Christliche Themen für jede Altersgruppe

So viel leisten Familien wirklich!

Was kaum jemand weiß: Ob Hausfrau, ob berufstätig, Mütter und Familien leisten eine Arbeit in ihren vier Wänden, die der Hälfte des deutschen Sozialproduktes entspricht. Wir werfen einen Blick in das unbekannte Unternehmen Familie.

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Wissen Sie, wie viel Arbeit eigentlich in Familien geleistet wird? Natürlich wissen Sie das – denn Sie und Ihre Familien leisten sie Tag für Tag. Wissen Sie aber auch, wie viel Geld die Tätigkeit eigentlich wert ist, die von Hausfrauen – und in sehr bescheidenem Umfang immer noch – von Hausmännern erbracht wird, die für ihre Familien tätig sind?

Bitte lehnen Sie sich einen Moment zurück und atmen Sie tief durch. Wir reden über eine gigantische Summe: Eine Billion Euro. Ja, Sie haben richtig gelesen: Tausend Mal eine Milliarde Euro – das ist die Leistung, die Familien in Deutschland in ihren Haushalten erbringen: 1.000.000.000.000 Euro. Das entspricht fast der Hälfte des gesamten deutschen Sozialproduktes – wobei das Sozialprodukt die Summe aller in unserer Volkswirtschaft erbrachten Leistungen in Industrie und Handel pro Jahr umfasst. Eine Zahl, die sich errechnet aus Erhebungen, die Arbeitswissenschaftler und Hausfrauenverbände in den letzten Jahren unternommen haben.

Hausarbeit könnte kaum jemand bezahlen!

Nutznießer dieser gigantischen Arbeitsleistung sind in den meisten Fällen die rund 15 Millionen Ehemänner, die in Ruhe Karriere machen, während ihre Frau die Familie versorgt. Doch würden sie nachrechnen, wären die meisten dieser Ehemänner überrascht. Von der Tatsache nämlich, dass sich nur die wenigsten dieser Männer eigentlich eine eigene Hausfrau leisten könnten – vorausgesetzt, diese würde für ihre Leistung auch nur halbwegs gerecht entlohnt. Noch stärker ist die Belastung für die berufstätigen Frauen und Mütter. Sie schuften insgesamt noch länger zwischen Job, Küche und Kinderzimmer – wenn sie nicht das äußerst seltene Glück haben, dass ihnen eine Haushaltshilfe zur Hand geht.

Über 100 Teile Wäsche pro Woche

Eine weitere Zahl, die verblüfft: Wussten Sie eigentlich, wie viele verschiedene Tätigkeiten eine Hausfrau insgesamt ausübt? Und welche körperliche Belastung diese nach wie vor bedeuten? Denn Hausarbeit ist immer noch Schwerarbeit, nicht viel anders als zu Zeiten unserer Großmütter. Daran konnte auch die elektrische Aufrüstung der letzten Jahrzehnte nicht viel ändern. Denn parallel zur deutlich besseren Ausstattung der Haushalte stiegen ja gleichzeitig die Anforderungen. Das zeigt sich allein schon bei solch trivialen Dingen wie der Wäsche: Heutzutage freuen wir uns über die selbstverständliche tägliche Dusche als wichtige Grundhygiene und die erfreuliche Möglichkeit, uns jeden Tag komplett frisch anzuziehen. Zweifelsohne eine ausgezeichnete Errungenschaft der modernen Zivilisation. Doch was bedeutet das für einen Haushalt mit Mutter, Vater und drei Kindern: Fünf Garnituren Unterwäsche, fünf paar Socken, fünf Hemden oder Blusen, eventuell auch einige Hosen sowie je nach Bedarf auch Pullover – pro Tag! – müssen gewaschen, getrocknet, gefaltet oder gebügelt werden. In einer Woche sind das 35 Unterhemden, 35 Unterhosen, 35 Hemden oder Blusen – von den Hosen und Pullovern sowie den Handtüchern und der Tischwäsche ganz zu schweigen. Mit solchen Wäschemengen mussten unsere Großmütter dank der weniger ausgeprägten Hygienestandards vergangener Tage nicht fertig werden.

216 verschiedene Tätigkeiten

Hinzu kommt: Frauen von heute sind keine Hausmütterchen, die zwischen Backofen und Speisekammer idyllisch vor sich hin werkeln. Sie sind heute kompetente Familienmanagerinnen, die beim Mikrowellengerät genauso den Durchblick haben müssen wie bei der Einkommensteuererklärung, die Kalorientabellen genauso im Kopf haben müssen wie die zahllosen Termine der Klassenarbeiten und Musikstunden ihrer Sprösslinge. Sie sind Nachhilfelehrer, Putzkolonne, Gastgeberin, Altenpflegerin, Kindergärtnerin, Familienfestorganisatorin, pädagogische Fachkraft, psychologischer Ersthelfer, und, und, und – von der Zuwendung, die sie geben, vom Trost, den sie spenden, von der Verantwortung, die sie tragen, ganz zu schweigen. Insgesamt 216 verschiedene Tätigkeiten stellten Arbeitsforscher in der Tätigkeit von Hausfrauen und Hausmännern fest. Kein Personalchef der Industrie würde es wagen, derart viele, derart unterschiedliche Qualifikationen von einem Bewerber zu fordern, wie sie Millionen von Frauen täglich unter Beweis stellen. Professoren der Universität Hohenheim bei Stuttgart sehen Frauen, die Hausarbeit verrichten, deshalb als „Sozialökonominnen“.

Von der Haus- zur Familienarbeit

Einprägsamer aber ist noch ein anderer Begriff, der sich bei den Sozialwissenschaftlern in den letzten Jahren durchgesetzt hat. Sie sprechen mittlerweile nicht mehr von der Haus-, sondern von der Familienarbeit, die immer noch weitaus überwiegend von Millionen Frauen in Deutschland geleistet wird. Obwohl der Hausmann immer noch eine seltene Erscheinung im deutschen Alltag ist, gewinnt seine Arbeit jedoch langsam an Bedeutung: Im Jahr 2007 brachte fast in jeder zehnten Familie die Frau mindestens 60 Prozent des Einkommens nach Hause. Rechnet man Haushalte mit allein erziehenden Müttern dazu, waren Frauen sogar in 18 Prozent der Fälle die Hauptverdienerinnen. Damit hat die Zahl der Hausmänner in Westdeutschland innerhalb von 15 Jahren um etwa die Hälfte zugenommen, in Ostdeutschland um etwa ein Drittel. Dennoch: Es sind und bleiben die Frauen, die die Hauptlast der Familienarbeit in unserem Lande schultern.