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Kaufen für den Moment - Plastikfrei einkaufen "Klimafasten" (Teil 6)

Rund 38 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder deutsche Bundesbürger pro Jahr. Grund genug, den Alltag möglich plastikfrei zu gestalten. Eine Herausforderung, die nicht immer leichtfällt – und ihren Preis hat. Doch schon wenige kleine Umstellungen haben einen großen Effekt.

Gemüse, plastikfrei einkaufen. (Foto: Ikon / Pixaby)Gemüse, plastikfrei einkaufen. (Foto: Ikon / Pixaby)

Die Entscheidung für ein plastikfreieres Alltagsleben macht Freude – und wirkt entschleunigend. So zumindest, wenn man Unverpacktläden wie den „Schüttgut“ im Stuttgarter Westen betritt, der von Jens-Peter Wedlich betrieben wird: Auf zwei kleinen Einkaufsräumen verteilt sich hier die Ware, wie ein kleiner Wochenmarkt gestaltet sich der Anblick von frischem Obst und Gemüse, das dekorativ in Körben übereinandergestapelt liegt.

Wer hier Lebensmittel einkaufen möchte, muss erst einmal die mitgebrachten Behälter wie Tupperschüsseln oder Dosen wiegen. Einmal das rote Knöpfchen gedrückt – schon erscheint ein Etikett, auf dem das Gewicht steht und das auf die Verpackungsdose geklebt wird. Nun kann es losgehen mit dem Befüllen: Nüsse, Gewürze, Tee, Nudeln, Reis, Linsen, Müsli, Mehl – alle wichtigen Grundnahrungsmittel des täglichen Lebens sind erhältlich. Auch Brot, Milchprodukte und Drogerieartikel gehören zum Sortiment. Wer sich die Zeit nimmt und genauer umschaut, kann sich Ideen holen, wie sich im Alltag an umweltbelastender Verpackung gespart werden kann.

Und tatsächlich fällt das in manchen Bereichen gar nicht schwer: Die Shampooseife aus natürlichen Materialien fühlt sich bei der ersten Verwendung noch ungewohnt an, doch ebenso wie beim Duschgel, das problemlos durch Körperseife ersetzt werden kann, ist die Umstellung nur eine Frage der Gewohnheit. Zumal die Produkte extrem ergiebig sind. Auch der höhere Preis fällt nicht so ins Gewicht, da die Haltbarkeit die der geläufigen Drogerie-Duschgels bei weitem überdauert.

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Dasselbe gilt für Wasch- und Reinigungsmittel, die im „Schüttgut“ allerdings in Originalgefäßen der Öko-Marke „Sonett“ abgefüllt werden müssen. Beim zweiten Stuttgarter Unverpacktladen „Tante M“ in Sillenbuch kann der Inhalt hingegen in individuell gewählte Gefäße abgefüllt werden. In beiden Läden erhält man kreative Denkanstöße, wie Plastikverpackung im Alltagsleben gespart werden kann. Da gibt es ökologische Abschminkpads, vegane Rasierpinsel, Zahnseide im Glas, Teelichter aus Bio-Bienenwachs, Holz-Abflussstäbe oder Kokos-Gemüsebürsten.

Der Nachteil: Alles hat seinen (berechtigten) Preis. Wer im Discounter 250 Millimeter Handseife für 69 Cent erhält, überlegt es sich gut, ob er bereit ist, für dieselbe Menge fünf Euro zu zahlen. Ähnliches gilt für Lebensmittel wie Nüsse oder Pasta. Auf der anderen Seite lohnt sich das Prinzip „Lebensmittelverwendung statt Lebensmittelverschwendung“, wie es Jens-Peter Wedlich nennt. Das bedeutet: „Immer nur so viel kaufen, wie man im Moment braucht.“

Gewürze im Glas, plastikfrei. (Foto: Monicore / Pixaby)Gewürze im Glas, plastikfrei. (Foto: Monicore / Pixaby)

Das gilt vor allem für Kräuter und Gewürze, von denen man beim Kochen oder Backen ohnehin nur einen Teelöffel benötigt. Auf Dauer werden so überflüssige Ansammlungen von Verpackungsmaterial gespart. Zumal die im angefangenen Päckchen ansonsten im Gewürzschrank vor sich hin gammeln und irgendwann nicht mehr verwertbar sind.

Bei manchen Artikeln kommt man an seine Grenzen: Das geeignete Kontaktlinsenmittel gibt es nur in Plastikbehältern. Auch das verpackungsfreie Einkaufen von Wurst und Käse an den Supermarkt-Theken gestaltet sich in einigen Filialen schwierig. Beim Rewe Markt in Stuttgart-Hedelfingen etwa, das zeigt ein erster Vesuch, werden von der zuständigen Metzgereifiliale keine persönlichen Behältnisse zum Befüllen angenommen. Die Verkäuferin begründet das unter anderem damit, dass sie schlechte Erfahrungen mit Kunden gemacht hätten, die die Ware in ihren Taschen hätten verschwinden lassen. Doch sie bietet sofort an, dafür an Einwickelpapier zu sparen, und legt beim Abwiegen mehrere Wurstsorten übereinander.

Nach einigen Wochen steht fest: Bereits ein bisschen mehr Wachsamkeit gegenüber unnötigem Verpackungsmüll ändert schon vieles. Denn oft-mals ist es nur Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit, die einem bei umweltfreundlicherem Verhalten im Wege stehen. Bei Milch, Sahne und Saft fällt es leicht, auf Glasflaschen umzusteigen, zumal der Inhalt daraus viel besser schmeckt. Und wer zum Bäcker geht und die bestellte Brezel gleich verspeisen möchte, kann auch auf die Tüte verzichten.

Was motivierend ist: Schon bald zeigen sich erste Erfolgserlebnisse – der Inhalt des Gelben Sackes hat sich von ursprünglich zwei Säcken auf eine halb bis drei Viertel gefüllte Tüte pro Abholung reduziert. Grund genug, dranzubleiben!

Seife selbst hergestellt. (Foto: Ritual / Pixaby)Seife selbst hergestellt. (Foto: Ritual / Pixaby)

Bloggerin Annika Schulte hat einen radikalen Schritt gewagt: Sie hat ein Jahr lang komplett auf Plastik verzichtet. Und dabei festgestellt, dass man viele Sachen selbst herstellen kann – und damit Plastikmüll vermeidet.

Ihre Tipps:

Haushaltsreiniger:
Kernseife, Natronsalz, ätherisches Öl, eine Küchenreibe, Topf und Schneebesen, leere Sprühflasche. Von der Kernseife drei Teelöffel abreiben; diese in 700 ml Wasser legen. Kurz erhitzen. Nach dem Abkühlen drei Teelöffel Natron und etwas ätherisches Öl hinzugeben. In alte Sprühflasche füllen – schon ist ein Allzweckreiniger für Küche und Bad fertig.

Zahnpasta:
Kokosöl (wirkt antibakteriell), Natronsalz (für den pH-Wert im Mund), bei Bedarf ätherisches Öl. Vier Esslöffel Kokosöl (flüssig gemacht), zwei Esslöffel Natronsalz. Durch Verrühren entsteht eine leicht cremige Konsistenz ‒ in ein altes Marmeladenglas füllen.

Spülmittel:
acht Kartoffeln, 700 ml Wasser, ein Einmachglas. Kartoffeln schälen, die Schalen ins Glas geben und mit Wasser auffüllen. Kräftig schütteln und die Mixtur für zwölf Stunden in den Kühlschrank. Danach alles durch ein Sieb gießen, in ein Glas umfüllen – fertig.

Internet:
www.meinlebenohneplastik.de

Plastikfrei leben. epd-bildAuf möglichst wenig Plastikverpackung beim Einkaufen zurückgreifen ‒ das fällt manchmal gar nicht so leicht. (Foto: epd-bild) 

Tipps für ein plastikfreies Leben

■ Plastikflaschen gegen Leitungswasser und Trinkflasche tauschen

■ Duschgel, Shampoo und Deo im festen Stück verwenden

■ Mit Rucksack oder Stoffbeutel zum Einkaufen

■ Kleidung aus Naturmaterial bevorzugen

■ Obst und Gemüse lose einkaufen

■ Plastikzahnbürste gegen eine Holzzahnbürste tauschen

■ Unverpackt-Läden unterstützen

■ Jeden einzelnen Einkauf hinterfragen

■ Persönliche Einstellung vorleben und weitergeben

Quelle: www.gruene.de/artikel/10-wertvolle-tippsfuer-ein-plastikfreies-leben

Information

Einen Überblick über Unverpackt-Läden in Baden-Württemberg gibt es unter https://www.aok.de/bwgesundnah/nachhaltigkeit-und-umwelt/unverpackt-laden-plastikfreieinkaufen-in-stuttgart-und-region

Zwei Video-Beiträge zum Thema „Plastikfrei leben“ zeigt das Kirchenfernsehen, das Videoportal der württembergischen Landeskirche aus dem TV-Magazin „Wertsache“ unter kirchenfernsehen.de/video/plastikfrei-leben und außerdem unter kirchen fernsehen.de/video/plastikfreieinkaufen-schuettgut-stuttgart

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