Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kinderlärm ist Zukunftsmusik!

Warum Kinder so gerne über die Stränge schlagen. Was sie dabei alles lernen. Welche Grenzen nötig sind. Und wie man gefahrloses Toben möglich macht.

Bild: clipdealer

Buhu, ich bin die Riesenschlange und fresse euch alle auf!“

Linus, 8, stürzt sich mit einer Decke über dem Kopf verkleidet auf die Gäste seiner Geburtstagsparty. Ein wilder Reigen entspinnt sich, eine Jagd durch den Garten, die Gartenstühle purzeln umeinander, Johlen, Kreischen, der Nachbarshund stimmt mit seinem Jaulen ein: Chaos! Mütter und Väter kennen das: Wenn Kinder einmal anfangen zu toben, sind sie kaum zu bremsen. Dann werden Lärmschutzwerte von Wohngebieten zur Makulatur. Dann geht es über Tisch und Bänke. Dann gibt es manchmal kein Halten mehr, bis entnervte Eltern als letztes Mittel ihrer Erziehungskunst einfach nur noch um Ruhe brüllen. Und sie fragen sich: Muss das denn wirklich sein? „Ja, es muss sein“, sagt Prof. Dr. Gunter Klosinski. „Toben ist für Kinder wichtig. Denn eigenständige körperliche Bewegung unterstützt die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes.“ Der Kinderpsychiater von der Universität Tübingen gilt international als anerkannter Experte für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Und er sagt: „Die körperliche und die geistige Entwicklung eines Kindes sind eng miteinander verzahnt. Deshalb tun Eltern gut daran, ihren Kindern einen Freiraum für Bewegung zu geben!“

Toben ist nicht gleich toben

Eltern wissen, dass es unterschiedliche Arten von lauter körperlicher Bewegung gibt. Da ist erst einmal zu unterscheiden das zornige Ausleben der Individuation von Kindern im sogenannten Trotzalter zwischen zwei und vier Jahren. In dieser Zeit lernen Kinder, sich und ihre Umgebung abzugrenzen und ihren eigenen Willen zu entdecken. Das geht, wie alle Eltern wissen, nicht ohne Krawall ab: Nicht umsonst bezeichnen die Amerikaner diese Altersphase als „the terrible two“, die „furchtbaren Zwei“! Hier geht es weniger um das Austoben um der Bewegung willen, als vielmehr um das körperliche Ausleben eines Unwohlseins und einer inneren Zerrissenheit. Richtig zu toben mit Freude an Bewegung beginnen Kinder etwa im Kindergartenalter. Dann spielen sie mit gleichaltrigen Freunden draußen, versenken sich in erste Rollenspiele, verbringen Zeit mit gegenseitigem Ärgern und Ausagieren von Spielen. Im Schulalter tritt beim Toben die Komponente des Kräftemessens hinzu. Nun wird die eigene Kraft verglichen mit der der Freunde und Sportskameraden. Das Herumtollen verlagert sich bei Jungs vor allem auf den Fußballplatz, der körperliche Einsatz beim Mannschaftsspiel kanalisiert hier das individuelle Austoben. Toben schließlich im Jugendalter: Im freien Tanz, bei Rock- Festivals, auf selbstorganisierten Partys dient der körperliche Exzess meist zur Musik bis zur Erschöpfung einer Konfrontation mit den eigenen Grenzen. Das Ausleben bis zur Erschöpfung lässt manche junge Menschen, so scheint es, in dieser Lebensphase erst das Leben spüren.

Warum muss es nur so laut sein?

Einher geht mit kindlichem Toben die lautstarke Artikulation: „Hände hoch, oder ich schieße!“, brüllt der zehnjährige Cowboy. Darth Vaders Laserschwert wird mit weit ausholender Geste und einem Schrei von 90 Dezibel aufwärts in den Kampf geführt. Die Nachbarschaft vernimmt’s mit Grausen! Der Grund dafür ist rasch gefunden: Toben ist ein Spiel, das die Entgrenzung des eigenen Handelns zum Prinzip erhebt. Nicht umsonst bezeichnet dieses Wort, das für uns kindliches Toben beschreibt, zugleich auch immer die entfesselte Raserei eines Wahnsinnigen. Der sprichwörtliche Tobsuchtsanfall erwachsener Menschen in Extremsituationen ist dafür nur ein Beispiel. Lautstärke gehört also dazu: Sei es, sich der Welt als Kind beweisen zu wollen, sei es, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sei es, um in einer Spielhandlung die Oberhand zu behalten, sei es schließlich, um unbewusst die eigene Stimme hörbar zu machen – und sie damit zu kräftigen. Das alles sind gute Gründe, Kinder toben zu lassen. Doch wie kriegt man das hin?

Intelligentes Toben ist gefragt

Nicht umsonst haben Kinderpsychiater Klosinski und seine Frau übrigens nach der Geburt ihrer Kinder die Entscheidung getroffen, ihren Nachwuchs nicht in der Stadt aufwachsen zu lassen – sondern in einem Dorf bei Tübingen, direkt am Waldrand. „Da waren sie dann später Stunde um Stunde mit ihren Freunden auf den Wiesen und am nahen Waldrand unterwegs, haben geheimnisvolle Entdeckungen gemacht und kamen oft erst spät abends wieder heim – völlig ungefährdet.“ Und wenn die versammelten Klosinski-Apachen samt befreundeten Stammesbrüdern mit Indianergeheul über die Prärie- Wiesen streiften, regte sich kein Mensch darüber auf. Platz genug war ja da. Solch einen Freiraum aber haben nicht alle Kinder. Vor allem in Städten sind die Plätze für ungefährdetes Toben und Entdecken für Kinder Mangelware. Die Verdichtung der Lebensräume gerade in Städten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Heilbronn tut ihr Übriges, um Kindern das Toben abzugewöhnen. Was können Eltern in einer solchen Stadtsituation tun, um dennoch für genügend körperliche Aktion ihrer Kinder zu sorgen? Früh übt sich: Kinder konsequent zum Gehen anhalten – auch wenn die Touren dann manchmal etwas länger dauern. Freude an der Bewegung können Eltern ihren Kindern mitgeben, indem sie sie einfach in jeder Lebenslage mitlaufen lassen. Das eigene Vorbild zählt: Also nicht wegen jedem Brötchen rein ins Auto und 200 Meter fahren, sondern rauf auf Schusters Rappen und zum Bäcker hinmarschiert. Wo immer sich die Hügel in Grenzen halten: Längere Strecken mit dem Fahrrad fahren. Kindern macht das ebenso Spaß. Und mit dem Zug kann man mit dem Fahrrad am Wochenende so manches schöne Ausflugs-Ziel anpeilen. Mit den Kindern alltäglich ein bisschen toben: Lustiges Raufen auf dem Wohnzimmerteppich, fingierte Jagden im Stadtpark – all das bringt Kinder auf Trab und auch die Eltern in Bewegung. Gemeinsam schwimmen gehen: einmal die Woche ab ins Stadtbad: Ein lustiges Stündchen gemeinsam reicht, um sich bei Wasserschlachten und Wasserball müde zu spielen. Einem Sportverein beitreten: Kinder wollen sich gerne bewegen – und schon Sechsjährige werden mittlerweile von Fußballclubs unter ihre Fittiche genommen. Es lohnt sich also, die Angebote der örtlichen Sportvereine zu prüfen.

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