Christliche Themen für jede Altersgruppe

Freud und Leid der Babyzeit

Wie ist das, wenn aus zwei plötzlich drei werden? Unsere Autorin Lena Reseck beschreibt die spannende erste Zeit von Höhen und Tiefen mit ihrer Tochter Mascha

Bild: privat

Kein Aufschrei, keine Tränen, keine Liebeserklärung:

„Das bist du also”, sind meine ersten Worte an das neue Menschlein auf meinem Bauch, das mir irgendwie bekannt vorkommt und irgendwie auch nicht. „Lasst mich bitte schlafen”, ist bald darauf mein größter Wunsch. Denn hinter mir liegen drei Nächte mit Wehen und eine 18-stündige Geburt. In dieser Zeit habe ich jedes Detail aus dem Leben der Hebamme erfahren (Single, Sternzeichen: Löwe, Hobby: Feuerwehr), weil sie mich versuchte, plaudernd zu unterhalten. Ich habe meinen Mann vollgejammert und seine Hand beinahe zerquetscht, in einer Badewanne gelegen, auf einem Pezziball gesessen, gewartet und schließlich staunend das zarte, leicht blau angelaufene Wesen in meinem Arm betrachtet. Ebenso staunend schaut es zurück. Einen Namen habe ich noch nicht für das wohlig-warme Gefühl, das mich da von Kopf bis Fuß durchströmt. Mein Mann umarmt in Tränen aufgelöst die Hebamme, um ihr zu danken. Ich bin müde. Jetzt könnten sich doch andere um die Kleine kümmern, ein paar Stunden oder besser die ganze Nacht gut für sie sorgen, denke ich. Nichts da. Die Hebamme schaut streng: „Säuglinge liegen in der ersten Nacht eng an der Mutter. Das ist wichtig für die Bindung!” Als Neuling auf dem Gebiet will man ja nicht gleich unangenehm auffallen. Ich mache also wieder meine Augen auf. Die Kleine schläft nach den Geburtsstrapazen unruhig. Sie zuckt im Traum und ich schrecke jedes Mal mit auf. Zur Beruhigung streiche ich über ihre weichen Bäckchen. Doch trotz allem Schlafentzug bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt: Es ist einfach unglaublich: Unsere Tochter hat tatsächlich das schönste Gesicht, die hübscheste Nase und den vollkommensten Mund, den ich je bei einem Baby gesehen habe. Ich muss das wissen. Schließlich bin ich die Mutter.

Glück selbst ohne Schlaf

Müsste man den Tagen im Krankenhaus einen Filmtitel geben, wäre es wohl „Schlaflos in Seattle”. Schemenhaft sehe ich tagsüber meinen Mann – den Ellbogen auf ein Kissen gestützt, wiegt er die Kleine stundenlang im Arm – während ich kurz wegdämmere. Dann unsere schon unangemessen große Freude über den ersten Windelinhalt. Plötzlich tauchen Begriffe wie Kinds- Pech, Fußballer-Position und Piloten-Griff auf. Abends trägt eine ältere, resolute Säuglingsschwester unser pausenlos schreiendes Kind aus dem Raum und bringt es mit Schnuller im Mund zurück. Vorerst ist Ruhe. Nach fünf Nächten fast ohne Schlaf laufe ich herum wie ferngesteuert. Das Merkwürdige aber ist: Ich fühle mich dabei putzmunter. Alles klappt ganz prima, erzähle ich meinen Eltern am Telefon, sie könnten schon übermorgen aus der Ferne anreisen und sich bei uns einquartieren, gar kein Problem. Mein Vater bleibt entspannt. Ich soll erst mal abwarten, sagt er. Eine halbe Stunde später liege ich mit hohem Fieber und Gliederschmerzen restlos erschöpft im Bett: Milcheinschuss. Zerzaust, verheult, mit Quarkwickeln auf der Brust. Eigentlich ist das alles ganz normal, so erfahre ich von der Hebamme. Für uns allerdings ist es eine Ausnahmesituation. Jürgen und ich sind nun nicht mehr allein. Zuhause haben wir eine neue Mitbewohnerin, die mit ihren Bedürfnissen den Rhythmus unseres Lebens vorgibt. Nachts schläft sie neben uns, beim Essen liegt sie in ihrer Babyschale mit am Tisch, beim Spaziergang schieben wir sie im Wagen vor uns her. Unsere Rollen verschieben sich: Jetzt sind wir vor allem Eltern. Vorsichtig, besorgt und manchmal ein bisschen hilflos – aber immer voll Freude über das Glück, das uns zuteil geworden ist. Isst sie genug? Wie betten wir ihr Köpfchen, damit es nicht schief wird? Solche Fragen treiben uns neuerdings um.

Alles fühlt sich anders an

Seltsam: Marmeladenbrot esse ich wie gehabt mit Käse obendrauf, bei Heavy Metal schalte ich das Radio ab und über Witze des Ostfriesen Otto lache ich immer noch. Ohne Zweifel bin ich noch dieselbe Person. Trotzdem fühlt sich alles ein bisschen anders an. Und das nicht nur, weil die alten Hosen nicht mehr passen. Es ist, als wäre in vorher wenig genutzten Ecken im Herz, im Kopf oder wo auch immer plötzlich eine Tür geöffnet worden. Als könnten Liebe, Fürsorge und Wärme erst jetzt frei und grenzenlos zirkulieren. Feministinnen werden wahrscheinlich jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber ich fühle mich zum ersten Male in meinem Leben wirklich komplett. Sollte vorher im Leben etwas in Schieflage gewesen sein, ist es im Moment gerade und genau am richtigen Platz. Diese ersten Wochen zu dritt zu Hause sind sehr friedlich und fröhlich. Sicher liegt das auch an Hormonen und dem stillfreundlichen Essen, das mein Mann mir täglich liebevoll serviert. Die Schreiphase unseres Babys beginnt, als Jürgen wieder arbeiten muss. Kommt er nach Hause, trifft er uns beide entweder schlafend oder tränenüberströmt an. In diesen Tagen maile ich einer Freundin: „Abends bin ich so erschöpft, als hätte ich in der Redaktion drei Tage durchgeackert. Dabei habe ich doch nichts gemacht, außer wickeln, stillen, Baby herumtragen, spazieren fahren, wieder stillen, wickeln, herumtragen.” Ob in Schule, Studium oder Beruf: Man eignete sich Dinge an, und dann klappten sie meist. Falls nicht, bekam man das von Lehrern oder Vorgesetzten zu hören und machte es nächstes Mal besser. Bei einem Baby funktioniert das nicht. Dauernd ist alles neu. Ein Beispiel: Unser sorgfältig geplanter erster Familienausflug fällt aus: Die Kleine hat einen Virus und muss ins Krankenhaus. Tag und Nacht sitzen wir an ihrem Bett, selbst ganz krank vor Sorge. Und es gibt auch diese Momente: Zum ersten Mal streckt sie in meinem Arm ein Händchen aus und versucht, mein Gesicht zu greifen. Dabei lächelt sie und stößt kleine Laute aus wie ein Tierchen. Das Glücksgefühl ist dann so tief und unbeschreiblich, dass einem beinahe alle Menschen leid tun, die das nicht erleben können. Es macht dankbar. Vielganze leicht schieben wir deshalb den Kinderwagen so oft in Richtung Kirche. Um eine Kerze anzuzünden, innezuhalten und uns über unser kleines, großes Wunder zu freuen. Lange bevor ich ein Kind hatte, wusste ich: Ich würde zur Babymassage gehen. Dem Wonneproppen die Beinchen kneten, und es gluckst dazu. Ein schöner Traum. Unsere Tochter fängt in dem überheizten Raum beim Begrüßungslied „Guten Morgen” an zu schreien und hört beim Abschlusslied auf. Verschwitzt und kraftlos verlassen wir Mütter den Kurs, um uns im Café gigantische Stücke Sahnetorte zu bestellen. Auf einmal sitzt man mit Frauen zusammen, mit denen man nichts gemein hat außer Anfängerin in Sachen Mutterschaft zu sein. Alle Gespräche drehen sich darum, was Babys brauchen und ausscheiden und wie unsere Partner damit umgehen. Manchmal stillen wir alle parallel. Harmonische, entrückte Minuten sind das. Vor dem Café- Fenster quietschen Autobremsen, es knallt, zwei Männer beschimpfen sich lautstark. Um ganz ehrlich zu sein: Wir haben nicht einmal aufgeschaut.

Alle wollen mitreden

Auf dem Weg zum Treff der Mütter im Café ruft einmal ein Bauarbeiter, der uns im früheren Leben vielleicht nachgepfiffen hätte: „Die Damen da schieben schön gemütlich ihre Kinderwagen, und wir müssen hier malochen!” Was haben wir drei Mütter uns da geärgert! Eine von uns murmelt zurück: „Das ist auch Arbeit.” Ob die Mutter eines Kleinkindes nun völlig in ihrer Rolle aufgeht oder sich bald nach ihrem Beruf zurücksehnt: Irgendeiner wird sie immer schräg anschauen. Mutterschaft scheint mit ganz gegensätzlichen Wertvorstellungen überfrachtet zu sein. Es gibt das Klischee von der ewig strahlenden Hausfrau, das von der stressresistenten Überfrau, die drei Kinder großzieht und ein mittleres Unternehmen leitet, das von der gescheiterten Alleinerziehenden und viele mehr. Als wäre das alles so einfach. Doch beim Thema Nachwuchs verliert offenbar fast jeder sein Gefühl für die gebotene Distanz. Das beginnt bereits in der Schwangerschaft: Sonst grüßte die Sekretärin im Büro kaum, jetzt befühlte sie ungebeten meinen Bauch. Wildfremde Menschen fragten im Supermarkt: „Und, wann ist es soweit?” Als das Baby da ist, wird diese Frage ersetzt durch: „Stillen Sie?” Die Reaktionen auf meine Antwort sind entweder: „Gott sei Dank!” oder „Bloß nicht so lange!” Anscheinend fühlt sich jeder betroffen und zum Experten berufen – bei einem Kind, das er gar nicht kennt.

Aus Eltern werden

Großeltern Freud und Leid der Elternschaft: Seitdem meine Mutter zur Großmutter unserer Tochter geworden ist, kann ich mit ihr irgendwie nicht mehr vernünftig telefonieren. Ich erzähle von der positiven Untersuchung beim Kinderarzt – sie fragt nur zurück, ob ich immer noch Wasser aus Plastikflaschen trinke. Als Stillende sollte ich auf Weichmacher verzichten. „Die Kleine schläft gerade friedlich“, berichte ich ein andermal. „Doch nicht etwa in dem Zimmer, in dem ihr vergangenes Jahr Wäsche getrocknet habt!”, erwidert sie aufgescheucht. Kurz vor unserem ersten Urlaub zu dritt auf der Insel Borkum verdichtet sich der großmütterliche Argwohn: „Müsst ihr wirklich dahin fahren?”, fragt meine Mutter. „Etwa mit der Fähre über das stürmische Meer? In eine kalte, ungewohnte Umgebung mit unregelmäßigem Essen?” Ja Mama, wir müssen. Und wir tun es auch. Und dieser Urlaub macht uns – trotz aller Besorgnisse meiner Mutter – wirklich Freude. Und dann erzählt meine Mutter wieder die Geschichte, die sonst nur für meinen Geburtstag vorbehalten ist: Wie ich an einem sonnigen Morgen im Frühling auf die Welt kam. Wie sie dieses ruhige und sehr runde Baby im Arm hielt und staunend betrachtete. Ich schaute staunend zurück und ein wohlig-warmes Gefühl durchströmte sie. Mehr als 30 Mal habe ich die Geschichte schon gehört. Aber jetzt verstehe ich sie zum ersten Mal richtig. Das Baby kommt – machen Sie Ihr Leben einfacher:

Bewährte Tipps für junge Mütter und Väter

Eine gute Hebamme ist für Mutter und Kind Gold wert

Das macht eine gute Hebamme aus: Sie ist sympathisch, geht geduldig mit Ihnen und dem Baby um und beantwortet ausführlich alle Ihre Fragen.

Heute bleibt die Küche kalt : Lassen Sie sich bitte einfach mal verwöhnen

Wenn Freunde fragen, was sie zur Geburt schenken sollen: Bitten Sie sie, ab und an für Sie zu kochen und die Mahlzeiten vorbeizubringen. Entspannt!

Immer wieder ein Nickerchen: Schlafen Sie, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet

Ihr Baby schläft tagsüber ein? Am besten, Sie legen sich gleich dazu. Denn die nächste schlaflose Nacht kommt bestimmt. Deshalb jede Chance nutzen!

Besuche auf später verschieben: Jetzt sind erst einmal Mutter und Kind wichtig!

Bitten Sie Ihre Lieben freundlich um ein, zwei Wochen Zeit für sich allein. Die brauchen Sie und Ihre Familie, um Kräfte zu sammeln und sich auf die völlig neue Situation zu dritt einzustellen. Trubel darf später kommen!

Um den Haushalt kümmern sich erst einmal andere: Und der Putzfimmel hat Auszeit

Wenn der Vater des Babys nach der Geburt ein paar Wochen Urlaub nehmen kann, ist das toll. Denn er kann sich um Haushalt, Baby und Sie kümmern.

Ein neues Möbelstück kann sich unbedingt lohnen: Schaukeln sie sich in Ruhe

Viele Babys beruhigen sich bei wippenden Bewegungen. Das sollten Sie unbedingt nutzen, wenn Ihr Kind unruhig sein sollte. Damit Sie Ihr Kind nicht stundenlang herumtragen müssen, lohnt sich ein Schaukelstuhl.

Kurze Auszeiten für Mutter und Vater einplanen

Jedem Elternteil die Chance auf Auszeiten geben. Sie könnten sich abwechseln: Mal geht sie mit der Freundin einen Kaffee trinken, mal er zum Sport.