Christliche Themen für jede Altersgruppe

So kommt keiner zu kurz!

Für das Zusammenleben ist es wichtig, gerecht miteinander umzugehen – vor allem dann, wenn aus Frau und Mann Mutter und Vater werden. Wie schaffen Paare es, auch in turbulenten Zeiten die Balance zu halten? Luthers hat nachgefragt.

Bild: Colourbox

Bei Heike, 36  und Johannes, 39, beide Grafiker in Reutlingen, hängt ein Wochenplan in der Küche. Für den Einkauf? Um zu wissen, wer den Mülleimer runterschleppen muss?  Oder wer für das Abholen von Moritz aus der Kita zuständig ist?

Das sind alles ganz wichtige Sachen“, sagt Heike. Und lacht dann. „Aber dieser Plan ist für was ganz anderes: Er sagt uns, wann jeder Zeit für sich in dieser Woche nehmen will – und wir für uns beide gemeinsam!“ Ein Stundenplan für ein Ehepaar? Ungewöhnlich. Aber manchmal ein wichtiges Mittel, um eines zu schaffen: Einen halbwegs gerechten Ausgleich zwischen den Partnern. Damit keiner zu kurz kommt – wenigstens bei der Zeit für sich und für die traute Gemeinschaft zu zweit.

„Gerechtigkeit gibt’s nicht!“

Balance für beide Partner – das ist ein wichtiges Stichwort für eine gelingende Beziehung. Denn nur, wenn sich auf Dauer keiner der beiden Partner überfordert oder vom anderen ausgenutzt fühlt, kann eine Partnerschaft auch harmonisch funktionieren.

Gerade ist vielleicht der erste Nachwuchs geboren – da geht sowieso alles drunter und drüber. Absprachen und bisherige Routinen sind plötzlich nur noch Makulatur. Der Ernährer der Familie – noch immer ist dies meist der Mann – muss noch stärker ran in seinem Job als bisher,  denn nun ist ja auch einer mehr zu versorgen. Kurzum: Gerade in der Phase der Familiengründung zerren eine Menge neuer Einflüsse an Frau und Mann. Da bleibt der gerechte Ausgleich – auch in der Zeit für sich und das Miteinander – oft genug auf der Strecke.

Tatsache ist: „Gerechtigkeit gibt es eigentlich auch in einer Beziehung so gut wie nie“, stellt die Tübinger Paartherapeutin Monika Heinzel-Junger fest. „Aber beide Partner tun gut daran, sie anzustreben. Denn nur so kann auf Dauer die Balance zwischen Mann und Frau erreicht werden, die nötig ist, um eine Beziehung glücklich zu gestalten!“

Klar: Diese Balance umfasst erst einmal die partnerschaftlichen Aufgaben, die Ehe und Elternschaft ohnehin mit sich bringen: die gemeinsame Versorgung der Kinder, Putzen, Waschen, Kochen, Bügeln, Müll raustragen. An diesen Beispielen zeigt sich im ersten Schritt schon, ob es in einer Partnerschaft fair zugeht – und ob beide sich in angemessenem Maße an dieser Arbeit im Alltag beteiligen. Doch Gerechtigkeit kennt noch einen zweiten Schritt: die Fairness, beiden Partnern ganz eigene Freiräume zu schaffen – und dazu auch noch die nötigen Freiräume für Mann und Frau als das Liebespaar.
Jedes Paar muss sich selbst neu finden

Doch wie macht man das in der Praxis? Heike und Johannes haben es da relativ leicht. Trotz allen Trubels und ihrer Fürsorge für den Sohn Moritz finden sie immer wieder Zeitfenster – denn sie sind als Grafiker freiberuflich unterwegs. „Ich kann auch einfach mal eine Aufgabe in den Abend oder die Nachtstunden verschieben, falls es nötig sein sollte“, erklärt Johannes. Das Paar aus Reutlingen hat sich deshalb einen Plan vornehmen können, der ihnen die nötigen Zeitfenster für gemeinsame Familienarbeit  aber auch Freizeit für sich selbst planen hilft.

So hat Heike zum ersten Male nach der Geburt ihres Sohnes wieder ihr geliebtes Tennistraining aufnehmen können. Dazu braucht sie mit Anfahrt und Umkleiden zwei Stunden am Donnerstagnachmittag. Johannes wiederum hat sich bereit erklärt, in dieser Zeit verlässlich für Moritz da zu sein – und er geht wiederum am Dienstag für zwei Stunden zu seinem Fitness-Studio. „Das sind klare Absprachen, auf die ich mich verlassen kann“, sagt Heike. „So kann ich was für mich tun und trotzdem zugleich ganz beruhigt sein, weil mein Mann sich liebevoö um unseren Sohn kümmert.“
Zeit zu zweit will geplant sein

Doch nicht nur der Ausgleich für die Interessen der beiden Partner ist wichtig. „Gerade wenn aus Frau und Mann Eltern werden, ist es wichtig, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren“, sagt Paartherapeutin Heinzel-Junger. „Neben allen Verpflichtungen, die die Elternschaft bringt, dürfen sie eines nicht vergessen: Sie sind auch noch ein Liebespaar. Und nur deshalb sind sie eigentlich Eltern geworden!“

Eltern mit kleinen Kindern wissen: Wenn sie nicht ganz konsequent gemeinsame Erlebnisse vorplanen, wird es in den seltensten Fällen dazu kommen. Das erzählt auch Heike: „Bevor wir uns den Plan gemacht haben, in dem wir uns an einem Abend pro Woche eine feste Auszeit vornehmen, sind wir meist abends einfach erschöpft auf dem Sofa zusammengesunken“, erzählt die Reutlingerin. „Keiner hatte die Kraft mehr, was auf die Beine zu stellen. Heute ist das anders!“ Denn heute planen  beide im Wechsel, was ihnen und ihrem Partner denn wohl in dieser Woche eine Freude machen würde. Sie haben dabei natürlich auch ein großes Glück: Eine Oma, die auch in Reutlingen wohnt,  steht gerne bereit, Moritz in dieser Zeit zu betreuen.

Deshalb können die beiden auch mal  entspannt los: Einfach mal in den Biergarten? Oder ins Kino? Oder nur mal an einem lauen Sommerabend durch die Stadt bummeln und ein Eis essen?  Allein, dass sich ein Frau und Mann solche kleinen Fluchten vornehmen und organisieren können, hilft, den Ausgleich für beide auch im alltäglichen Leben umzusetzen. Johannes stimmt zu: „Seit wir unsere Zeit gerecht planen und auch eine Zeit für uns ganz alleine haben, fühlen wir uns einfach besser – als Paar, aber auch als Eltern!“