Christliche Themen für jede Altersgruppe

Begeistern und beflügeln

Das Beratungs- oder Unterstützungsangebot „Ehrenamt fördern mit System“ geht in eine neue Runde. Dabei können sich Frauen und Männer zu Ehrenamtskoordinatoren für ihre Gemeinden ausbilden lassen.Brunhilde Clauß ist Leiterin des landeskirchlich geförderten Projekts und erklärt seine Hintergründe, Methoden und langfristigen Ziele.


Brunhilde Clauß: „Es geht darum, die Menschen mit einer neuen Sicht auf das Ehrenamt zu begeistern.“ (Foto: factum)

„Das Thema muss weiter in die Köpfe und in die Herzen.“ Für Brunhilde Clauß, Leiterin des Projekts „Ehrenamt fördern mit System“, ist die Richtung für die nächsten Jahre klar. Denn wie in kaum in einem anderen Feld ließen sich, so sagt sie, der gesellschaftliche Wandel und seine Konsequenzen so genau beobachten wie im Bereich des freiwilligen Engagements. Während Ehrenamtliche sich in vergangenen Zeiten eher in vorgegebene Abläufe und Aufgaben einfügten und sich oft über eine sehr lange Zeit und manchmal auch selbstlos für Andere engagierten, so sucht sich der Ehrenamtliche unserer Tage seine Aufgaben und seinen kreativen Spielraum genau aus. Dabei begrenzt er oder sie sein Engagement auch gerne und schaut unter anderem darauf, wie und ob man dort seine Begabungen einbringen kann, und ob der freiwillige Einsatz, möglichst zusammen mit anderen, auch Freude macht. Ehrenamt als Projekt, das auch mal kurzfristiger Natur sein kann, eine automatsiche Verpflichtung über eine längeren Zeitraum ergibt sich für viele daraus nicht mehr unbedingt. Wer einmal mitgemacht hat, wird es ein zweites Mal womöglich nicht wieder tun. Vor allem dann nicht, wenn der Faktor Freude zu kurz kam.

Die Ausgangssituation hat sich für das Ehrenamt im 21. Jahrhundert also grundlegend geändert. Deshalb sei es von Anfang an wichtig gewesen, so erklärt Brunhilde Clauß, mit einer Beratung, die das gesamte System im Blick hat, sowie mit gezielter Förderung das Ehrenamt an der Basis zu stärken und weiter zu entwickeln.

Zum Aufgabenbereich der Projektleiterin zählt es auch, aus einem Pool von gut 20 Beraterinnen und Beratern diejenigen herauszusuchen, die gut zu den Kirchengemeinden und der jeweiligen Ausgangssituation passen. Unter diesen Experten mit besonderen Kenntnissen im Bereich Ehrenamtsförderung sind beispielsweise Diakone und Diakoninnen, vereinzelt Pfarrerinnen und Pfarrer, Supervisoren, Coachs, Gemeindeberater und auch beruflich oder ehrenamtlich tätige Ehrenamtskoordinatoren aus diakonischen Einrichtungen. „Das sind die Menschen, die im kirchlichen Umfeld und über den Kirchturm hinaus wichtige Multiplikatoren für das Projekt sind.“

An dieser Stelle betont die Projektleiterin die „beispielhafte“ Haltung der Landeskirche, die dem Thema Ehrenamtsförderung gegenwärtig viel Aufmerksamkeit widmet. Eine erste Bestandsaufnahme widmet sich Fragen wie etwa: Wie viele Menschen sind bei uns in der Gemeinde ehrenamtlich tätig? Welche gut etablierten Angebote gibt es? Was hat sich tot gelaufen und was ist ausbaufähig? Wichtig ist auch der Blick auf die eigenen Erwartungen: „Es geht in diesem Projekt darum, die Menschen mit einer neuen Sicht auf das Ehrenamt zu begeistern und zu beflügeln.“

Zu dieser Sichtweise gehöre auch, Wertschätzung und Anerkennung und Ehrenamtliche nicht als Anhängsel zu betrachten. Vielmehr sollte dies „überzeugend vermittelt werden und selbstverständlicher Bestandteil einer ehrenamtlichen Tätigkeit sein“. Auch der Blick auf die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen und hinter die Kulissen könne sich lohnen: „Läuft hier wirklich alles rund? Machen die Hauptamtlichen die mühsame Basisarbeit und die Ehrenamtlichen picken sich die Rosinen heraus?“

All dies kann in der fachlichen Beratung bei „Ehrenamt fördern mit System“ gründlich reflektiert werden. „Wir möchten den Teilnehmern das Handwerkszeug vermitteln, das für solche Diskussions- und Entwicklungsprozesse hilfreich ist“, sagt die Projektleiterin.

Im Rahmen des Projekts „Ehrenamt fördern mit System“ wird Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen mit entsprechendem Dienstauftrag ein weiterer Baustein zum Thema Ehrenamt angeboten. Dabei können sich Frauen und Männer zu Ehrenamtskoordinatoren fortbilden lassen. In den Kirchengemeinden sollen die Menschen, die Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort begleiten, Ansprechpartner sein und so die klassische „Kümmerer“-Rolle einnehmen, um auch Kirchengemeinderäte und Hauptamtliche bei ihrer gemeinsamen Aufgabe Ehrenamtliche zu begleiten und zu fördern, zu unterstützen.

Die Nachfrage ist ziemlich groß: „Alle 20 Plätze sind praktisch ausgebucht“, berichtet Brunhilde Clauß stolz, die Interessierten trotzdem empfiehlt, sich auf die Warteliste setzen zu lassen, da bereits an die Planung einer weiteren Fortbildung 2015/2016 gedacht ist.

Kein Zweifel: Das Ehrenamt und seine Förderung bleibt eine große gesellschaftliche und kirchliche Aufgabe.

Information zum Ehrenamt

Unter dem Titel „Ehrenamt fördern mit System“ bietet die württembergische Landeskirche die Fortbildung zum „Ehrenamtskoordinator“ an. Das Angebot richtet sich an Ehrenamtliche, die als Koordinatoren beauftragt werden sollen, an ehrenamtliche Leitende in Kirchengemeinden und an Hauptamtliche, deren Arbeitsauftrag die Koordination von Ehrenamt einschließt. Modul I findet am 7. und 8. November 2014 statt, Modul II am 6. und 7. Februar 2015.

Bei den Kursen geht es um die persönliche Motivation und bisherige Erfahrung mit Ehrenamtliche, um Veränderungen im Umfeld Ehrenamt und um das Rollenverständnis und die Zusammenarbeit. Die Fortbildung wird geleitet von Brunhilde Clauß und weiteren Mitarbeitern. Tagungsort ist das Tagungshotel am Schlossberg der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal. Anmeldeschluss ist der 31. Juli. Anmeldung und Informationen unter Telefon 0711-458049421.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen