Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ärger wegen der Kirchensteuer

Die Abgeltungssteuer, die auf die Kapitalertragsteuer erhoben wird, macht den Kirchen derzeit schwer zu schaffen. Weil viele Steuerpflichtige glauben, die Kirchensteuer, die auf die Abgeltungssteuer entfällt, sei eine neue Steuer, treten sie aus der Kirche aus. Dabei gibt es nur ein neues Verfahren.

Jedes Jahr treten zwischen 11 000 und 12 000 Frauen und Männer aus der württembergischen Landeskirche aus. Doch in diesem Jahr wurden bereits im ersten Quartal 5500 Austritte verzeichnet. „Das sind deutlich über 50 Prozent mehr als im ersten Quartal des Vorjahres“, sagt Andreas Koch von der Pressestelle der Landeskirche. Auch aus anderen Landeskirchen wird von stark erhöhten Austrittszahlen berichtet.

Warum die Menschen aus der Kirche austreten, wird nicht im Detail abgefragt. Doch es wird vermutet, dass es „tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem ab 1. Januar 2015 geplanten neuen Verfahren bei der Erhebung von Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer und den vermehrten Kirchenaustritten gibt“. Die Landeskirche betont wie schon zuvor die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), dass es bei der Neuerung nicht um eine neue Steuer geht, sondern lediglich das Verfahren vereinfacht wird.

Die Kirchensteuer, die auf Einkünfte aus Kapitalerträgen – etwa Zinsen von Sparbüchern und Dividenden von Aktien – entfällt, war schon bisher zu bezahlen. Doch bislang konnten sich Bankkunden entscheiden, ob sie die Kirchensteuer dafür im Rahmen ihrer Lohn- und Einkommensteuer-Erklärung entrichten oder ob die Bank die Kirchensteuer gleich an das Finanzamt abführen soll. Ab Januar 2105 machen das die Banken so.

Tatsächlich fallen die Steuern, die auf Kapitalerträge zu bezahlen sind, erst ab einem bestimmten Betrag an. Wenn ein Ehepaar zum Beispiel 80?100 Euro auf einem Sparbuch zu 2 Prozent Zinsen angelegt hat, bezahlt es weder Abgeltungs- noch Kirchensteuer und natürlich auch keinen Solidaritätszuschlag. Jedes Ehepaar kann nämlich einen Sparerpauschbetrag in Höhe von 1602 Euro für sich geltend machen. Wer darüber liegt, musste bisher auch schon Kirchensteuer bezahlen (siehe Kasten „Information“).

„Die Kirche bekommt keinen Cent mehr als vorher“, macht der württembergische Finanzdezernent Martin Kastrup deutlich. Anlass der Umstellung sei der „Wunsch nach einem gerechten und einfachen Besteuerungsverfahren“ gewesen, sagt der Leiter der Finanzabteilung im EKD-Kirchenamt, Thomas Begrich. Er bedauert die Missverständnisse und räumt ein, die kirchlichen Kommunikationsstukturen hätten die Menschen „nicht deutlich genug erreicht“.

Die Kirchen verweisen nun auf das Kirchensteuertelefon und zusätzliche Informationen und hoffen, das sich die Wogen bald glätten.

Informationen zur Kirchensteuer und Abgeltungssteuer

„Kapitalerträge und Kirchensteuer – Informationen und Fakten“ heißt ein Flyer, in dem die Neuerung anschaulich beschrieben wird. Der Flyer ist erhältlich beim EKD-Kirchenamt, Telefon 0511-2796-0, E-Mail info(at)ekd.de

Berechnung zur Kirchensteuer und Abgeltungssteuer

An einem Beispiel zeigt Bankfachmann Harald Reich von der Evangelischen Kreditgenossenschaft in Stuttgart, wie sich die Abgeltungssteuer auf die Kirchensteuer auswirkt und wie viel Abgeltungssteuer mit und ohne Kirchensteuer bezahlt werden muss. Die Abgeltungssteuer gibt es seit 1. Januar 2009. Auf die Abgeltungssteuer entfällt auf jeden Fall immer auch der Solidaritätszuschlag.

Abgeltungssteuer ohne Kirchensteuer: Eine Ehepaar hat 2602 Euro Kapitaleinkünfte im Jahr. Davon werden 1602 Euro (sogenannter Sparerpauschbetrag) abgezogen; diese Zinsen müssen nicht versteuert werden. In unserem Beispiel werden also 1000 Euro Kapitaleinkünfte versteuert. Diese Steuer nennt man Abgeltungssteuer. Sie wird wie folgt berechnet:

Abgeltungssteuer= 1000 €/4= 250 €

Hinzu kommen 13,75 Euro Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent). Insgesamt müssen 263,75 Euro Steuern bezahlt werden.

Abgeltungssteuer mit Kirchensteuer (8 Prozent): Die Kirchensteuer, die auf die Abgeltungssteuer  entfällt, ist in der Steuererklärung nicht als Sonderausgabe abziehbar. Um diesen steuerlichen Nachteil auszugleichen, berechnet sich die Abgeltungssteuer wie folgt:

Abgeltungssteuer= 1000 €/4,08= 245,10 €

An Steuern sind demnach abzuführen: 245,10 Euro + 13,48 Euro Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent) + 19,61 Euro Kirchensteuer (8 Prozent). Insgesamt müssen 278,19 Euro Steuern bezahlt werden.

Der Unterschied (mit und ohne Kirchensteuer) beträgt 14,44 Euro.

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