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„E“ macht mobil - "Klimafasten" E-Mobilität (Teil 5)

Nie zuvor waren wir so mobil und reisefreudig wie heute. Rund 3,2 Milliarden Kilometer werden an einem durchschnittlichen Tag in Deutschland an Wegstrecke zurückgelegt. Und trotz Klimawandel und CO2Diskussion, das beliebteste Fortbewegungsmittel bleibt das Auto mit Verbrennungsmotor. E-Mobilität ist bislang eher zweite Wahl. Aber warum eigentlich? Ein E-Erfahrungsbericht.

Ein E-Auto kann zur Not auch an der Steckdose in der Garage geladen werden. (Foto: mmphoto)Ein E-Auto kann zur Not auch an der Steckdose in der Garage geladen werden. (Foto: mmphoto)

Auch ich habe, wie viele hier im Automobilland Württemberg, von Kindesbeinen an „Benzin im Blut“: Der Vater Ingenieur beim Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein (DEKRA) und der Schwiegervater sogar Kfz-Meister mit eigener Werkstatt und Tankstelle. Der Führerschein und das erste eigene Auto, ein flotter, gebrauchter, quietschgelber Polo Baujahr 1975, sind mindestens so wichtige Erinnerungsstationen im Familienfotoalbum wie Taufe oder Konfirmation. Denn nicht nur in jungen Jahren ist und bleibt das eigene Auto ein Garant von individueller Mobilität und damit auch Freiheit inklusive der gerne von der traditionellen Automobilindustrie beworbenen „Freude am Fahren“.

Abenteuer E-Mobilität

Seit gut zweieinhalb Jahren ist für mich aber Schluss mit Benzin und Diesel. Seitdem fahre ich rein elektrisch und gehöre damit zu den gerade mal zwei Prozent der deutschen Autofahrer, die sich bislang auf das Abenteuer E-Mobilität eingelassen haben. Und ja – es ist ein Abenteuer, denn noch immer ist die Ladeinfrastruktur in Deutschland eher auf dem Stand eines E-Entwicklungslandes. Trotz großzügiger Förderprogramme schafft es das Autoland Deutschland, Stand März 2020, auf gerade mal 18 700 E-Ladesäulen für rund 136 600 E-Fahrzeuge. Das ist im Vergleich zu e-mobilen Trendsettern wie Norwegen oder den Niederlanden, bei denen mittlerweile mehr Elektro- als Verbrennerfahrzeuge neu angemeldet werden, alles andere als elektrisierend. Kein Wunder, dass viele hierzulande aus der Sorge, saftund kraftlos mit dem E-Auto liegen zu bleiben, aktuell vor einem Wechsel zum Stromer auf vier Rädern noch zurückschrecken.

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E-Mobilität: Sorge um die Reichweite ist unbegründet

Wobei diese Sorge, nüchtern betrachtet, eher unbegründet ist. Genauso wie die damit verbundene Reichweitenangst. Denn längst haben E-Autos der neuesten Generation einen Radius von bis zu 400 bis 500 Kilometern mit nur einer Akkuladung. Bedenkt man hierbei zudem, dass die aktuell in Deutschland existierenden rund 43 Millionen Pkws durchschnittlich pro Tag weniger als 40 Kilometer zurücklegen, relativiert sich die Angst vorm Stehenbleiben deutlich.

Apropos stehen: Die meiste Zeit, im Durchschnitt rund 23 Stunden pro Tag, steht das „Heiligs Blechle“ tatsächlich. Entweder zu Hause oder bei der Arbeit. Genug Zeit, um den fahrbaren Untersatz wieder mit Strom zu versorgen, und da genügt im Notfall sogar eine einfache Steckdose und von denen gibt es bekanntlich sogar mehr als Tankstellen. Immer mehr Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeitern außerdem auch Lademöglichkeiten für das E-Auto oder das E-Bike zur Verfügung. Steuerlich gefördert, genauso wie die Anschaffung eines E-Mobils, das leider auf Grund der teuren Akkutechnik noch immer ein deutlich größeres Loch ins Portmonee als ein Verbrennerfahrzeug reißt. Mit bis zu 6000 Euro kann der Kauf eines E-Mobils aktuell staatlich gefördert werden. Vorbildlich in diesem Zusammenhang ist auch die jüngste Initiative „Kirche elektrisiert“ der Württembergischen Landeskirche. Mitarbeiter der Landeskirche können hier zukünftig günstig ein kurzstreckentaugliches E-Auto leasen, also mieten.

Aber auch für Langstrecken ist ein modernes E-Auto mittlerweile bestens gerüstet. Bereits drei Mal hat Familie Glawion mit Hund und Kegel den weiten E-Trip an die dänische Nordseeküste gewagt. Die 25 bis 30 Minuten Ladepause nach jeweils rund 300 Kilometer Fahrt haben Hund und Blase gerne dankbar angenommen und darüber hinaus für ein merklich entspannteres Ankommen am Urlaubsort gesorgt.

Die Zahl der Ladesäulen im öffentlichen Raum nimmt allerdings allmählich zu. (Foto:ottoo/alle Adobe Stock)Die Zahl der Ladesäulen im öffentlichen Raum nimmt allerdings allmählich zu. (Foto:ottoo/alle Adobe Stock)

E-Mobilität: Begegnungen neben der Ladesäule

Woran sich jeder E-Mobilist trotzdem gewöhnen muss, sind die stets skeptischen, fragenden Blicke, sobald man mit seinem Gefährt geräuschlos vorfährt. Unzählige spannende Gespräche über die eigene Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung und nachfolgenden Generationen sind so in den vergangenen zweieinhalb Jahren an der Ladesäule entstanden. Allein diese Begegnungen waren für mich bislang das E-Abenteuer wert.

Trotzdem, mit Blick auf den besagten verantwortlichen Umgang mit Gottes Schöpfung und dem weiter anhaltenden Klimawandel, ist auch die E-Mobilität noch immer eher eine Mogelpackung. Denn sowohl die aufwändige und Ressourcen fressende Herstellung der E-Fahrzeuge als auch die Bereitstellung der Elektrizität ist aktuell alles andere als umweltfreundlich. Hier gibt es also noch viel zu tun. Deshalb habe ich für mich seit fast einem Jahr ein weiteres neues Mobilitäts-Abenteuer gestartet. Soweit möglich versuche ich nun meine Wege beruflich wie privat mit Bus und Bahn zu bestreiten. Und glauben Sie mir – das ist wirklich ein deutlich größeres Abenteuer als die E-Mobilität.

Information

Mehr zur nachhaltigen Mobilität und Tipps zur Veränderung des persönlichen Verhaltens gibt es auf der Internetseite des landeskirchlichen Umweltbüros unter: www.umwelt.elk-wue.de/klimafasten/aktionsideen

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