Christliche Themen für jede Altersgruppe

Über die Grenze blicken

ISNY (Dekanat Ravensburg) – Eine faszinierende Aussicht auf Alpen, Alpenvorland und den Bodensee bietet der 28 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Schwarzen Grat. Doch nicht nur Wanderer und Radfahrer kommen dort auf ihre Kosten: Der Berg bietet auch Momente der spirituellen Einkehr und lässt die Seele zur Ruhe kommen.

Mit blick über den Schwarzen Grat. (Fotos: Hanna Eder)

Familien nutzen den Schwarzen Grat als Ausflugsziel am Wochenende. Aber auch für eine kurze Tour nach Feierabend bietet sich der Weg an. Immer wieder kreuzen sportliche Mountainbiker den Weg, preschen in atemberaubendem Tempo an gemütlich schlendernden Wanderern vorbei und gleiten über Wurzelwerk, vorbei an Bergwiesen und Tannenwäldern dem Gipfel entgegen. Vorbei an blühenden Bergblumen, idyllischen Aussichtsplattformen und Picknickmöglichkeiten führt der Weg sanft geschwungen auf befestigten Waldwegen zum Gipfel empor.

Der Aufstieg zum Schwarzen Grat startet gleich hinter der Rehaklinik Überruh in Bolsternang, zwischen Wengen und Isny. Die Wanderung ist auch für ungeübte Wanderer sehr gut machbar. Gut eineinhalb Stunden sind es bis zum Schwarzen Grat, so steht es auf dem Wegweiser geschrieben. Von

Eschach oder Kreuzthal (Buchenberg) ist man eine ganze Weile länger unterwegs.

Am prominentesten Punkt des Gebirgszugs Adelegg, dem Schwarzen Grat, angekommen, breitet sich schnell eine fast meditative Ruhe aus. Das Wiesen-Plateau, auf dem der ständig geöffnete Aussichtsturm mit dem auffälligen Kreuz an der Fassade erbaut ist, wirkt weitläufig, einladend und angenehm entschleunigend.

Ankommen, einatmen, die Seele baumeln lassen: Bevor der 28 Meter hohe Turm erklommen wird, laden Hängematte, Wippe und Nestschaukel zum Entspannen und Spielen ein.

Alpe Wenger-EggDie Geschichte des Schwarzer-Grat-Turms geht bis ins vorletzte Jahrhundert zurück. Mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie zwischen Isny und Leutkirch im Jahr 1874 hat in Isny eine neue Zeitrechnung angefangen, erzählen die Informationstafeln. Sommerfrischler reisten damals ins westliche Allgäu – und entdeckten den Schwarzen Grat als beliebtes Wanderziel. Bereits 1878 wurde dem Ansturm Rechnung getragen und vom so genannten „Verschönerungsverein“ ein erster Pavillon auf dem Schwarzen Grat errichtet. Der kleine Aussichtsturm wurde „Lug ins Land“ genannt und 1881 an die Sektion Schwarzer Grat des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins übergeben. Um die Jahrhundertwende wurde die Adelegg zu einer Hochburg des Skisports. 1906 errichtete der Schwäbische Albverein auf dem höchsten Punkt seines Wandergebiets – und des Königreichs Württemberg – einen Holzturm.

Doch der Turm erfährt einen schweren Schicksalsschlag: Am 15. September 1967 schlägt ein Blitz in den Holzbau ein. Der Turm fängt Feuer und brennt ab. 1971 kommt es daher zum Neubau. Ein höherer Turm mit auskragender Plattform, ebenfalls als Holzkon-struktion, wird errichtet und ist bis heute öffentlich begehbar. Zur feierlichen Einweihung am 20. Mai 1971 strömen rund 5000 Wanderer auf den Berg.

Der Ausblick vom Schwarzen Grat ist atemberaubend und reicht bei klarer Luft bis zum Bodensee: Im Süden stehen der Hohe Ifen und der Große Widderstein, an die nach Osten die Hauptgipfel der Allgäuer Alpen anschließen: Mädelegabel, Großer Krottenkopf und Hochvogel. Es folgen das Wettersteingebirge mit der Zugspitze, das Karwendel, die Ammergauer Alpen und bei guter Sicht noch einige Gipfel der Bayerischen Voralpen. Nach Westen sind die Berge des Bregenzer Waldes mit Zitterklapfen und Damülser Horn (Glatthorn). Nach Norden und Nordosten erstrecken sich die Waldhöhen der Adelegg und im Osten sind Teile und Vororte der Stadt Kempten zu erkennen.

Ein besonderes Erlebnis ist der Schwarze-Grat-Erlebnisweg, der auf dem Weg zum Gipfel die Natur- und Kulturgeschichte der Adelegg mit zahlreichen Schautafeln erlebbar macht. Der Wanderer erfährt: „Die Kombination aus Mittelgebirgs-Höhenlage, hohen Niederschlägen und dem nährstoffreichen geologischen Untergrund machen den Höhenzug der Adelegg einzigartig in Baden-Württemberg. Der markante Gebirgsstock erhebt sich an vielen Stellen über 1000 Meter in die Höhe und gipfelt im 1118 Meter hohen Schwarzen Grat, der als höchste Erhebung, nicht als höchster Punkt Württembergs, gilt.“

„Der Schwarze Grat ist in vielerlei Hinsicht ein Ort, der grenzüberschreitend ist“, schwärmt Pfarrer Walter Schmid aus Isny. Der Schwarze Grat vereine Gemeindemitglieder, Wanderer und Mountainbiker gleichermaßen. Zudem pilgerten an Pfingstmontag nicht nur von der württembergischen, sondern auch von der bayerischen Seite die Menschen zu dem beliebten Wortgottesdienst, da der Berg direkt an der bayerisch-württembergischen Grenze liege. „Manchmal sind auch schon berittene Leute zum Gottesdienst gekommen“, erinnert sich der 68-Jährige. Doch nicht nur die Bundesländer würden durch den Schwarzen Grat vereint, der ökumenische Gottesdienst am Schwarzen Grat vereine auch die unterschiedlichen Konfessionen.

Am Pfingstmontag dieses Jahres hat Pfarrer Dietrich Oehring zum ersten Mal den Schwarzen Grat erklommen. Es war der Tag direkt nach seiner Amtseinführung. Gemeinsam mit rund 150 Besuchern feierte er zum ersten Mal den ökumenischen Gottesdienst mit, den sein Kollege Pfarrer Stefan Ziegler gestaltet hat, und genoss den Rundblick über die Wälder und den Ausblick in die Alpen. „Es war ein wunderbares Erlebnis, den Berggottesdienst dort oben direkt am Gipfel als Besucher zu erleben“, schwärmt Oehring, der von

Neenstetten (Dekanat Ulm) nach Isny gewechselt ist und nun seit Pfingsten das Pfarramt I in Isny betreut.

Einen besonderen Beitrag für die einzigartige Atmosphäre des Berggottesdienstes auf dem Schwarzen Grat leisten jedes Jahr der Isnyer Posaunenchor und das Alphorntrio, deren musikalische Leitung seit sechs Jahren Siegfried Leitermann inne hat. „Als Besucher bin ich bestimmt schon gute 20 Jahre beim Gottesdienst dabei“, erzählt der 71-jährige Leitermann. Die Aussicht auf die wunderschöne, ländliche, sanft gehügelte Voralpenlandschaft sei einzigartig, betont der Musiker. „Das ist ein Rundblick, der traumhaft ist und den man hier im Allgäu ganz selten findet.“

Aussichtsturm am Schwarzen GratEin besonders schönes Ausflugsziel auf der Adelegg ist die Alpe Wenger Egg. Sie befindet sich südöstlich unterhalb des Schwarzen Grats, etwa 20 bis 30 Gehminuten vom Gipfel entfernt in 1050 Metern Höhe. Wie aus dem Bilderbuch liegt sie idyllisch eingebettet zwischen den saftig-grünen Allgäuer Wiesen unterhalb des Hügels Raggenhorn. Von Wengen (Gemeinde Weitnau) ist sie 3,5 Kilometer entfernt. Vor dem Haus steht die 77-jährige Sieglinde Möslang. Sie bewirtschaftet seit 44 Jahren mit ihrem Mann Michael die Alpe.

127 Stück Jungvieh betreut das Ehepaar derzeit. „Mein Vater war schon 36 Jahre hier oben“, erzählt Sieglinde Möslang, die von Mai bis zum Viehscheid Ende September auf der Alpe ist und als Kind auf der Alpe aufwuchs. „Seit sieben Jahren haben wir hier oben erst Strom“, berichtet Möslang lachend, während ihr Sohn und ihre Enkel mit dem Traktor vorbeifahren. Im gemütlichen Garten der Alpe sitzen an diesem Nachmittag ein paar Gäste. Sie genießen in der Nachmittagssonne ihre Getränke und die einzigartige Berg­luft. Auch eine einfache Brotzeit wird hier oben angeboten. Was viele nicht wissen: Die Alpe Wenger Egg ist eine der letzten noch bewirtschafteten Alpen des heute fast vollständig bewaldeten Gebirgszugs der Adelegg.

Information über den schwarzen Grat mit Gastronomietipps

Auf den Schwarzen Grat führen verschiedene Wanderwege. Ein Aufstieg ist sowohl von den Ortschaften Bolsternang, Eschachthal und Wengen, als auch von Rohrdorf, Großholzleute und Kreuzthal (an der Eschach) möglich. Die Anstiege führen auf markierten Wegen, meist Kieswegen, zum Schwarzen Grat und sind mit festem Schuhwerk auch für ungeübte Wanderer gut zu begehen. Der Erlebnisweg hat eine kürzere und eine längere Variante. Er ist wegen seiner befestigten Waldwege auch für geländetaugliche Kinderwagen sehr gut geeignet.

Nächste Parkmöglichkeiten

• Von Bolsternang drei Kilometer

• Von oberhalb des Eschacher Weihers vier Kilometer

• Von Wengen kann man auf einer Mautstraße bis zur Wenger Egg Alpe gefahren werden; von dort noch ca. 20 bis 30 Minuten bis zum Turm

Restauranttipp zum Essen und Ausruhen

• Alpe Wenger Egg

• Landgasthof Schwarzer Grat in Bolsternang

• Cafeteria Rehaklinik Überruh

• Kiosk im Schwarzer-Grat-Turm

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