leider ist Geduld keine angeborene Eigenschaft. Der Mensch kommt als ausgesprochen ungeduldiges Wesen auf die Welt und übt wohl lebenslang daran. Gleichwohl habe ich im Krankenhaus so manchen Menschen von bewundernswerter Geduld kennengelernt. Einmal machte ich jemand ein Kompliment dafür und bekam von ihm augenzwinkernd die Antwort: „Ach, wissen Sie, Geduld ist im Grunde nur gezügelte Ungeduld“.  Das ist eine Definition, die mir hängen geblieben ist. Sie kommt mir gnädig vor und hängt mir die Latte ein wenig tiefer, auch deutet sie an, dass selbst die Kraft der Ungeduld noch zu etwas gut sein kann.

Liebe Frau Kleih, liebe Frau Vetter, vielen Dank, dass Sie uns über die Schulter haben sehen lassen und  Einblick in das Werden Ihres schönen Buches gaben.  Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Arbeit.

Ein Kissen im Sturm
A. Kleih, S. Vetter (Hr.)
Gütersloher VH
8,99