Christliche Themen für jede Altersgruppe

Papa allein zu Haus

Hausmänner sind heutzutage keine Exoten mehr, zumindest in den Städten hat man sich an Kinder­wagenschiebende Männer gewöhnt. Für eine 450 Seelengemeinde wie Göttelfingen im Schwarzwald sind die zwei Hausmänner im Dorf jedoch schon etwas Besonderes.


Hausmann macht Spaß: Philipp Müller mit seinem eindreiviertel Jahre alten Sohn Rico. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Das Bügeleisen nehmen die beiden Männer in Göttelfingen (Dekanat Freudenstadt) nur ungern in die Hand. „Meine Frau hat mich zu Beginn doch tatsächlich gefragt, ob ich die Wäsche nicht bügeln wolle, dabei hatte ich sie gebügelt“, lacht Philipp Müller. Seit dieser Zeit übernimmt die berufstätige Mami lieber doch diese Aufgabe selbst.

Auch Norbert Greiner macht um das Bügelbrett einen weiten Bogen, dafür hat er mit dem Putzen überhaupt kein Problem. Pfarrerin Renate Cochrane war positiv erstaunt, als sie beim Taufgespräch von Norbert Greiner erfuhr, dass er zu Gunsten seines Sohnes und damit seine Frau weiterhin im Beruf bleiben kann, künftig nur noch 60 Prozent weiter berufstätig bleiben wolle. Dann kam das nächste Taufgespräch und dabei erfuhr Renate Cochrane, dass auch Philipp Müller Hausmann werden wolle – sogar ein 70-prozentiger. „Was sind wir für eine aufgeschlossene Gemeinde, und das mitten auf dem Land“, freut sich Pfarrerin Renate Cochrane.

„Wenn ich zum Supermarkt fahre, überlege ich mir schon, ob ich auf dem Parkplatz für Mutter und Kind parken darf“, lacht Müller. Echte Probleme hat er aber eher mit den Wickelmöglichkeiten unterwegs: „Die Wickeltische sind grundsätzlich in den Damentoiletten und da gibt es schon erstaunte Blicke, wenn ich dort meinen Sohn wickle.“

Beim Elternkindturnen ist der 32-Jährige der Hahn im Korb, findet das aber ganz in Ordnung. „Da sind Mütter und Kinder gleichermaßen beschäftigt, das passt schon.“ Wenn er mit dem Buggy und dem Sohnemann durch den Ort marschiert, freut er sich aber schon, wenn er auf Norbert Greiner und dessen Sohn trifft, die zwei Väter verstehen sich gut, können sich austauschen über ihre Situation, aber auch ganz normal miteinander sprechen, so wie das eben Männer tun.

Beide Väter vermuten, dass innerhalb des Ortes schon über sie geredet wird. Doch es dringt nicht bis zu ihnen vor, bleibt also eine Vermutung. Im Bekanntenkreis haben beide schon mit Frotzeleien zu tun. Doch sie stehen darüber. Norbert Greiner lacht: „Wenn ich im Geschäft erscheine, sagt der eine oder andere schon mal: Ach da kommt unser 60-Prozentiger.“

Viele können sich unter der Arbeit eines Hausmannes nur wenig vorstellen. So musste und muss sich der 44-Jährige immer wieder anhören, wie schön er es doch sicherlich habe und was er mit seiner vielen Freizeit denn so alles anfange. Norbert Greiner ist jedoch geduldig und berichtet darüber, dass er seine Entscheidung bisher nicht bereut hat, aber Haushalt und Kind nicht Freizeit, sondern Arbeit bedeuten.

Auch Philipp Müller ist mit falschen Vorstellungen in seine neue Aufgabe hineingegangen. „Ich dachte tatsächlich, ich hätte mehr Zeit für mich.“ Beide Herren haben aber eine ganz wichtige Erfahrung für sich gemacht: „Wir haben eine ganz besondere Wertschätzung gegenüber allen Frauen und ihre Arbeit als Mutter und Hausfrau bekommen und Hut ab vor all den berufstätigen alleinerziehenden Frauen.“

Warum haben die beiden Männer dies auf sich genommen? Bei Philipp Müller war es eine Entscheidung der Vernunft. „Meine Frau verdient zum einen besser als ich, und es war für sie weitaus schwieriger als Personalreferentin in Teilzeit zu gehen.“ Er als Augenoptikermeister hatte da bessere Möglichkeiten. Wobei er Verständnis für seinen Arbeitgeber hat. Es ist nicht einfach, solch eine Situation erfordert Flexibilität, und das ist nicht immer leicht umzusetzen.


Papa ist fürs Kochen zuständig. Norbert Greiner mit seinem 14 Monate alten Sohn Marian. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Doch die Lösung ist für beide gut: Er arbeitet samstags, an Brückentagen und macht Urlaubsvertretungen. Der Vorteil: Er kommt nicht ganz aus seinem Beruf heraus, sieht auch was anderes als Haushalt und Kind und verdient dazu. Seine Kollegen können dann samstags auch mal frei machen.

In seinem Freundeskreis sorgte Philipp Müller mit der Mitteilung, Hausmann zu werden schon für Erstaunen. „In unserem Bekanntenkreis sind wir die ersten mit Nachwuchs. Vielleicht regt es den einen oder anderen Kumpel dazu an zu überlegen, ob das nicht auch eine Option fürs eigene Leben sein kann.“

Schwiegermama Eveline Jetter ist sehr zufrieden mit ihrem häuslichen Schwiegersohn. Früher wäre so etwas undenkbar gewesen, zumal die Frauen damals mehrheitlich weniger verdienten als die Männer. Heute ist es einfach ganz anders, und dass nun ihre Tochter für das Familieneinkommen sorgt und der Schwiegersohn den Enkel versorgt, akzeptiert sie voll und ganz. Auch Müllers Eltern stehen hinter der Entscheidung ihres Sohnes.

Bei Norbert Greiner war es eine bewusste Entscheidung für ein neues Leben. „Ich bin nun schon 28 Jahre Kfz-Mechaniker im Bereich Lastwagen.“ Seine Frau ist Vermessungsingenieurin beim Vermessungsamt Freudenstadt, sie haben das Haus gebaut, und als sich der Nachwuchs anmeldete, war es für Greiner klar: „Das ist jetzt auch die Chance für mich, etwas anderes in meinem Leben zu machen. Meinen Sohn auf seinen ersten Schritten begleiten.“ Und er fügt hinzu: „Dieses Wachsen mitzuerleben, möchte ich keine Minute missen.“

Auch Norbert Greiner hatte es sich einfacher vorgestellt, dachte damit eine Auszeit auch für sich selbst zu bekommen. Aber es war keine Auszeit mit mehr Freizeit, wie er dachte, sondern eine Auszeit aus dem beruflichen Trott hin zu einer bewussten Erweiterung zu einem ganz aktiven ins tägliche Leben eingebundenen Vater.

Norbert Greiner findet dieses Vatersein schön und freut sich, das auch bewusst in der heutigen Gesellschaft ausleben zu können. Er habe einen „ganz tollen Chef“, der zwar auch verdutzt dreinblickte, als Greiner seine Arbeitszeit reduziert wissen wollte. Aber letztendlich haben alle an einem Strang gezogen und eine gute Lösung gefunden, so dass sich das Ehepaar Greiner tageweise mit der Erziehung ihres Kindes abwechseln kann. Sein Betrieb ist sogar so familienfreundlich, dass er sich an der Finanzierung eines Kindergartenplatzes mit monatlich 200 Euro beteiligen wird.

Doch beide Väter wollen ihre Kinder voraussichtlich erst mit drei Jahren in den Kindergarten geben. Sie genießen ihren neuen Beruf als Hausmann und Vater. Diese Zäsur ihres Lebens, diese neue Blickrichtung gefällt beiden. Rico und Marian, die beiden Buben, sind weder auf Mama oder Papa fixiert. Rico, der Sohn von Müllers, will zwar nachts und wenn er krank ist, nur die Mama an seiner Seite haben. Und Marian Greiner lässt sich auch am liebsten von Mama ins Bett bringen. Aber ansonsten erleben die beiden ihre Väter ganz bewusst und ihre Mütter nicht allseits dominierend. Greiner und Müller sind sich einig: „Wir können allen Männern nur dazu raten, diesen Schritt zu wagen.“ Es ist nicht alles schön – das Bügeln klappt einfach nicht so gut – aber es ist eine Bereicherung für das weitere Leben, die beide nicht missen möchten.

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