Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf Gutschein arbeiten dürfen

Mit einer halben Million Euro finanziert die württembergische Landeskirche Beschäftigungsgutscheine für Menschen, die schon lange ohne Arbeit sind, in Hartz IV feststecken und fast keinen Anspruch auf berufliche Förderung mehr haben. Bei der Initiative von Landeskirche und Diakonischem Werk Württemberg sind vor allem die Kirchengemeinden als mögliche Arbeitgeber gefragt. 

Mit Hilfe der Kirche sollen Langzeitarbeitslose wieder Arbeit finden. So wie Thomas Fischer. Er hat Aussicht auf einen Mesner-Job. (Foto: Werner Kuhnle)


Drei Schwerpunkte markierten die Konzeption: die direkte Hilfe für die Menschen, die Sensibilisierung der Kirchengemeinden und der Wunsch an die Politik nach mehr öffentlich geförderter Beschäftigung.

Als Ergebnis der Beratungen und Verhandlungen, die sich eng an der Frage ausrichteten, wie die Landeskirche potenzielle Anstellungsträger und die betroffenen Menschen wirksam unterstützen können, stellten Kirche und Diakonie im vergangenen Herbst die Initiative „Beschäftigungsgutscheine“ vor. Dieses Modell, für das die Landeskirche fürs Erste eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt hat, soll Langzeitarbeitlosen ermöglichen, ein paar Stunden wöchentlich gegen Bezahlung zu arbeiten und über diese geringfügige Beschäftigung wieder einen Fuß in die (Arbeits-) Türe zu bekommen. Als potenzielle Arbeitgeber könnten dabei vor allem die Kirchengemeinden von Oberschwaben bis in den Heilbronner Raum agieren. Weil langzeitarbeitslose Menschen in Kirchengemeinden nicht auftauchen und die Gemeindemitglieder die Betroffenen in der Regel nicht kennen, dienen diakonische Arbeitshilfeträger als Scharnier und stellen die nötige Kontakte her.

Gibt es für einen Arbeitsuchenden eine sinnvolle Tätigkeit in den kirchlichen Einrichtungen, kann die Gemeinde einen Antrag auf einen Beschäftigungsgutschein stellen. Die Gutscheine werden in Höhe zwischen 150 und 500 Euro pro Monat von der Diakonie ausgestellt. Mit diesem Geld kann der neue Mitarbeiter dann ein paar Stunden bezahlt werden. „Bis zu 100 Euro kann ein Hartz-IV-Empfänger ohne Abzug dazu verdienen“, erklärt Kittler. Die Idealvorstellung, so sagt der Diakoniemitarbeiter, wäre es freilich, wenn sich aus diesen Aushilfstätigkeiten richtige Stellen mit einer geregelten Arbeitszeit formen ließen. Er appelliert deshalb ganz ausdrücklich an die Kirchengemeinden, sich langzeitarbeitslosen Menschen zuzuwenden, sich für ihre Situation zu interessieren und sie bei ihrem Weg zurück in eine Berufstätigkeit zu unterstützen. Eine noch dringlichere Bitte richtet Kittler an die politisch Verantwortlichen: „Wir setzen die Impulse, die Solidaritätszeichen. Die Politik sollte sie aufgreifen.“

Noch deutlicher wird Uli Rabeneick, Geschäftsführer der Esslinger Beschäftigungsinitiative und stellvertretender Geschäftsführer der Neuen Arbeit Stuttgart, die sich um langzeitarbeitslose Menschen kümmert. „Wenn diese Personen dann älter werden, gibt es für sie so gut wie keine Fördermaßnahmen mehr und Stellen schon gleich gar nicht. Die Langzeitarbeitlosen fühlen sich abgeschrieben und hängen richtig in der Luft. Dies ist ein sehr unguter Zustand.“

Auch er würde es deshalb sehr begrüßen, wenn noch mehr Kirchengemeinden die Beschäftigungsgutscheine nutzen würden. Bislang setzen vier Gemeinden die Gutscheine ein. Knapp 150 Menschen, die meist im Raum Stuttgart und Heilbronn bei sozialen Beschäftigungsunternehmen tätig sind, profitieren insgesamt und aktuell von den Geldern der Landeskirche.