Christliche Themen für jede Altersgruppe

Über die Jakobusgemeinde in Tübingen

Wie gelingt es der Jakobusgemeinde in Tübingen, gegen den Trend zu einem lebendigen Miteinander im Glauben einzuladen? Aus einer wachsenden Gemeinde berichtet Heiko Schwöbel. Im Gespräch mit dem Gemeindediakon Peter Kögler erfährt er, was dazu beiträgt, dass diese Gemeinde die Gläubigen inspiriert.

Jakobuskirche in Tübingen (Bild: privat)

Das Ziel aller Bemühungen soll sein, dass möglichst viele Menschen durch eine einladende Gemeinde zu einem persönlichen Verhältnis zu Jesus als dem Christus gelangen.“ Mit diesem Leitbild schafft es die Jakobusgemeinde Tübingen seit vielen Jahren, neue Gemeindeglieder zu gewinnen und Menschen verschiedenster Glaubensherkunft Heimat zu sein. Und das gegen den allgemeinenTrend. In Zahlen ausgedrückt heißt das: In den letzten Jahren ist die Zahl der Gemeindeglieder um fast zehn Prozent auf über 1.800 angestiegen. Davon kommen mehr als 500 Gemeindeglieder von außerhalb. Das heißt, sie wohnen eigentlich nicht im Gebiet der Jakobusgemeinde, haben sich dort aber als Gemeindeglieder gemeldet.

Um das Leitbild der „einladenden Gemeinde“ mit Leben zu erfüllen und für die Gemeinde erlebbar zu machen, gelten in der Jakobusgemeinde vier einfache Regeln. Sie sind für Diakon Peter Kögler und das Gemeindeteam Maßstab und Auftrag des täglichen christlichen Handelns.

➤ Allgemeines Expertentum aller Glaubenden

➤ Was nicht einfach geht, geht einfach nicht

➤ Was nicht regelmäßig geschieht, wird in der Regel mäßig

➤ Wer zum ersten Schritt einlädt, der muss auch den zweiten gehen

Stadt: anonym. Gemeinde: vertraut

Dabei scheinen diese Regeln in einer Stadt wie Tübingen nur schwer realisierbar zu sein. Automatische und alltägliche Begegnungen der Gemeindemitglieder finden im Alltag kaum statt. Das universitäre Umfeld mit seinem ständigen Kommen und Gehen von Studierenden und Angestellten macht stabile Beziehungen für manche schwer. Die Anonymität ist der Alltag, die lokale Bindung ist eher gering.

Stimmt alles. Aber nicht für die Jakobusgemeinde. Sie macht aus diesen Nöten Tugenden. Jeden Sonntag findet ein „Jakobus“-Gottesdienst statt. Das Besondere: An der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligen sich Viele und obwohl die Liturgie ganz traditionell gefeiert wird, ist sie mit Leben gefüllt. Die musikalische Begleitung ist vielfältig und frisch. Die Predigt und die Moderation des Gottesdienstes wird nicht nur vom stellenteilenden Pfarrehepaar Maihöfer sondern auch von qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeitern gehalten. Der Gottesdienst ist spirituell anregend und abwechslungsreich. Er spricht viele unterschiedliche Menschen gleichzeitig an: Sonntag für Sonntag ist die Kirche mit bis zu 350 Gläubigen oft bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer keinen Platz mehr findet oder den Gottesdienst mit einem Kleinkind erleben möchte, kann zur Video-Übertragung in das Gemeindehaus gehen. Auch für Kinder gibt es entsprechende Angebote, die sehr gefragt sind. Der anschließende Kaffee auf dem Kirchplatz wird von Kleingruppen aus der Gemeinde organisiert. Er bietet nach dem Gottesdienst viele Möglichkeiten zur Begegnung.

Hauskreise bieten Heimat

Der Anonymität und dem ständigem Wandel begegnet die Jakobusgemeinde bewusst mit ihren Hauskreisen und Kleingruppen. „Das Besondere der Jakobusgemeinde ist die unglaubliche Breite der Spiritualität“, sagt Diakon Peter Kögler. „In fast 60 unterschiedlichen Kleingruppen finden sich Gemeindemitglieder zusammen, um Glauben und Leben zu teilen“. In etwa 25 Hauskreisen, den Lebenszellen des Glaubens, treffen sich regelmäßig Gemeindeglieder zu Gebet, Bibellesungen und persönlichem Austausch. Darüber hinaus sind offene Gruppen zu den unterschiedlichsten Themen und Situationen aktiv: Es gibt Senioren-, Partner-, Männer- und Frauenkreise.

Eine Gemeinde, die mitmacht!

Insgesamt sind fast 300 Gemeindemitglieder als Ehrenamtliche aktiv. Sie sorgen in dem Mikrokosmos der Universitätsstadt für die Verlängerung des Gottesdienstes am Sonntag in den Alltag der Gemeindeglieder. Woche für Woche, Tag für Tag.


Jakobusgemeinde in Tübingen (Bild: privat)

Auch über die eigenen Reihen hinaus gastfreundlich und einladend zu sein, ist vielen ein Anliegen. So gibt es ein Baby-Café, ein Café für Wochenmarktbesucher-, und Besuche bei älteren Menschen und im Seniorenheim. Vor und nach jedem Gottesdienst stehen Mitglieder des Welcome-Teams Interessierten und Gemeindegliedern mit Rat und Tat rund um die Gemeinde und ihre Aktivitäten
zur Verfügung. Sie beantworten Fragen zu Veranstaltungen, Hauskreisen und Gemeindegruppen. Sie sind auch Ansprechpartner für ein Gebet oder Gespräch.

Wer auf der Suche nach Neuem ist oder die Lust verspürt, neue Wege zu gehen, kann auch den Hauskreisabend besuchen. Mehrmals im Jahr treffen sich hier alle Gruppen und Hauskreise, um ihre Arbeit, Intention etc. vorzustellen. Interessierte haben hier die Gelegenheit, die ganze Breite der spirituellen Aktivitäten kennen zu lernen, sich zu beteiligen und Neues anzuregen.

Um die Breite und Vielzahl der Angebote und Mitarbeitenden angemessen begleiten zu können, wurde unter anderem eine vollständig frei finanzierte 100 %-Stelle zur Begleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter geschaffen. Dieses Wagnis ist die Gemeinde seit Kurzem eingegangen. Denn frei finanziert heißt hier, dass das Gehalt plus Nebenkosten von insgesamt 43.000 Euro aus zusätzlichen Spenden der Gemeinde finanziert werden muss.

So schafft die Jakobusgemeinde, die in ihrem Leitbild angestrebte „einladende Gemeinde“ zu sein und damit die Möglichkeit, den christlichen Glauben auch im Alltag einer Stadt aktiv zu leben.