Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwischen Lachen und Leiden

Ein Krankenhaus ist ein besonderer Ort. Besonders deshalb, weil nirgendwo Freude über die Heilung und Leid über die Krankheit so eng beieinander liegen können. Heiko Schwöbel aus der Luthers-Redaktion zeigt, was die Seelsorge im Diakonie-Klinikum Stuttgart so besonders macht.


Pfarrerin Ingrid Wöhrle-Ziegler in einem Ihrer regelmäßigen Gottesdienste, die von Gläubigen jeder Konfession gerne angenommen werden. Körper und Seele der Patienten ins Gleichgewicht bringen, das ist das Ziel der haupt- und ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger. (Foto: Diakonie-Klinikum Stuttgart 2014, Volker Schrank)

An 365 Tagen im Jahr kümmern sich an diesem Ort 800 Menschen um 40.000 kranke Menschen und ihre Angehörigen. Auf der einen Seite: Eine gewaltige Zahl. Auf der anderen Seite aber stehen dahinter 40.000 Einzelschicksale – Menschen, bei denen vielleicht eine Krankheit Unsicherheit und Angst auslöst. Diese Angst und Unsicherheit ist ein Teil von ihnen in ihrer Lebenssituation. Sie kann nicht wegoperiert oder durch eine Pille geheilt werden. Hier gilt: Das Gespräch ist die beste Medizin für solche Menschen.

Ängste, Sorgen, Fragen, Nöte, Verzweiflung und Grübeln bewusst aufnehmen, das ist die Aufgabe der Seelsorge im Diakonie-Klinikum Stuttgart. Die Ärzte, die Pfleger und die Seelsorger nehmen sich dieser Aufgabe jeden Tag von Neuem an. Das Einzigartige dabei: Die Seelsorge ist in der Organisation des Klinikums fest verankert – und für Patienten, Pfleger und Ärzte allgegenwärtig.

Ängste heilt man nicht durch Pillen

Zu bemerken ist diese Seelsorge schon an den Kreuzen in jedem Zimmer. Jeder Patient hat die Möglichkeit in der Bibel, die Losungen oder im Gesangbuch zu lesen – jeder Nachtschrank ist damit ausgestattet. Zu spüren ist die Allgegenwart der Seelsorge für den Patienten und seine Angehörigen, dadurch dass Ärzte und Pfleger die Klinikseelsorge immer wieder in das Gespräch mit den Patienten aktiv einbeziehen.

„Wir wollen die Menschen begleiten und sind davon überzeugt, dass das Gespräch mit den Patienten die Heilung von Leib und Seele vorantreibt”, sagt Pfarrerin Ingrid Wöhrle-Ziegler. “Anders als in vielen Gemeinden müssen wir hier im Klinikum nicht um die Seelsorge kämpfen. Wir werden von Ärzten und Pflegern regelrecht angefordert. Wir sind damit ein Teil des Hauses.” So lachen die Seelsorger in den Gesprächen mit vielen Patienten – und teilen genauso die Tränen bei ihrer Begleitung. Ein weiterer Ausdruck der allgegenwärtigen Seelsorge sind die regelmäßigen so genannten „Ethik-Visiten“: Oberarzt, Pfleger, Seelsorger, Patient und auch die Angehörigen besprechen gemeinsam die Erkrankung und ihre Behandlung. Bei schwerwiegenden Entscheidungen und gravierenden Diagnosegesprächen werden die Seelsorger direkt mit eingebunden. “So können wir sicherstellen, dass Körper und Seele rasch und besser wieder in das Gleichgewicht kommen”, sagt Ingrid Wöhrle-Ziegler. “Sicherlich sind diese Gespräche nicht immer leicht. Aber sie sind Seelsorge und Mission zugleich. Und ich kann hier zeigen, dass ich von Gott getragen bin. Das spüren die Patienten und sie können, wenn sie wollen, mit mir erkennen: Auch ich kann von Gott getragen werden.”

Das Rückgrat: Die Ehrenamtlichen

Natürlich können die beiden hauptamtlichen Seelsorger im Diakonie-Klinikum Stuttgart die gewaltige Aufgabe der Klinikseelsorge nicht allein bewältigen. Über 400 ehrenamtliche Helfer kümmern sich zusammen mit der Pfarrerin Ingrid Wöhrle-Ziegler und Diakon Josef Pollakowski um die Patienten. Dabei reicht das Engagement von Lotsendiensten und Orientierungshilfen durch das Krankenhaus bis hin zu Besuchsdiensten und Gesprächsangeboten für Patienten und ihre Angehörigen. Das Diakonie-Klinikum Stuttgart ist damit ein Ort, an dem christliche Nächstenliebe in ganz weltlicher Form praktiziert wird.

“Die wohltuende christliche Atmosphäre des Krankenhauses regt manchen Patienten an, sich nach seiner Entlassung als Helfer für die Seelsorge zu engagieren”, sagt Diakon Josef Pollakowski. Das Spektrum der Berufe reicht dabei vom Zahnarzt bis zum Mechaniker oder Maler. Insbesondere jung gebliebenen Senioren fühlen sich angesprochen, mit zu tun. Auf schwierige und belastende Gespräche werden die ehrenamtlichen Helfer durch die Pfarrerin und den Diakon in Schulungen vorbereitet.

“Sicherlich wählen nur wenige Patienten ein Krankenhaus alleine wegen seiner christlichen Orientierung aus“, sagt Diakon Pollakowski. „Aber alle Patienten, egal ob oder welcher Religion sie angehören, nehmen die wohltuende Atmosphäre des Hauses wahr – denn hier wird im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur für den Leib, sondern auch für die Seele gesorgt!“