Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jungschar im XXL-Format

BAD LIEBENZELL (Dekanat Calw) – Über 5500 Besucher kamen an zwei Tagen nach Bad Liebenzell. Der Grund: das Kindermissionsfest. Schon seit 85 Jahren lädt die Liebenzeller Mission zu der Veranstaltung ein. In diesem Jahr gab es einen Besucherrekord.

Die Kinder bauen mit Baulklötzche
Die Kinder bauen mit Baulklötzchen (Foto: Baräbel Althendorf-Jehle)

Es gibt Datschweckle – Kindheitserinnerungen werden wach und so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die älteren Semester mit diesen Schaumküssen zwischen zwei Brötchenhälften und hernach verschmierten Lippen auf dem Festgelände zu sehen sind. Der Duft von Popcorn und heißem Tee, überall kleine und große Spielstationen, ein Raum voller Bauklötze und die überaus freundlichen und herzlichen Mitarbeiter der Liebenzeller Mission zaubern eine Wohlfühlatmosphäre.

Das Kindermissionsfest wurde wegen der vielen Anmeldungen wie immer an zwei Tagen identisch veranstaltet. In diesem Jahr einmal bei herrlichem Sonnenschein und warmen Temperaturen, die auch Spiele im nahegelegenen See ermöglichten, am zweiten Termin bei kühlem, nassem Wetter, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Die Kinder reisten mit ihren Eltern, Kinderkirchmitarbeitern oder Jungschargruppen aus ganz Süddeutschland sowie einigen Nachbarländern an.

Es ist ein christliches Kinderfest, eine Jungschar in XXL-Format. Auf über 50 Spielstationen können sich die Kinder austoben, einen Kletterberg besteigen, auf Hüpfburgen springen, kreative Rätsel lösen, basteln und malen. 

Dieser Wechsel aus Bewegung und Ruhe, von Zuhören und Mitmachen, prägt auch die so ganz anderen Gottesdienste im Festzelt, die den Mittelpunkt des „Kirchen-Kinderfestivals“ ausmachen. Diesmal lautete die Botschaft: „Stark, stärker, Jesus“. Dafür wurde ein eigenes Bühnenprogramm entworfen mit einem Theaterstück, fetzigen Liedern und Geschichten aus der Bibel. Missionare aus Ecuador, Sambia, Burundi und Deutschland gaben Einblicke in ihre Arbeit. Jana Kontermann berichtete sehr engagiert und voller Enthusiasmus von ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Berlin-Treptow.

Das Theaterstück wurde von Studenten der Internationalen Hochschule Liebenzell aufgeführt. Es veranschaulichte kindgerecht, dass Jungen und Mädchen im Alltag auf Jesus Christus vertrauen können. Die drei Freunde Fabi, Joy und Jonas erleben viele spannende Abenteuer und geraten immer wieder in brenzlige Situationen, wenn sie sich in ihr Zauberauto setzen, das effektvoll mit viel Rauch von einem Abenteuer ins andere steuert. 

Wie gebannt schauten die Kleinen nach vorne auf die drei Drehbühnen oder auf die beiden großen Leinwände rechts und links davon, die alle Akteure für jeden bis in die letzte Reihe sichtbar macht. Überhaupt war das Equipment professionell, Bild und Ton perfekt. Nicht nur die spannenden Geschichten, sondern die mitreißende Musik begeisterte klein und groß. Sie mussten nicht wie in der Kirche auf den Stühlen sitzen bleiben, sondern durften aufstehen und mitmachen: Die Hände hoch, mitschwingen, mitbewegen, mitdabeisein, wenn Gottes Wort verkündet wird.

„Das ist besser als ein normaler Gottesdienst“, sagt der elfjährige Samuel Schuler aus Bad Teinach, schiebt aber schnell diplomatisch hinterher „obwohl unsererGottesdienste in der Kirche auch nicht schlecht sind“. Auch sein siebenjähriger Bruder Aron stimmt dem zu. Vor allem das Theaterstück und die Musik begeistern die beiden Kinder. „Ganz großartig“, findet Aron, seien aber auch die Spielstationen. 

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Vater Thomas Schuler freut sich über die Begeisterung seiner Söhne. „Das Kindermissionsfest ist so gemacht, dass es alle Kinder, von klein bis groß, anspricht“. Er lobt vor allem die Organisation, die sei einfach super. Und die besticht viele Besucher, die oftmals schon seit Jahren nach Bad Liebenzell kommen.

Das fängt mit der Freundlichkeit an, mit der die Besucher zu den verschiedenen Parkplätzen geschickt werden. Jeder zweiter Satz der jungen Menschen: „Danke für ihr Verständnis“, denn Laufen zum Kirchberg muss fast jeder. Es gibt keine Parkverbote, sondern Schilder mit dem freundlichen Hinweis: „Bitte nicht parken“; und hat der Besucher den Kirchberg erreicht, ist er wieder umgeben von freundlichen Menschen, die ihn willkommen heißen, das Infoheft überreichen, indem alles simpel erklärt wird unter den Schlagworten: „Ihr habt Hunger“, „Ihr habt Durst“, „Euch fehlt ein Kind“, „Wo sind die WCs“, „Ich brauche einen Kaffee“.

Damaris Kopp aus Egenhausen war schon als Kind auf dem Missionsfest, hat es in guter Erinnerung behalten und möchte diese Erfahrung an ihre beiden Nichten und Neffen weitergeben, die sie mitgenommen hat. Sie ist voll des Lobes für die Mitarbeiter. 200 sind es an der Zahl, die alles vorbereiten und später an den beiden Tagen mithelfen. „So viel Engagement und Mühe kann man gar nicht groß genug hervorheben“, meint die 31-Jährige. Die Botschaft, dass man durch Beten zwar nicht immer gewinnen und alles erreichen kann, Gott aber einem auch helfe, mit Niederlagen umzugehen, werde den kleinen Besucher in einfachen Worten, mit viel Spaß, Theater und Musik gut vermittelt.

Dabei hilft auch Mäxi, der blaue Fuchs. Man habe aus pädagogischen Gründen diese Identifikationsfigur geschaffen, erklärt Christoph Kiess, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Liebenzeller Mission.  Mäxi drücke Gefühle, Freude, Angst oder Enttäuschung aus. Die Kinder lieben ihn und schauen noch gebannter, wenn Mäxi auftritt.

Die Sprache auf der Bühne ist kind- und jugendgerecht. Da gibt es Sätze wie: „Jesus ist die stärkste Kraftmaschine aller Zeiten, ist das nicht cool“. Da wird verschmitzt auf die Unzulänglichkeiten der Menschen hingewiesen: „Lieber Gott, schenke mir Geduld – aber mach bitte schnell.“ Da werden Bedenken, die in manchen stecken, offen angesprochen: „Ich bin keine erfahrene Mit-Jesus-Rednerin und weiß nicht wie es geht“, und beiseite geschoben mit: „Beten muss man nicht üben.“

Christoph Kiess: „In den letzten zehn Jahren hat sich sehr viel bei diesem Missionsfest verändert. Immer mehr Showelemente sind im Programmablauf, alles wurde stärker professionalisiert.“ Das kommt vor allem bei den jungen Menschen sehr gut an.

Das Kindermissionsfest ist der Auftakt. An Pfingsten herrscht stets Hochbetrieb in Bad Liebenzell. Beim Teenager Actions-Missionstag werden wieder 2000 Jugendliche erwartete, beim Missionsfest für Erwachsene 4000 Menschen. Christoph Kiess: „Ja es ist alles mit viel Arbeit verbunden. Aber der Aufwand lohnt sich, wenn wir sehen, wie viele Menschen wir durch unsere Veranstaltungen ansprechen können“. Er strahlt über das ganze Gesicht. Kein bisschen Abgespanntheit oder Stress ist ihm anzumerken. Seine Freude strahlt aus ihm heraus.

Information über die Liebenzeller Mission

Die Liebenzeller Mission ist weltweit mit rund 240 Mitarbeitern in 26 Ländern dieser Welt aktiv und engagiert sich in Gemeindegründung, theologischer Ausbildung, humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Sie ist eines der größten evangelischen Missionswerke im deutschsprachigen Raum.

Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.liebenzell.org