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Manches bleibt Wunschdenken - Umweltbewusstsein - "Klimafasten" (Teil 1)

Wie umweltfreundlich Menschen leben, hängt nicht unbedingt von ihrem Umweltbewusstein ab. Zwischen dem, was viele wollen und befürworten und dem, was sie wirklich tun, gibt es zum Teil erhebliche Abweichungen. Das war schon immer so. Eine Betrachtung mit einem Rückblick in die 90er-Jahre und einem Ausblick in Gegenwart und Zukunft.

Foto: wobigrafie

Mitte der 90er-Jahre gab es eine Untersuchung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie mit dem Titel „Zukunftsfähiges Deutschland“. Unter anderem ging es dabei um die Ökobilanz der Einwohner und den Zusammenhang mit ihrem jeweiligen Umweltbewusstsein.

Das Ergebnis war einigermaßen verblüffend. So hatten die durchschnittlich besten Werte konservative Menschen vom Land ohne jegliches Umweltbewusstein. Sie machten keine Fernreisen, reparierten fast alles, anstatt es wegzuwerfen, und fuhren Autos, die nicht allzu protzig waren.

Schlecht schnitten hingegen linksliberale Städter ab mit einem hohen Maß an ökologischer Sensibilität. Sie waren außerordentlich mobil, flogen in die Welt hinaus und fuhren in einem weit überdurch-schnittlichen Maß Fahrzeuge der Marke Porsche.

Umweltbewusstsein - Handeln und Denken oft unterschiedlich

An dieser Diskrepanz zwischen dem Denken und dem Tun hat sich bis zum heutigen Tage nichts Wesentliches geändert. Menschen handeln nicht unbedingt so, wie sie es ihren Überzeugungen nach tun sollten. So hat die aktuelle Reiseanalyse, vorgestellt auf der Messe CMT im Januar in Stuttgart, ergeben, dass zwar für fast die Hälfte aller Touristen ökologische Kriterien eine Rolle spielen, den Ausschlag geben sie freilich nur in einem Bruchteil aller Fälle. So ist auch 2019 die Zahl der Fernflüge wieder gestiegen. Ähnliches gilt für die Hochseekreuzfahrten, die entgegen ihrem verheerenden ökologischen Ruf ebenfalls weiter zugenommen haben. Das erinnert ein wenig an die Unterschriftenliste mit dem Tante-Emma-Laden, für dessen Erhalt im Dorf sich 95 Prozent aussprechen, während 95 Prozent tatsächlich im Supermarkt in der nächsten Stadt einkaufen gehen.

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Was das umweltgerechte Handeln angeht, fällt vielen Menschen vor allem eines schwer: der Verzicht. Es ist eine tolle Nachricht, wenn das Schiff oder das Flugzeug demnächst weniger Abgase ausstößt, aber auf die Reise ganz verzichten? Das fällt dann schon deutlich schwerer, da zahlt man lieber eine Ausgleichsabgabe, wie sie von der Initiative „atmosfair“ angeboten wird.

Umweltbewusstsein durch wirtschaftliche Anreize steuern

Viel effektiver, als auf das reine Umweltbewusstein zu setzen ist es also, das Ganze wirtschaftlich und politisch zu steuern: So wird die Zahl der Flüge schnell abnehmen, wenn die Tickets nicht mehr zu Spottpreisen verramscht werden. Die Billigfliegerei, die Anfang der 2000er-Jahre aufkam, war ein Bärendienst für die Umwelt.

Hingegen ist die Mehrwertsteuersenkung für die Deutsche Bahn ein erster Schritt in die richtige Richtung. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen das auf das Verhältnis von Flug- und Bahnreisen im Inland tatsächlich hat.

Foto:  Tim Reckmann

Interessant sind auch Initiativen wie die Konuscard im Schwarzwald, die Albcard oder die Hochschwarzwald-Card. Dabei bekommen Urlauber mit der Übernachtung die Bahn- und Busfahrkarte gratis dazu. „Die Angebote von Bussen und Bahnen sind oft besser als man denkt, viele kennen sie nur nicht“, sagt etwa Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg.

Ein Umweltbewusstein per se ist natürlich überhaupt nichts Negatives. Man muss es nur ein wenig in eigenes Handeln umsetzen und das eine oder andere Mal wohl auch verzichten: aufs Auto, den Urlaub, den Konsumartikel. Erst dann wird sich tatsächlich und nachhaltig etwas ändern.

 

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