Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kritik nutzen – als Sprungbrett

Jemanden auf Fehler aufmerksam machen oder selbst Kritik annehmen gehört zu den heikelsten Punkten in Beziehungen. Wer beides beherrscht, kann viel für sich gewinnen und aus Zitronen Limonade machen. Das Gute: Man kann es sogar lernen.  

Bei Zitronen verziehen viele angesäuert das Gesicht. Aber man kann aus ihnen leckere Limonade machen. Ähnliches gilt für Kritik. (Foto: Marianne J. / pixelio)

Das Thema Kritik gehört zu den heiklen Kapiteln im Leben. Weder möchten wir selbst kritisiert werden noch möchten wir jemandem sagen müssen, dass er einen Fehler gemacht hat. Die meisten Menschen hätten gern ein Leben, in dem alles harmonisch ist. Aber früher oder später werden wir schmerzhaft von der Realität eingeholt. Denn weder wir noch andere sind perfekt.

Deshalb gehört die Kunst, Kritik einzustecken oder anderen hilfreich etwas Kritisches zu sagen, zu den Schlüsselqualifikationen des Lebens. Privat, familiär und beruflich gilt es, den Umgang mit Kritik zu üben und dabei zu entdecken: Fehler können auch Sprungbretter fürs Weiterkommen sein. Berechtigte Beanstandungen können so etwas wie eine Kurskorrektur sein.

Wer Kritik richtig anbringt oder entgegennimmt, beherrscht die Kunst, aus Zitronen Limonade zu machen. Denn richtig „verabreicht“, kann Kritik wirken wie Zitronensaft: reinigend, klärend, stärkend und erfrischend. Aber genau wie beim Zitronensaft kommt es auf die Dosis an. Niemand verträgt Zitronensaft pur in großen Mengen, auch wenn der eigentlich noch so gesund ist.

Aber weshalb macht Kritik oft so „sauer“? Ein Grund ist, dass Kritik eine Illusion zerstört: Ich hatte gedacht, alles sei in Ordnung und nun bekomme ich zu hören, dass andere Mängel und Unvollkommenheiten wahrnehmen, die ich selbst gar nicht gesehen habe. Dabei trifft Kritik umso härter, je mehr Mühe ich mir gegeben habe und je mehr ich mich mit dem identifiziere, was ich tue oder schaffe.

Es kommt darauf an, sich bei Kritik nicht beleidigt zurückzuziehen, die Kritik wütend abzuwehren, zum Gegenangriff überzugehen, sich selbst klein zu machen oder in Tränen auszubrechen. Wer kritisiert wird, sollte sich zunächst klarmachen, dass hinter einer Kritik diese Tatsache steckt: Es nimmt mich jemand wahr, sieht, was ich tue und macht sich die Mühe, mir dazu eine Rückmeldung zu geben.

Ignoriert zu werden ist auf die Dauer unfruchtbarer und schmerzhafter als Kritik. Regelrecht unbarmherzig ist es, wenn alle anderen kritisch die Stirn runzeln oder mitleidig lächeln, aber niemand ein offenes Wort wagt! Kritik kann helfen, eigene Schwachpunkte wahrzunehmen und einen neuen Anlauf zu machen, damit es beim nächsten Mal vielleicht besser wird.

Kritik zu üben und entgegenzunehmen kann man lernen. Wie kann also Kritik als „Vitamin-C-Spritze“ wirken, die stärkt und Möglichkeiten zur positiven Veränderung eröffnet?

Hilfreiche Kritik besteht aus einer Mischung aus Wahrhaftigkeit und Barmherzigkeit, dem Gefühl für den richtigen Zeitpunkt und einem grundsätzlichen Wohlwollen für den anderen. Fördernde Kritik erfordert grundsätzlich Einfühlungsvermögen, Respekt und Wertschätzung. Wer kritisiert, sollte um die eigene „Fehlbarkeit“ und Unvollkommenheit wissen. Denn oft sehen wir gerade das an einem anderen kritisch, was wir an uns selbst nicht mögen oder was wir selbst nicht können.

Hilfreich sind beim Kritisieren folgende Regeln:

  • Wer mit einer berechtigten Kritik ankommen will, muss einen passenden Zeitpunkt wählen. Wenn der andere ohnehin unter Druck steht oder wenn Dritte dabei sind, wird für Kritik kaum Offenheit bestehen.

  • Niemand verträgt Kritik kübelweise! Wer mit seiner sachlichen Kritik ankommen will, sollte bei einem, höchstens zwei Kritikpunkten bleiben. Auf keinen Fall ein „Grundsatzthema“ an einer Kleinigkeit aufhängen!
  • Wer mit seiner Kritik ankommen will, sollte Verallgemeinerungen vermeiden. Pauschale Kritik verrät sich durch Worte wie: immer, ewig, nie, alle, andauernd. Verallgemeinerungen jagen das Gegenüber in den Bunker der Verteidigung.

  • Hilfreicher als pauschal anzuklagen ist es, einen Ich-Satz zu formulieren, eine konkrete Bitte oder einen Vorschlag zur Lösung.

  • Wichtige Grundsatzthemen mit einer langen Vorgeschichte verdienen es, zu einem verabredeten Zeitpunkt, in Ruhe, ehrlich und kompromissbereit angesprochen zu werden. Auf keinen Fall in frischem Ärger loslegen und lange angesammelte Kritikpunkte über dem anderen ausschütten.

  • Kleine Störungen sofort ansprechen und nicht bunkern. So vermeidet man unfruchtbare „Generalabrechnungen“, an denen Freundschaften, Ehen, Nachbarschaften und berufliche Zusammenarbeit zerbrechen können.

  • Wie wäre es, wenn wir andere auch einmal dabei „ertappen“, wenn sie etwas gut machen? Wir wissen von uns selbst, wie sehr Lob und Wertschätzung beflügeln.



Kritik ist deshalb oft so schwierig zu ertragen, weil wir sie „persönlich“ nehmen. Wer kritisiert wird, tut gut daran, sich nicht sofort als Person in Frage gestellt zu fühlen. Dabei hilft eine Grundhaltung, die vom eigenen Wert überzeugt ist – unabhängig davon, ob ich fehlerfreie Leistungen vorweisen kann oder mich stets tadellos verhalte. Wer geübt hat, sich selbst als geliebten Menschen Gottes wahrzunehmen, ist eher in der Lage, sich auch einmal Kritisches anzuhören und differenziert zu reagieren.

Die Frage: „Worum genau geht es? Was genau soll ich anders machen?“ hilft zur Präzisierung und Eingrenzung des Problems.

Hinter einer Kritik steckt oft ein Bedürfnis des Gegenübers. Dieses Bedürfnis wird vom Kritiker aber häufig gar nicht formuliert. Wer etwa Unpünktlichkeit kritisiert, will nicht warten. Fragen Sie genau nach, was der andere sich wünscht und wiederholen Sie in eigenen Worten, was Sie verstanden haben. Denn so können Sie abschätzen, ob Sie es erfüllen wollen oder können.

Sofortiges Reagieren führt selten zu nachhaltigen positiven Veränderungen. Besser als schnelle Zusagen oder Versprechungen zu machen, ist es, sich erst einmal zu vergewissern, ob man das Gegenüber richtig verstanden hat. Ein Satz wie: „Ich werde darüber nachdenken“ signalisiert Veränderungsbereitschaft. Zugleich verschafft er Zeit zum Nachdenken. Denn nicht jeder Kritikpunkt ist berechtigt. Wer kritisiert wird, hat das Recht, für seine eigene Sicht- und Handlungsweise auch streitbar einzutreten, wenn er das Anliegen des Kritikers für unberechtigt hält.

Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, stehen Sie dazu und versuchen Sie nicht, sich herauszureden. Womöglich lässt sich gemeinsam ein Weg verabreden, wie es besser laufen kann. Dazu gehört auch, dass man sich selbst vergibt. Gelungene Kritik ist daran zu erkennen, dass es am Ende nicht Sieger und Besiegte, sondern eine geklärte Atmosphäre gibt. Sich mit Kritik auseinanderzusetzen ist ein Zeichen erwachsenen Lebens. 

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